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Der einsame Prozess des Komponierens

Jan Flessel, Deutschland | Komposition, Sounddesign (St.A.i.R. 2020)

Jan Flessel © Flessel
Jan Flessel© Flessel

(Künstlerische Betreuung: Margarethe Maierhofer-Lischka)

Der Komponist nimmt immer deutliche elektronische und visuelle Elemente in seine Werke auf und möchte seinem Publikum damit neue Brücken der klanglichen Wahrnehmung bauen.

Der Arbeitsprozess des Komponierens an und für sich ist für Jan Flessel reine Inspiration: „Ich liebe diese Arbeit, Dinge zusammenzusetzen - meist aus einem Spiel heraus - und zu sehen, was dabei herauskommt. Meist merkt man dann nicht, wo die Arbeit anfängt und wo das Spiel aufhört."

Bei seinen letzten Werken stellte Jan Flessel zusätzlich zur instrumentalen Besetzung elektronische Klänge und das Medium Video neben- und übereinander. Dabei waren zwei Aspekte wichtig: „Der eine ist die Assoziation, die Musik und Klang bei einem auslösen kann, und der andere ist die Quelle, die Erzeugung, des Klangs."

Jan Fessel vergrößert audiovisuell die Lippenschwingungen bei Blechbläsern oder das Zupfen auf einer Violinsaite. Mit diesem Sichtbarmachen möchte er einerseits dem Hörenden die Möglichkeit geben, das Instrument und dessen SpielerIn besser zu verstehen. Gleichzeitig möchte er diese Idee ad absurdum führen und das Klangresultat mit anderen Assoziationen aufladen:

„Ich schreibe gerade eine Serie für ein Bläserquintett (zwei Trompeten, eine Posaune, ein Horn und eine Tuba), in der ich dieser Klangerzeugung assoziativ Naturphänomene gegenüberstelle." Im weitesten Sinne sei dies eine Pastorale, aber eben weder reine Hirtenmusik noch ein Naturidyll. „Es ist eine audiovisuelle Komposition über Natur und Klang, wobei hier die Natur und die Instrumente quasi die Rollen tauschen, und die Instrumente und ihre Spieler zum Naturphänomen werden und die Naturaufnahmen zum Instrument." Zwei Stücke Frost (Frost/Eis) und Rain (Regen) sind bereits fertig.

Flessel möchte sein Publikum mit ungewohnt Gewohntem begeistern, rütteln und zum „Nachfühlen" anregen. Die Möglichkeiten für zeitgenössischen Musik sind vielfältig, die einstige Nische vermischt sich immer mehr mit anderen Genres und Künsten. Audiovisuelle Kunst beinhalte größere Zugangsmöglichkeiten für das Publikum, da Bilder für viele eine Brücke zu ungewohnten Klängen sein können.

Durch Corona muss sein Aufenthalt in Graz leider in das Jahr 2021 verschoben werden. Jan Fessel ist bereist in Kontakt mit der Musikerin Margarethe Maierhofer-Lischka und dem Tonkünstler Peter Venus, die gemeinsam das Duo „guts‘n'faders" bilden, und plant ein Stück für Solo-Kontrabass mit Elektronik und Video-Projektionen. Ausgangspunkt ist die Polyphonie. In diesem Feld zwischen der Anweisung und der physikalischen Machbarkeit liegt nun ein Phänomen, auf das Flessel eingehen möchte. Dafür möchte er die Solistin an verschiedenen Orten mit Video und Audio aufzeichnen.

Sie wird in weiterer Folge zu einem digitalen Avatar und durch verschiedene Projektionen auf der Bühne dargestellt.„Diese erden die Darstellerin in Situationen, und Versuche trachten, eine Musiksprache und Technik zu erschließen, die im ständigen Dialog zu gleichzeitig spielenden Bildern von Eskapismus, Ablenkung und Kitsch stehen." Jan Flessel findet es inspirierend, mit andern KünstlerInnen zu kollaborieren, denn dadurch sei der einsame Prozess des Komponierens durchbrochen.

Jan Flessel
Geboren 1982 in Halle/Saale, lebt und arbeitet in Dänemark. Er studierte Komposition in Rostock, Basel und Aarhus sowie Game-Design in Kopenhagen. Er kreiert auch Sounddesigns für Computerspiele.

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