Eine Slam-Koryphäe aus Graz

Ohne ihn würde die deutschsprachige Slam-Szene heute anders aussehen. Und ohne ihn wäre Graz nicht die bekannte „Slam-City“: Yannick Steinkellner lebt mittlerweile in Deutschland, aber nicht nur in seinen Texten ist er noch mit dem „echten Graz“ verbunden.

Yannick Steinkellner
Yannick Steinkellner© Henrike Dusella

Geboren in Wolfsberg, aufgewachsen in Graz. Genauer gesagt in Actionsberg, dem „echten Graz" 8020, wie es in seinem Buch „Für die Galerie" heißt. Mittlerweile lebt Yannick Steinkellner zwar in Bochum, aber seinen Ursprung wird er nie vergessen, weshalb er auch regelmäßig in die Heimat zurückkehrt. Natürlich auch, um dort Kunst zu machen.

Vom ersten Poetry Slam bis zu den deutschsprachigen Meisterschaften

Das erste Mal betrat Yannick Steinkellner 2013 eine Slam-Bühne, bereits ein Jahr später trat er in Dresden bei den deutschsprachigen Meisterschaften vor Publikum auf. Seitdem nahm er bis 2019 fast jedes Jahr (mit Ausnahme 2016) an der größten Slam-Meisterschaft im deutschsprachigen Raum teil. Seit 2015 darf sich Steinkellner auch Landesmeister der Steiermark sowie von Kärnten nennen.

Zusammen mit Mario Tomic gründete er den Verein „Performte Literatur und Slam Steiermark", kurz PLuS, der unter anderem an der Karl-Franzens-Universität den Grazer Hörsaal-Slam ins Leben gerufen hat, einen der größten Slams Österreichs. Neben zahlreichen weiteren Formaten, wie zum Beispiel „Lesen für Bier", ist Yannick Steinkellner auch Initiator des ersten U20-Slams in Graz. Dort hat der Nachwuchs der heimischen Slam-Szene auch heute noch die Möglichkeit, das zu machen, was Steinkellner 2013 vorgemacht hat: Den Grundstein für eine Künstlerkarriere zu legen.

Über die Grenzen der (deutschen) Slam-Bühnen hinaus

Yannick Steinkellner war Teil der ersten Grazer Lesebühne „Gewalt ist keine Lösung" und der Lesebühne „Das Baby ist optional" in Oberhausen. Aber nicht nur die deutschsprachigen Bühnen sind in den Genuss seiner Texte gekommen. Bei Literatur- und Spoken-Word-Festivals in Polen und Kroatien trug er ebenfalls schon seine poetischen Werke vor. 2015 „tourte" er gewissermaßen durch die österreichischen Wohnzimmer. Und zwar im ORF im Rahmen der „FIS Freestyle & Snowboard WM", mit dem Format „Yannick & der WM-Slam", bei dem seine Poetry-Clips im Fernsehen gezeigt wurden.

Der 2018 von der „Kleinen Zeitung" zum „Steirer des Tages" Geadelte ist auch Mitbegründer des Slam-Magazins „bühnen.texte", der ersten und bislang einzigen Zeitschrift, die sich mit allen Bereichen rund um das Thema Poetry-Slam beschäftigt.

Teamwork makes the dream work

Gemeinsam mit Slammer-Kollegin Jule Weber bildet Yannick Steinkellner das Team „Lingitz & Puchert", mit dem er 2019 im Finale der deutschsprachigen Teammeisterschaft stand. Zusammen mit seinen langjährigen Freunden und Slammer-Kollegen Christoph Steiner und Agens Maier hat er im letzten Jahr auch das „Slam Kollektiv Graz" ins Leben gerufen. Gemeinsam bringen sie den „Dead or Alive"-Slam ins Next Liberty, den Open-Air-„Etepetete"-Slam und den „Best of Slam" ins Schauspielhaus nach Graz.

Steinkellner ist natürlich auch in Deutschland aktiv, unter anderem als Booker der Agentur „WortLautRuhr", die im Ruhrgebiet Poetry-Slams, -Shows und -Workshops anbietet. Die Veranstaltungen der zweitgrößten Slam-Agentur Deutschlands finden derzeit fast ausschließlich digital via Twitch und Zoom statt, so musste auch der hauseigene Uwe-Kaschinski-Preis für die freie Literatur- & Slam-Szene in seiner zweiten Ausgabe ins Internet ausweichen.

„Eine Momentaufnahme für die Galerie"

So beschreibt Steinkellner sein im letzten Jahr erschienenes Buch „Für die Galerie". In diesem behandelt er sein Aufwachsen im „echten" Graz 8020. Seine Liebe zum Fußball, der er bis heute nachgeht, indem er in regelmäßigen Abständen für Sturmnetz.at schreibt.

Die geplanten Lesungen und Auftritte, bei denen Steinkellner sein Buch verkaufen wollte, sind der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen. Trotzdem war und ist die Nachfrage sehr groß.

„Die erste Auflage war innerhalb von zwei Monaten weg. Es scheint, als hätte es den Leuten, die es gelesen haben, auch gefallen. Wenn ich mich also mit vielen anderen Kolleginnen und Kollegen vergleiche, hatte ich eigentlich Glück und vor allem privat ein schönes 2020. Trotzdem will ich so ein Jahr nie wieder erleben müssen."

„Wer verliert, muss zuschauen" hat Yannick Steinkellner schon sehr früh bei den FIFA-Konsolenturnieren im Grazer Kaufhaus Kastner gelernt. Nur Zuschauer ist er schon lange nicht mehr, heute schauen (und hören) wir ihm zu. Und vielleicht findet dieser Text ja auch einen Platz in seiner Galerie.

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Nico Lang
Stand: April 2021

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