Theaterkritik auf der Bühne

Eva Nina Lampič, Slowenien | Performance, Theater, Literatur (St.A.i.R 2019)

(Künstlerische Betreuung: zweite liga für kunst und kultur)

Der slowenischen Regisseurin ist es wichtig, dass generell über Theaterstücke gesprochen wird. So entstehen Aufführungen über Aufführungen, mit denen Eva Nina Lampič ihrem Publikum eine neue Perspektive auf bekannten Stoff eröffnen will.

„Irgendwann habe ich realisiert, dass ich mich mehr dafür interessiere, mit Leuten über eine Performance zu sprechen als für die Performance selbst", beschreibt Eva Nina Lampič die Geburtsstunde ihres Projektes „Abonnement". Seit 2018 gestaltet sie als Teil eines Kollektivs Theaterstücke, basierend auf konventionellen Theaterproduktionen, an denen die KünstlerInnen selbst mitgewirkt haben. In diesem „neuen" Stück wird das Geschehen aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, kritisch kommentiert und schließlich mit dem Publikum besprochen; dabei geht es der Eva Nina Lampič auch darum, einen feministischen Zugang zu den Stücken zu finden und die Aufmerksamkeit auf weibliche Charaktere zu richten, die sonst oftmals im Hintergrund bleiben. „Ich will in unseren Produktionen die Entscheidungen von Intendanten hinterfragen: Was gibt einem Thema Gewicht? Vor allem möchte ich Machtverhältnisse untergraben, die im Theater wie in der Gesellschaft sehr präsent sind." Im Frühjahr 2020 ist eine Zusammenarbeit mit dem Staatstheater Nürnberg geplant; Eva Nina Lampič wird Regie führen und eine weitere Folge „Abonnement" gestalten.  

Während der Zeit ihres Stipendium-Aufenthalts möchte Eva Nina Lampič, die zuletzt das Tagebuch der amerikanischen Autorin Sylvia Plath (Anmerkung: eine amerikanische Schriftstellerin, Symbolfigur der Frauenbewegung, deren Literatur mit ihrer Lebensgeschichte in einem Kontext gesehen wird) auf die Bühne brachte, dem Grazer Publikum „Potential States" präsentieren, eine Zusammenarbeit der Theater Ballhaus Ost (Berlin), Moment (Maribor) und Glej, (Ljubljana), die sich mit nicht existierenden Staaten - Jugoslawien und Kurdistan - befasst. Auch hier soll eine weitere Folge „Abonnement" entstehen. Wie diese aussehen wird, hängt stark davon ab, wie weit Grazer Theaterinstitutionen kollaborieren möchten. Eine Variante ist jedoch immer möglich: „Abonnement unplugged", das bedeutet, dass Eva Nina Lampič in einer Solo-Performance, ganz ohne SchauspielerInnen und Kulissen, an die Fantasie der ZuseherInnen appelliert. Das wäre dann sicher ein Kontrast zu den Aufführungen in Maribor, wo sich die KüstlerInnen der Bühnenbilder der originalen Stücke bedienen können. Ein ähnliches Konzept setzte Eva Nina Lampič in der Vergangenheit schon erfolgreich um: Mit „A Potential Performance" reiste sie nach Berlin und Helsinki. „Es war eine Show mit anschließender Diskussion über eine Show, die nicht existierte." So sollen auch die Grazer ZuschauerInnen eingeladen sein, „sich alles vorzustellen. Durch ihr Wissen und ihre persönlichen Erfahrungen werden sie das Event mitgestalten."

Eva Nina Lampič
Geboren 1985 in Ljubljana, Slowenien, studierte in ihrer Heimatstadt Regie und in Sheffield, England, Theater und Performance. Sie ist als Regisseurin, Schauspielerin, Drehbuchautorin und Performancekünstlerin national wie auch international tätig.

Portrait Eva Nina Lampic
Portrait Eva Nina Lampic© Luka Martin Skof
"Abonnement"
"Abonnement"© Ursa Baljkovac
Potential Performance
Potential Performance© Dani Modrej
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