19.05.2026 : St.A.i.R. - Einladung zur Präsentation "Einundfünfzig Tage eines Visums" von Bela Pogosian
Die Styria-Artist-in-Residence - kurz St.A.i.R. - ist ein Stipendium des Landes Steiermark, das sich an internationale Kunstschaffende sowie Kunsttheoretikerinnen und -theoretiker aller Sparten richtet. Die Plätze werden im Rahmen einer Ausschreibung auf Vorschlag einer Fachjury vergeben. Die Betreuung und Vernetzung erfolgen durch Grazer Kulturinitiativen. Eine Werkpräsentation ist während des Aufenthalts vorgesehen.
Einundfünfzig Tage lang konnte die armenische Künstlerin und Kuratorin Bela Pogosian im Rahmen ihres St.A.i.R. (Styria-Artist-in-Residence) - Stipendiums in Graz arbeiten. Für einen Abend öffnet sie nun neben der Leechkirche einen Raum für Begegnungen. Die Veranstaltung ist nicht als traditionelle Ausstellung konzipiert, sondern als offene Situation, in der die Betrachtenden zu Teilnehmenden werden und in der Präsenz, Dialog und das Spiel mit Farbe die zentralen Medien bilden.
📅 19.05.2026, 19:00 Uhr
📍 John Ogilvie Haus, Zinzendorfgasse 3, 8010 Graz
Pogosians künstlerische Praxis untersucht die Schnittstelle von Farbe und Klang und entwickelt ein persönliches System zur Übersetzung von Wahrnehmung, in dem Farbe als Klang fungiert und Klang Erfahrungen aufzeichnet. Auf diese Weise stellt sie die Frage, wie eine Stadt durch Farbe „gelesen" und durch Rhythmus „gehört" werden kann.
Ihre kuratorischen und forschenden Interessen richten sich auf Diasporas und Gemeinschaften, mit besonderem Fokus auf die armenische Frauendiaspora. In Armenien kuratiert Bela die Dauerausstellung Armenia - Diaspora. Im Kontext ihres Aufenthalts in Graz entwickelt sich dieses Interesse zu einer Praxis der Beobachtung und Interaktion, in der Begegnungen und Gespräche die Grundlage des künstlerischen Materials bilden. Die Künstlerin verknüpft ihre persönliche Erfahrung des Lebens in der Stadt mit kollektiven Erzählungen und formt so eine vielschichtige Wahrnehmung des Ortes. Diese Schnittpunkte bilden die Basis einer künstlerischen Untersuchung, in der sich die Stadt durch Farbe, Klang und menschliche Beziehungen entfaltet.
Die Mur wird dabei zum zentralen Element: sie begleitet ihre täglichen Wege und entwickelt sich allmählich zu einem Schlüsselbild, das die Wahrnehmung strukturiert und einen Rhythmus sowohl für die Beobachtung als auch für die Interaktion mit der Stadt vorgibt. Daraus entwickelt sie ein „Farbklavier des Flusses", das visuelle Eindrücke in Klang übersetzt. Das Spielen dieses Klaviers in unmittelbarer Nähe zum Fluss verwandelt alltägliche Bewegungen in eine performative Geste, bei der Wahrnehmung durch Handlung erfasst wird. In Erweiterung dieses Ansatzes erstellt die Künstlerin eine Farbkarte von „Begegnungen" - ein abstraktes Schema der Stadt, in dem Treffen, Bewegungen, Gespräche und emotionale Zustände durch Farbe markiert sind. Diese Karte fungiert als eine Art Partitur, die es ermöglicht, Erfahrungen klanglich zu re-inszenieren, und schlägt eine alternative Weise vor, die Stadt durch Klavierspiel zu navigieren - oder durch Vesna Petković und den Sosamma Choir, mit denen Bela geprobt hat.
Das Zine Photographic Series from Graz sowie Zeichnungen und Objekte, die dem Fluss, der urbanen Flora, Situationen und Menschen gewidmet sind, halten Bewegungen, Rhythmen, Empfindungen und Erscheinungsformen der natürlichen Umgebung fest.
Die Mentorin der Residency, Eva Ursprung, arbeitet zu feministischen und sozialpolitischen Themen. Ihre Forschung zur Mur als Ort ökologischer, sozialer und historischer Prozesse hat Pogosians Ansatz geprägt und ihn um Fragen von Erinnerung, urbaner Dynamik und kollektiver Erfahrung erweitert.

