Kulturportal Steiermark

Mickey Mouse, Donald Duck und Pinocchio zwischen Erinnerung und Religion

Lina Albrikiene, Litauen | Installation, Video, Fotografie (St.Ai.R 2019)

(Künstlerische Betreuung: Forum Stadtpark)

Gesammelte und verknüpfte Erinnerungen, ausgedehnte und umfangreiche Recherchetätigkeiten, intuitive Themen stehen für die künstlerische Arbeit von Lina Albrikiene. Nur in Graz ergab sich alles ganz anders.

In ihrer Bewerbung für das Styria-Artist-in-Residence-Stipendium bekundet Lina Albrikiene, dass sie sich in Graz künstlerisch mit Kleidung auseinandersetzen wolle, indem sie all ihre Kleidung, mit der sie nach Graz komme, so stärken wolle, dass das Gewand selbst zu skulpturalen Gebilden werde. Dies solle sogar so lange geschehen, bis sie vielleicht gar keine Kleidung mehr zum Anziehen habe. Damit schaffe sie eine Allegorie der Fragilität, die Themen wie Immigration und Identität behandelte. Doch in ihrer finalen Ausstellung im Forum Stadtpark unter dem Titel „nEITHER MOUSE nEITHER HUMAN" erkannt man, dass sich die künstlerische Auseinandersetzung in und mit Graz ganz anders entwickelte. Allein die Unterbringung im Priesterseminar gab Albrikiene zu denken. Umgeben von Symbolen einer religiösen Kultur, die ihr fremd und auch unheimlich waren, begab sie sich in eine künstlerische Auseinandersetzung mit denselben. Sie kombinierte in ihren (Selfie-)Fotografien das persönliche Freiheitssymbol ihrer Kindheit - sie trägt auf allen Fotos einen Mickey-Mouse-Pullover - mit einem Kruzifix, wie es in allen Zimmern des Priesterseminars hängt. Zuletzt fotografierte sie sich noch einsam und allein im großen Speisesaal des Hauses, einem schmucken barocken Raum. Als Gegenstücke schuf Lina Albrikiene Selbstporträts in der Natur, aufgenommen am Semmering, wo sie sich im Wald neben einem Holzmarterl sitzend fotografierte. Auch hier ist der Mickey-Mouse-Pullover mit dabei.

Die Figuren von Walt Disney übten auf die noch zu UdSSR-Zeiten aufgewachsene Künstlerin eine unwiderstehliche Faszination aus und verkörperten in ihrer kindlichen Fantasie den Traum von Freiheit, wie es etwa auch Levi's Jeans taten. Um Freiheit geht es auch, wenn Lina Albrikiene auf zwei schwebenden Luftballons das Lied „When you wish upon a star makes no difference who you are" von Cliff Edwards aus dem Disney-Pinocchio Film (1940) zitiert. In ihrer Ausstellung lässt sie auch den Grazer Fundamentaltheologen Christian Wessely zu Wort kommen, der sich wissenschaftlich mit Donald Duck, dessen familiären Strukturen und der Stadt Entenhausen beschäftigt, wodurch Lina Albrikiene den Kreis um die Themen Identität, Freiheit, Religion und Erinnerung schließt.

Für die Realisierung ihrer Objektkünste und Installationen recherchiert und liest Lina Albrikiene sehr viel. In den letzten Jahren konzentrierte sie sich dabei auf historische und existenzielle Themen. Für die Zukunft wünscht sie sich, öfters nach Österreich zu kommen und eines Tages sogar in Wien zu leben, denn diese Stadt sei für sie ein Open Space.

Lina Albrikiene
Geboren 1984 in Vilnius, wo wie auch lebt und arbeitet. Von 2002 bis 2009 studierte sie Fotografie und Medienkunst an der Kunstakademie in Vilnius. Sie hat in Litauen schon einige Kunstpreise erhalten und stellte unter anderem in Wien, Berlin, Riga und Hamburg aus.

Ausstellung "Neither Mouse Neither Human" Ausstellung "Neither Mouse Neither Human"Ausstellung "Neither Mouse Neither Human"PriesterseminarSchwebender Luftballon
War diese Information für Sie nützlich?

Danke für Ihre Bewertung. Jeder Beitrag kann nur einmal bewertet werden.

Die durchschnittliche Bewertung dieses Beitrages liegt bei ( Bewertungen).