Ein Blick hinter den Vorhang?

Azam Shadpour, Iran | bildende Kunst (St.A.i.R. 2020)

(Künstlerische Betreuung: Maryam Mohammadi)

Ihre Fotografien wurden zwar schon zwei Mal in Graz ausgestellt, doch Azam Shadpour selbst war noch nie in der steirischen Hauptstadt, von deren Architektur sie glaubt, dass die atemberaubend und einzigartig sein muss. Und Corona lässt sie weiter warten, bis sie endlich nach Graz kommen kann.

Ihre künstlerische Auseinandersetzung fokussiert Azam Shadpour auf ihre Umgebung, die auf sie wirkt, durchwoben von sozialen oder politischen Themen, die schließlich wieder ihre Identität als Frau und als Künstlerin strukturieren.
Für Graz plant sie eine zweite Sequenz ihrer fotografischen Arbeit „Latent", die sich mit Urbanismus und Erinnerungen beschäftigt. Das sind zum Beispiel vergessene Objekte eines Haushalts, die an Fenstern etwa hinter einem Vorhang zwar aus dem Blick der BewohnerInnen, von der Straßen aus aber sichtbar sind. Für Shadpour sind diese Gegenstände Ausdruck von Kultur, Erinnerungen und Werten. Wie sich diese Idee auf Graz übertragen lässt, kann die Künstlerin noch nicht sagen. Was sie auf alle Fälle weiß, ist, dass Corona keinen Einfluss auf ihre Projekte während ihres Aufenthalts in Graz haben wird.

Azam Shadpour entwickelt sich mit ihrer Kunst, indem sie ihr Verständnis für ihre Umgebung vertieft. Jedes Foto erzählt eine Geschichte und offenbart Realitäten, die im Hintergrund eines jeden Bildes vorhanden sind. Inspiriert wird sie in ihrer Arbeit vom täglichen Leben, von Verhaltensweisen und Reaktionen. Darum möchte sie Graz erforschen, auf sich wirken lassen, die Menschen vor Ort beobachten und sich vorstellen, worüber sie gerade reden. Sie möchte das Gefühl der Stadt kennenlernen, Kontakte knüpfen, Galerien und Ausstellungen besuchen und die Architektur der Stadt genießen. Und sie freut sich, von der ausgezeichneten Fotografie-Künstlerin Maryam Mohammadi, die ebenfalls aus dem Iran stammt, betreut zu werden.

Ihre Arbeit verfolgt Azam Shadpour Tag und Nacht: „Ich kann sehr lange aufbleiben, es kommt ganz auf das künstlerische Konzept an." Viele ihrer Projekte brauchen Monate, bis sie recherchiert und realisiert sind. Ursprünglich war Shadpour der graphischen Kunst zugetan. Sie besuchte eine graphische Schule und studierte Malerei an der Kunstuniversität in Teheran. Doch schon in ihrer Abschlussarbeit kombinierte sie Fotografie mit Malerei. Sie legte ihren künstlerischen Fokus immer mehr auf die inszenierte Fotografie: „Ich finde es erzählerischer, und es unterstützt mich in meiner Entwicklung hin zur Fotoinstallation."

Azam Shadpour
Geboren 1982 in Teheran, Iran, wo sie auch lebt und arbeitet. 2010 schloss sie das Studium der Malerei an der Universität Alzahra in Teheran mit dem BA ab. Im selben Jahr startete sie mit ihrer Karriere als Fotografin. 2016 war sie Teil der Ausstellung „We Together - Frauen aus dem Nahen und Mittleren Osten, Europa und USA" im Schaumbad - Freies Atelierhaus Graz, 2019 nahm sie an der Ausstellung „Alltag" am Afro-Asiatischen Institut in Graz teil.

"Latent"
"Latent"© Azam Shadpour
"Latent"
"Latent"© Azam Shadpour
"Latent"
"Latent"© Azam Shadpour
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