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Kunst im öffentlichen Raum Steiermark präsentiert: JOCHEN GERZ - 63 JAHRE DANACH

Foto (bsx) vlnr: Ernest Kaltenegger, Ingrid Lechner-Sonnek, Christopher Drexler, LH-Stv. Kurt Flecker, Werner Fenz, Jochen Gerz  
Foto (bsx) vlnr: Ernest Kaltenegger, Ingrid Lechner-Sonnek, Christopher Drexler, LH-Stv. Kurt Flecker, Werner Fenz, Jochen Gerz

Kulturreferent LH-Stv. Kurt Flecker zum Projekt „Jochen Gerz - 63 Jahre danach":
„Begonnen hat dieses erfolgreiche Projekt mit der Eröffnung des Mahnmals des Künstlers Jochen Gerz im Bogen des Grazer Burgtors. Dessen Text 'Ich Siegfried Uiberreither Landeshauptmann', erinnert an das politische wie auch zivile Handeln in der Zeit des Nationalsozialismus.
Doch das Projekt '63 Jahre danach' erfordert den differenzierten Blick auf gesellschaftliche und politische Entwicklungen von heute. Quer durch Europa ist ein massiver politischer Rechtsruck spürbar. Umso wichtiger sind Projekte wie dieses von Jochen Gerz, das die Öffentlichkeit anregt, über bedenkliche politische Tendenzen kritisch nachzudenken.
Ich danke vor allem Jochen Gerz für seine prägnante Arbeit und all jenen, die beim Projekt '63 Jahre danach' mitgewirkt haben."


Seit Jänner 2009 lässt der international renommierte Konzeptkünstler Jochen Gerz die
steirische Öffentlichkeit Kunst machen. Am 18. Juni 2009 präsentierte er den von ihm initiierten Prozess gemeinsam mit AutorInnen aller Projektphasen. Thema des Werks „63 Jahre danach" ist nur vordergründig die NS-Vergangenheit.

„Ich möchte in meiner Arbeit die Öffentlichkeit auf die Bühne bringen, ich möchte in einem kleinen Welttheater alle Gruppen, die Teil der Öffentlichkeit sind, auftreten lassen", sagt Jochen Gerz.

Während in Österreich als Begleiterscheinung zum EU-Wahlkampf problematische Welt- und Geschichtsbilder zu Tage traten, wurde im Rahmen von „63 Jahre danach" eine Tageszeitung zur Plattform bemerkenswerter demokratisierter Erinnerungsarbeit. LH-Stv. Kurt Flecker: „Ein zentrales Element dieser Arbeit, wie ich sie verstehe, ist die Kritik an der Kollaboration: heute bewusstes Nicht-Erkennen des Faschismus. Wer sich auf diese Weise anbiedert, wird bereits wieder mitschuldig - an einer Zukunft, die wir gerade in der derzeitigen Situation nicht abschätzen können."

Als Medium für „63 Jahre danach" dient die Kleine Zeitung, deren LeserInnen über Bilder aus der Nazi-Zeit abstimmen. „Was ich an diesem Projekt schätze, ist, dass es sich diesem Thema ohne den erhobenen Zeigefinger nähert, den mir zum Beispiel meine Söhne einfach nicht abnehmen", so Nina Popp, die sich als Leserin beteiligte und u. a. das Bild eines HJ-Lagers mit Jugendlichen im Alter der genannten Söhne favorisierte.

Und auch PolitikerInnen kamen im Rahmen von „63 Jahre danach" zu Wort. „Ich habe noch nie ein so interaktives und spannendes Denk-Mal erlebt", so VP-Klubobmann Christopher Drexler, der ein Bild kommentierte, das „Mitläufertum aufzeigt".

Der Zeitgeschichtler Helmut Konrad, der gemeinsam mit anderen Fachleuten für die Beschaffung und erste Kommentierung des Bildmaterials verantwortlich zeichnet, betonte, dass die Arbeit an „63 Jahre danach" unter den beteiligten HistorikerInnen mit einem intensiven Lernprozess verbunden war: „Wir wurden gezwungen die Kriterien, die wir an historische Bilder stellen, zu relativieren. Die Teilnahme an der Arbeit hat unser Bewusstsein für die NS-Zeit verändert. Sie erscheint nicht mehr als der pädagogische Monolith unserer Gesellschaft."

Mit Jochen Gerz' „63 Jahre danach" präsentierte das Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark ein spannendes Projekt, dessen Ausgang ebenso offen ist, wie seine Form. Am Ende werden die von ZeitungsleserInnen ausgewählten Bilder mit von ZeitungsleserInnen ausgewählten Politikerkommentaren an von ZeitungsleserInnen ausgewählten Orten in der Steiermark ausgestellt. Die Aufstellungsorte für die Bild-Text-Objekte werden in Kürze präsentiert.