„Merkwürdige Anekdoten und aufblitzende Fragen“

Hannah Zufall, Deutschland | darstellende Kunst, Literatur (St.A.i.R. 2020)

Hannah Zufall
Hannah Zufall© Hannah Zufall

(Künstlerische Betreuung: Akademie Graz)

Hannah Zufall schreibt Theatertexte, die sich beim Lesen so anfühlen, als stünde man schon mitten auf der Bühne und mitten im Stück. In Graz beleuchtet die Künstlerin die Beziehung zwischen Insekten und Menschen.

Ihre Arbeit an verschiedenen Theatertexten zum Thema Insekten möchte Hannah Zufall in Graz weiterverfolgen. Inhaltlich konzentriert sie sich auf das Artensterben und die komplexe Beziehung des Menschen zu den Insekten. Sie möchte aber keinen Text über das Insektensterben verfassen, sondern grundlegend das Verhältnis des Menschen zur Lebenswelt der Insekten textlich ausleuchten. Hannah Zufall geht von der Prämisse aus: „In den letzten dreißig Jahren verringerte sich in den Industrieländern die ‚Biomasse‘ der fliegenden Insekten um 70 Prozent. Die Konsequenzen des Insektensterbens werden als dramatisch eingestuft."

Hannah Zufall studierte Szenische Künste an der Universität Hildesheim und schreibt vor allem Theatertexte, essayistische Texte und auch Libretti. Seit der Corona-Krise widmet sie sich auch akustischen und digitalen Schreibformaten. „Thematisch sind meine Arbeiten relativ breit gefächert, alle paar Jahre kommen neue Fragestellungen im Schreiben auf. In der letzten Zeit habe ich mich recht viel mit Natur und Sprache auseinandergesetzt." Ihre Textideen kommen, wie sie es selbst beschreibt, von „merkwürdigen Anekdoten, aufblitzenden Fragen und Anregungen von anderen". Meist gibt es auch persönlichen Momente dabei. Ihre Ideen hält sie in einem Notizbuch fest. Obwohl es eine grundsätzliche Überlegung gibt, wohin sich ein Text entwickeln soll, kann der Prozess oder das Ergebnis dann ganz anders aussehen: „Oft genug schreibe ich dann aber doch in eine zuvor unvermutete Richtung weiter, und das Konzept hat das Nachsehen."

Ihre Texte schälen sich aus einem Arbeitsprozess heraus, Schicht für Schicht durchlaufen sie mehrere Fassungen, bevor sie „fertig" sind. „Das ist ein Prozess, der manchmal auch mehrere Jahre dauern kann. Insofern ist der Weg hin zum Ergebnis natürlich sehr wichtig, da sich aus ersten Textskizzen, inhaltlichen Motiven oder Figuren schließlich die Varianten bis hin zur finalen Version entwickeln." Zu ihrem Arbeitsprozess gehört auch der Austausch mit anderen AutorInnen und TheatermacherInnen.
Als besten Ort, um einen Text zu verfassen, gibt die promovierte Literaturwissenschaftlerin den eigenen Kopf an.

Hannah Zufall
Geboren 1987 in Bielefeld. Lebt und arbeitet in Berlin als freie Autorin und Theatermacherin. Sie studiere Szenische Künste/Angewandte Kulturwissenschaften an der Universität Hildesheim und zwei Jahre lang „Les arts du spectacle" an der Université de Provence Aix-Marseille, war Regieassistentin an der Schaubühne Berlin und promovierte 2018 am Institut für deutsche Literatur an der Humboldt-Universität in Berlin.

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