Mit Humor und Fabulierlust gegen die Schwerkraft
Der Schauspieler, Kabarettist und Autor Zaid Alsalame schreibt an seinem ersten Filmdrehbuch.
Oft hört man ihn schon, bevor man ihn noch sieht - dank des ansteckenden Kicherns von Zaid Alsalame, das bei passender Gelegenheit in ungebremstes Gelächter kippt. Wer regelmäßig im Theater unterwegs ist, besonders in der steirischen Off-Szene, kennt Zaid. Beim renommierten Grazer „Theater im Bahnhof" hat er, wie er sagt, seine geistige Familie gefunden. Sein sonniges Wesen und sein Schmäh bauen aber auf einem tieferen Grund auf, als man zunächst vielleicht vermuten würde. Dass Humor für Zaid nicht einfach nur Spaß ist, sondern eine Form, mit der Realität umzugehen, zeigt sich schnell. „Humor ist wichtiger als Brot", meint er und lässt keinen Zweifel daran, dass das ernst gemeint ist.
Geboren in Bagdad, aufgewachsen in einem Umfeld aus politischem Widerstand und religiösem Druck, stand er früh zwischen den Fronten. Als Jugendlicher engagierte er sich für Frauenrechte, las Marx und spielte Theater - auf der Straße, dort, wo es sichtbar war. Und riskant.
2014 floh er nach Österreich. Kaum in Graz angekommen, war er meist im Theater anzutreffen, zuerst als Zuschauer, bald auch auf der Bühne. Ein fast unglaubliches Detail seiner Biographie, bedenkt man, dass er zu Beginn kein Wort Deutsch verstand. In Graz wurde Zaid rasch Teil der freien Theaterszene: Performances beim steirischen herbst, Projekte mit <rotor>, Forumtheater mit InterACT, Arbeiten mit Pia Hierzegger, regelmäßige Auftritte im Theater im Bahnhof. Später kamen kleinere Rollen in Kinofilmen und einem „Landkrimi" dazu. Immer wieder war er präsent. Fast immer mit Humor.
„Früher war Theater für mich eher ein politisches, aktivistisches Ventil. Konkrete künstlerische Arbeit hat für mich erst in Österreich begonnen", reflektiert Zaid. Seine erste Solo-Performance „Käse, Angst vor Migration?! Oder: Ich liebe mich, wenn ich nackt bin" hatte 2019 im Theater im Bahnhof Premiere. Ein rund 50-minütiger Abend zwischen Satire und persönlicher Erzählung. Zaid spielt darin den Iraker, der er ist, und zugleich eine Figur, die sich dieser Rolle entzieht: „Ich bin sehr stolz auf meine Rolle als Flüchtling. Psychologisch gesehen eine sehr interessante Rolle. Das Casting war sehr schwer, aber ich hatte Vorteile, weil ich Araber bin ..." so beginnt der Abend. Das ist komisch. Und bitter zugleich.
Schon in diesem ersten Stück zeigt sich, worauf seine Arbeit zielt: nicht auf Identifikation, sondern auf Reibung. Und auf die Frage, was passiert, wenn das Bild, das andere von einem haben, zum Teil der eigenen Inszenierung wird. Es folgten weitere Bühnenarbeiten mit ähnlich schrägen Titeln: "Österreich stinkt gut (2022)" - ein Solo, in dem er die österreichische Bürokratie durch die „Zaid-Brille" betrachtet. Danach „Ampere" (2024), ein dystopisches Stück über das Überleben nach der Klimakatastrophe, entwickelt mit Lena Teresa Rucker. Trotz des düsteren Settings bleibt der Ton überraschend leicht, streckenweise sogar komisch. Dass Zaid in Bagdad reale Blackout-Erfahrung gesammelt hat, war für diese Rolle womöglich nicht ganz unpraktisch.
Kunstsprache Deutsch
Zaid schreibt seine Texte auf Deutsch - eine Sprache, die er sich über das Theater angeeignet hat. Arabisch, sagt er, funktioniere für seinen Humor nicht. „Deutsch zu erlernen fiel mir nicht leicht, aber es war notwendig, um mich künstlerisch ausdrücken zu können." Schreiben ist für ihn ein körperlicher Vorgang und verbunden mit im Raum herumgehen, Sätze laut ausprobieren. Künstlerisches Arbeiten bedeutet für ihn auch: Krisen und Zweifel aushalten, die aus seinen hohen Erwartungen an sich selbst entstehen. Ein Anspruch, der hilft, über sich selbst hinauszuwachsen. Und oft auch hemmt.
Mit Ed. Hauswirth vom Theater im Bahnhof, den er liebevoll verschmitzt seinen „Papa" nennt, entwickelt Zaid derzeit die Kabarettserie „1000 Euro und eine Nacht". Der Titel ist unschwer als zwinkernde Anspielung auf seine Herkunft und gängige Klischees zu lesen. Es geht um Figuren, die sich durchlavieren, um Hochstapelei, um Identität, Migration und Anpassung. Episode 1 lief beim steirischen herbst 2025, Episode 2 ist in Arbeit. Eine Tour durch die Steiermark und darüber hinaus ist geplant. Die Idee dazu kam Zaid, als er zum Begräbnis seines Vaters das erste Mal nach elf Jahren wieder nach Bagdad fuhr. Missverständnisse gehören zum Leben zwischen verschiedenen Kulturen. Als Zaid seiner Mutter erzählte, dass er Kabarett macht, war sie überzeugt, er arbeite an einem Ort, „wo halbnackte Frauen tanzen und Männer sich besaufen".
Neben dem Kabarett schreibt Zaid in Zusammenarbeit mit Filmemacherin Kurdwin Ayub („Sonne", 2022; „Mond" 2024) seit einiger Zeit an seinem ersten Drehbuch für einen Spielfilm, betreut vom Drehbuchforum Wien. Thema: die arabische Community in Österreich. Es geht unter anderem um Assimilationsdruck, Perfektionismus und unausgesprochene Konflikte. „Wir Migranten versuchen immer, die Besten zu sein - das ist extrem anstrengend." Sagt er, lacht dabei und nimmt sich selbst keineswegs aus.
Ganz ohne Brot(-Job) geht es auch für Zaid nicht. Er arbeitet projektweise, hilft im Forum Stadtpark aus, sucht einen fixen Gastrojob und bekommt Absagen. Dass Kunst kein romantischer Zustand ist, sondern Alltag samt Bürokratie mit sich bringt, weiß er längst. „Ich habe keine Ahnung, sondern ich habe eine Geschichte", heißt es in Zaids Erstlingstext. Der erste Teil ist charmant gelogen.
Zaid Alsalame auf Instagram- Zaid Alsalame und Chrissi Buchmasser im
"Kunstfunken"-Gespräch mit Lydia Bißmann
Sigrun Karre
Dezember 2025

