Poetisch komponierte Bildbewegungen

Dan Lahiani, Israel | Fotografie und Videokunst (St.A.i.R 2019)

(Künstlerische Betreuung: Schaumbad - Freies Atelierhaus Graz)

Mit der Kamera in der Hand wird für Dan Lahiani die Stadt in ihrer Gesamtheit zu einem Künstleratelier, in dem jede Form von Bewegung neue gedankliche Achsen erzeugt.

Dan Lahiani sieht in der Bewegung die Möglichkeit, Gedanken, Aussagen, Gefühle, Traum und Wirklichkeit zu verknüpfen und somit die Bewegung zum An- und Verknüpfungspunkt einer assoziativen Kette in einer Narration werden zu lassen. Die Filme des Videokünstlers Dan Lahiani entfalten eine wahre Wunderwelt und werfen gleichzeitig Fragen auf: Gibt es eine Beziehung zwischen unterschiedlichen Strukturen, etwa jener eines Gesichts, eines Gebäudes oder einer Sprache bzw. wo genau liegen die Gegensätze? Mit diesen Überlegungen ist Dan Lahiani, der sich selbst gerne bewegt, läuft oder Rad fährt, nach Graz gekommen, um auch gleich zu überlegen, welche kulturellen und auch organisatorischen Strukturen, Gegebenheiten, Regeln und Abläufe bekannt und vertraut sind, wenn man neu in eine Stadt kommt, und was erlebt man als fremd und als ganz anders. Seine Neugierde und sein Forschergeist, seine sensible und aufmerksame Wahrnehmung machen ihn zu einem Entdecker, wie er selbst sagt. Bewegung und Gegensätze treiben ihn in seiner künstlerischen Auseinanderersetzung an. Allein der Weg zwischen dem in der barocken Stadtkrone von Graz angesiedelten Priesterseminar, wo die Künstler während ihres Aufenthaltes untergebracht sind, und dem mitten in einem uncharmanten Industriegebiet liegenden Schaumbad ist für Dan Lahiani eine künstlerische Entdeckungsreise.

Um die Natur oder die Gebäude, den Himmel oder den Asphalt visuell festzuhalten, hat Dan Lahiani seine Fotokamera mit einem Objektiv mit fixer Brennweite versehen. Dies zwingt ihn zu einer fotografischen Nähe. In einer seiner letzten Videoarbeiten „The Orphan's Gifts (2017)" verknüpfte er recht subtil Innen- und Außenwelten - eine Wohnung in Paris, der schwindelerregende Blick von oben ins alte Stiegenhaus, eine junge Frau, die an einer Tür lauschend Geräusche wahrnimmt und Französisch spricht einerseits und andererseits die Entdeckung eines weißen Turms, eines modernen Bürogebäudes in Jerusalem, dessen Architektur Dan Lahiani als kalt und brutal empfindet. „The Drunken Plane" ist ein poetisch komponierter Experimentalfilm, in dem Dan Lahiani die Beobachtung des schlafenden Vaters und dessen bizarrer Wohnung mit ihren Möbeln und Erinnerungsfotos mit Traumsequenzen vermischt, die das Publikum in die Welt über den Wolken - Blick aus dem Cockpit eines Flugzeuges - entführt.

Die Filme, die der 31-jährige Künstler in Graz drehte, kreisen um das Thema Bewegung. So filmte er einerseits ein Konzert im Barocksaal des Priesterseminars des Ensembles „Chambre d'écoute" mit den KünstlerInnen und dem anwesenden Komponisten, den gebürtigen Brasilianer Rafael Nassif, und andererseits die Rettungsschwimmer in der Mur, wie sie in ihren Neopren-Anzügen durch den Fluss gleiten. Die Filme entwickeln sich ohne Absicht und ohne konkretem Konzept, sie entstehen aus der Idee und dem Moment der Bewegung und der Absicht, konventionelle Regeln zu brechen.

Dan Robert Lahiani
Geborgen 1987 in Paris, lebt und arbeitet in Jerusalem. Er studierte Mathematik, Physik und Bauingenieurwesen in Paris und Nancy bevor er in Jerusalem an der Bezalel Academy of Arts und Design ein Studium mit dem Schwerpunkt Videokunst abschloss. Seine Videoarbeiten und Installationen waren bisher in Israel, USA; Deutschland, Portugal, Wales und Niederlande zu sehen.

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