Steirische Literaturpreise an Gangl und Hofer
HERZLICHE GRATULATION!


Natascha Gangl erhält den Literaturpreis des Landes Steiermark 2026. Die aus Bad Radkersburg stammende Autorin ist vielfach ausgezeichnet, unter anderem erhielt sie 2019 den Heimrad-Bäcker-Förderpreis, 2020 den ORF-Hörspielpreis für das beste Originalhörspiel ("Die Revanche der Schlangenfrau") und 2025 in Klagenfurt den renommierten Ingeborg-Bachmann-Preis sowie den Publikumspreis. Der dort präsentierte Text "DA STA" begeisterte damit gleichermaßen Fachjury und Publikum.
Der mit 10.000 Euro dotierte Literaturpreis des Landes Steiermark wird alle zwei Jahre für eine anerkennungswürdige literarische Leistung an eine Künstlerin oder einen Künstler mit Steiermarkbezug vergeben. Gangl folgt auf Bodo Hell (2024) und Radka Denemarková (2022).
Der in Gedenken an Peter-Roseggers Werk und dessen grenzüberschreitende Resonanz vergebene Peter-Rosegger-Literaturpreis des Landes Steiermark geht heuer an die Autorin Maria Hofer. Für die Jury erkundet Hofers Roman "Arsen" (dafür erhielt sie bereits den Schreiberei-Literaturpreis) eine Welt, "die an allen Ecken und Enden gemacht und hergestellt ist. Nichts hat hier eine wirkliche Substanz oder eine wahre Herkunft". Es handle sich um ein "ungemein politisches Buch, das nicht zuletzt auch perfekt zu heutigen Ausprägungen von Roseggers Waldheimat passt." Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.
Der biennal vergebene Preis ging zuletzt an Florian Dietmaier (2024) und Ulrike Haidacher (2022).
Die vollständige Liste der bisherigen Preisträgerinnen bzw. Preisträger finden Sie hier (Literaturpreis) und {cms:1:'hier} (Rosegger-Literaturpreis).
Jurybegründung Literaturpreis des Landes Steiermark
Nach eingehender Diskussion plädiert die Jury mehrheitlich für Natascha Gangl.
Natascha Gangl ist eine literarische Grenzgängerin. Seit vielen Jahren schon bewegt sie sich mit ihrem Schreiben zwischen den Welten, vereint Poesie und Drama, Klangkunst und Essayistik zu (Sprech-)Texten, die sich thematisch über die ganze Welt, ja sogar bis ins Reich der Toten und der Comics erstrecken können. Zugleich sind diese Texte aber auch gekennzeichnet von einer sprachlichen Tiefe, die ihresgleichen sucht - jedes Wort, oft jeder Buchstabe, sickert durch mehrere mögliche Bedeutungsebenen.
Konsequent und kompromisslos hat sie diesen Stil entwickelt und ihn mit ihrem Bachmannpreis-Gewinnertext „DA STA" (2025) nicht nur zu absoluter Meisterinnenschaft geführt, sondern der Steiermark damit auch einen neuen Klassiker geschenkt. Furchtlos gräbt sie darin die historischen Kontaminationen des südoststeirischen Grenzlands zu Slowenien und Ungarn aus und öffnet einen Blick auf einen Heimatbegriff, der nicht verkrampft eine Mitte imaginiert, sondern sich von seinen Rändern her definiert.
Jurybegründung Peter-Rosegger-Literaturpreis
Maria Hofer wird mehrheitlich vorgeschlagen.
Das literarische Debüt von Maria Hofer, die im Jahr 1987 in der Steiermark geboren wurde, ist nach einem Stoff benannt, den man in den Bergen abbaut. Arsen ist eine Art Red Bull aus der Vergangenheit: Ein Aufputschmittel, das Kraft und Ausdauer verleiht. Massenhaft kommen Stadtbewohner ins Dorf, um dort mit der wiederentdeckten Droge glücklich zu sein.
Die Autorin nivelliert damit auch die Unterschiede zwischen Stadt und Land und beraubt sie ihrer ideologischen Fixierung, die vor aktuellen politischen Hintergründen derzeit ein so starkes Revival erleben. Das Buch nivelliert diesen Gegensatz. Denn beides, sowohl die als städtisch gedachte „Asphaltkultur" auf der einen Seite und die scheinbar so „unberührte Volkskultur" auf der anderen, erweisen sich hier als Konstrukte vor kapitalistisch geprägten Hintergründen.
So erkundet Arsen eine Welt, die an allen Ecken und Enden gemacht und hergestellt ist. Nichts hat hier eine wirkliche Substanz oder eine wahre Herkunft, und alles wird nur an kurzfristigen Wirkungen und Vorteilen gemessen, die man sich so oder so an konstruierten Traditionen verschafft. Arsen ist ein ungemein politisches Buch, das nicht zuletzt auch perfekt zu heutigen Ausprägungen von Roseggers Waldheimat passt.
