Welche Klangwelten offenbart die Stadt Graz?

Sara Caneva, Italien | Musik, Komposition (St.A.i.R 2019)

Selbstporträt
Selbstporträt© Sara Caneva
Sara Caneva
Sara Caneva© Sara Caneva

(Künstlerische Betreuung: Schallfeld Ensemble) 

Wenn man neu in eine Stadt kommt, werden architektonische und historische Gegebenheiten als charakteristische Aspekte wahrgenommen - doch wie verhält es sich mit den Sounds, Geräuschen, Klängen oder Tönen, die in einer Stadt wahrnehmbar sein können? Die auditive Wahrnehmung einer Stadt bildet für Sara Caneva die Grundlage für ihren musikalischen und kompositorischen Zugang.

In Graz waren es die Kirchturmglocken des Grazer Doms, der als Teil der Grazer Stadtkrone direkt neben dem Priesterseminar steht - hier hatte Sara Caneva ihre Stipendiatenbleibe -, die sie für ihr neues Stück inspirierten. Und dieses Werk steht auch für ihren musikalischen und somit kompositorischen Zugang: Die Künstlerin beschäftigt sich mit den Geräuschen und Klängen, die ihr während der Spaziergänge durch eine Stadt begegnen. Wie hört sich die Umwelt in einem urbanen Zusammenhang an? Alle Städte, die Sara Caneva besucht, in denen sie lebt, werden über Geräusche und Klänge wahrgenommen. Ihre Kompositionen sind in der Folge in Form gebrachte Stadt-Umwelt-Klänge.

Im Fall der Grazer Glocken erzählt Sara Caneva, dass diese symbolhaft für Religion, Zeit und somit für eine Uhr und auch für eine innere Uhr stehen. Aus Canevas Recherchen entstehen Geschichten, die sie in eine zeitgenössische musikalische Form - transformiert in Elektronik - gießt.  

Wie wichtig die Recherche ist, sieht man auch an ihrem szenischen Stück „On-Off", für das sie eine Weile in einem Altersheim wohnte und die Geschichten der BewohnerInnen sammelte. Ihr Ziel war es, herauszufinden, wie alte Menschen hören und was sie noch hören können. Aus dieser Erfahrung entstand ein Werk, das im Teatro dell'Opera di Roma aufgeführt wurde und das Sara Caneva selbst als „On-Off, auditive reflection in one act for two singers, two actors, children's choir, large ensemble and tape" beschreibt. Um das Publikum nicht nur für das Auditive zu sensibilisieren, sondern selbst aktiv und kompositorisch einzubinden, konzipierte sie eine geräuschvolle Schnitzeljagd durch den Garten der Villa dei Pini in Bogliasco, Italien. Sara Caneva sagt, dass sie zu 80 Prozent Komponistin sei, die anderen 20 Prozent sei sie als Dirigentin international tätig. In ihrem Repertoire finden sich Symphonien von Ludwig van Beethoven oder Johannes Brahms genauso wie Werke von Wolfgang A. Mozart, Frank Poulenc oder auch John Cage.     

Ein Projekt, das sie während ihres Stipendiaten-Aufenthalts erarbeite, soll im Rahmen von Graz Kulturjahr 2020 aufgeführt werden.

Sara Caneva
Geboren 1991 in Rom, studierte Klavier (Abschluss 2012), Komposition (Abschluss 2013) und Orchesterdirigieren (Abschluss 2017) in Rom, Stuttgart und Mailand. Ihre internationalen Tätigkeiten führten sie als Artist-in-Residence auch nach Schleswig-Holstein, Madrid oder ans Salzburger Mozarteum. Sie stand am Dirigentenpult unterschiedlichster Orchester, wie z. B. der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz, dem Jugendorchester des Teatro dell'Opera di Roma, dem Danubia Orchestra Obuda, dem Savrai Symphony Orchestra oder der Berlin Sinfonietta

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