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Von Kepler, Schneeflocken und Kirchtürmen

Ilka Helmig, Deutschland | bildende Kunst (St.A.i.R 2018)

Selbstporträt © Ilka Helmig
Selbstporträt
© Ilka Helmig
Kirchen Verteilung © Ilka Helmig
Kirchen Verteilung
© Ilka Helmig
Kristalle Kirchentürme © Ilka Helmig
Kristalle Kirchentürme
© Ilka Helmig

(Künstlerische Betreuung: Atelier Schillerstraße 31)

Ilka Helmig hat eine sehr persönliche Beziehung zur Steiermark. Als Kind hat sie jährlich mit ihrer Familie in Pusterwald/Bezirk Murtal auf einem Bauernhof Urlaub gemacht. Die Beziehung dorthin gibt es immer noch, die Berge als Sehnsuchtsort ebenfalls.

Als Künstlerin beschäftigt sich Ilka Helmig mit dem Spannungsverhältnis von natürlichen und kulturellen Erscheinungsformen. Sie untersucht die dabei entstehende Wechselwirkung mit visuellen Experimenten und assoziativen Gegenüberstellungen. Kern ihrer Arbeit ist die Frage nach einer zugrundeliegenden Ordnungssystematik und ihrer möglichen Übertragung von natürlichen Umgebungen auf zivilisatorische Strukturen. So ähneln Brotkrümel auf einem Teller in gewisser Weise einem Ausschnitt am nächtlichen Himmel, Kaugummis, oft massig in Gehsteige eingetreten, erinnern gleich an ein ganzes Firmament. Das künstlerische Mittel der Visualisierung ist dabei oft die Fotografie.

In Graz hat sich Ilka Helmig für die Theorien des Mathematikers, Philosophen und Theologen Johannes Kepler interessiert und herausgefunden, dass er neben seiner Arbeit über die Planeten auch einen Aufsatz zur Symmetrie von Schneekristallen verfasst hat. „Er fand heraus, dass natürliche Kräfte auch das Wachstum regulärer geometrischer Strukturen beeinflussen. So liegt allen Schneeflocken, die sehr individuell aussehen, das geometrische Sechseck zugrunde", zitiert Ilka Helmig die Erkenntnisse Keplers, der von 1594 bis 1600 als Lehrer und Landschaftsmathematiker in Graz in Diensten der Stiftsschule (Lehrer für Mathematik und Astronomie) und der Landstände (Eich- und Messwesen, Kartografie und Erstellung des jährlichen Kalenders) stand.

Ausgehend von Keplers Erkenntnissen über die Schneekristalle bemerkte Ilka Helmig, dass die Grundrisse der Türme von Sakralbauten in ihrer Geometrie Schneeflocken ähnlich sind. Im Sinne einer künstlerischen Dokumentation kartografierte sie über 60 katholische Kirchen in Graz, fünf protestantische, einige koptische und orthodoxe Kirchen, sieben Moscheen und eine Synagoge und arbeitete die Verteilungsstruktur derselben innerhalb der Stadt heraus. Unterstützt von einem wertvollen Tool des Stadtplanungsamtes (die Stadt ist online über eine 3D-Animation erlebbar, lässt sich von unterschiedlichen Perspektiven betrachten und durchschreiten,) wird die Künstlerin in alle Richtungen forschen, Ergebnisse sichten und in einer raumbezogenen Installation zusammenführen.

Ilka Helmig
Geboren 1971 in Frankfurt, lebt in Köln, Aachen und Paris. Studierte Kommunikationsdesign in Nürnberg, darauf Malerei in Bonn. Seit 2007 ist sie Professorin für Zeichnung und visuelle Konzeption an der FH Aachen.

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