Apokalyptische Tendenzen: Hip Hop trifft Streichquartett

Federico Llach, Argentinien/USA | Komposition (St.A.i.R 2018)

Migrations-Trilogie „Borders – ein intermediales Konzert“  in Graz
Migrations-Trilogie „Borders – ein intermediales Konzert“ in Graz© Federico Llach

(Künstlerische Betreuung: Trio MIM)

Federico Llachs Kompositionen schwärmen aus und verbinden sich mit unterschiedlichen musikalischen Richtungen.

Federico Llach absolvierte das Kompositionsstudium vom Bachelor, in Argentinien, über den Master bis hin zum Ph.D.-Titel, mit dem er 2017 an der University of California in Santa Barbara abschloss. Federico Llach beschäftigt sich mit zeitgenössischer Musik, die er als einen gesellschaftlichen Konnex versteht und die er immer in Verbindung zu anderen musikalischen Genres sieht. Zeitgenössische Musik hat für ihn etwas Integratives, denn sie trägt die Inspiration in sich selbst und schöpft für die Instrumente - neben den klassischen Spielformen - aus einem prall gefüllten Koffer voller Entdeckungs- und Entwicklungsmöglichkeiten. Federico Llach spielte anfangs Gitarre, doch nun spielt hauptsächlich Kontrabass. Als Jugendlicher faszinierte ihn Jazzmusik, jetzt fühlt er sich von den Spielarten des Hip-Hop angezogen oder aber auch von der Technik des Samplings für seine elektronische Musik, was für ihn aus der Populärkultur stammend universell klingt. Beeinflusst ist er in seinen Werken auch von musikalischen Traditionen unterschiedlicher Epochen. In seinem Werk „The Book of Trippin‘ - El Libro de los Flasheos" lässt er ein Streichquartett, elektronische Musik, einen Erzähler sowie Videokunst eine freie Form des letzten Bibelteils „Die Offenbarung des Johannes" in einem Slang wiedergeben, der von den Straßen L.A.s und Buenos Aires inspiriert ist. Den Text dazu liefert sein Bruder Santiago Llach. Der Komponist setzt zwei Symbole einer kulturellen Hegemonie (Konsens statt Zwang) in sein „The Book of Trippin‘": Für die Ethik die Offenbarung des Johannes und für die Ästhetik ein Streichquartett. Die beiden Erzähler Sal und Crazy John erzählen und rappen ihre Message über Drogen, Fußball und mehr. Die Musik legt sich in eine algorithmische und elektronische Mischung aus Jazz, Tango und Geräusche.

In Graz präsentierte Llach den zweiten Teil seiner Migrations-Trilogie „Borders - ein intermediales Konzert" für Akkordeon, Saxophon und Kontrabass. In den USA konzertierte er den ersten Teil „I Diali" für Flöte, Bratsche und Cello. Ausgesuchte Zeitungsartikel waren die Basis für eine musikalische Reflexion auf der Bühne. Hierbei stand die aktuelle Debatte rund um die amerikanische Einwanderungspolitik Pate. Im zweiten Teil nahm Llach Bezug auf die europäische Migrationspolitik. Für ihn auch ein persönliches Thema, da er sein Leben von Argentinien nach Kalifornien transferiert hat und aufgrund der rigiden Aufenthaltsbestimmungen immer sein Visum verlängern lassen muss.

Federico Llach
Geboren 1981 in Buenos Aires, Argentinien, studierte Komposition in Argentinien und in Santa Barbara, Kalifornien (USA). Studienabschluss 2017 mit dem Ph.D. Lebt mit seiner Familie in Alhambra.

 

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