Sich selbst kennenlernen

Maryam Farhang, Iran | bildende Kunst (St.A.i.R. 2020)

(Künstlerische Betreuung: Schaumbad - Freies Atelierhaus Graz)

Aufgewachsen in einem totalitären islamischen Staat ist die Künstlerin auf der Suche nach sich, der Freiheit und dem Frausein.

Um ihre Ängste, ihre Frustrationen auszudrücken und auch zu bewältigen, begann die Künstlerin schon sehr früh in ihrer Kindheit zu malen. Maryam Farhang wurde 1983, inmitten des Iran-Irak-Krieges, geboren und erzählt, mit welchen Einschränkungen und Restriktionen sie aufwachsen musste. Denn es gab gesellschaftliche Repressionen, islamische Gesetze, die über allem und jedem standen, ein lanciertes Märtyrertum, ein destruktives Bildungssystem, die damit einhergehende Abwertung der Frau sowie die ständig kommunizierte und geschürte Angst vor Verlusten.

Maryam Farhang studierte Malerei in Teheran, und das Malen half ihr auch, über all die gefühlten und realen Grausamkeiten hinwegzukommen. Für sie ist Malen gleich wie Tanzen oder Performance eine Art Kunst, die unabhängig von Technologien ausgeübt werden kann. Aus ihrer Sicht ist die Malerei die Mutter aller Künste. Doch Maryam Farhangs „experimenteller Geist" ermuntert sie ebenso, sich auch in anderen künstlerischen Ausdrucksformen wie Texten, Poesie, Fotografie, Performance und Installation auszudrücken, um ihren bewussten und unbewussten Gefühlen, um ihrer Suche nach Identität einen kreativen Raum zu öffnen. Die persönliche, emotionale Auseinandersetzung mit dem Frausein in einer islamisch geprägten patriarchalen Gesellschaft, in der Frauen weder individuelle noch soziale Wertschätzung erfahren, spiegelt sich in ihrer Kunst wieder. Für Farhang ist Kunst eine Möglichkeit, sich selbst als Objekt und auch als Subjekt zu entdecken, ihr Selbstbewusstsein zu stärken.

Auf die Frage, was sie mit ihrer Kunst sagen oder ausdrücken möchte, zählt sie als Antwort fünf Punkte auf: * die Freiheit, sich ohne Angst ausdrücken zu dürfen; * Bilder, die Ästhetik und Körper ohne Zwang präsentieren; * in der Einsamkeit sein zu dürfen inmitten von Technologie und Social-Media-Chaos; * experimentieren und Fehler machen zu dürfen; * Kunst zu präsentieren und so der Interaktion zuzuführen.

Maryam Farhang hätte im Herbst 2020 nach Graz kommen sollen, aber Corona hat ihren Stipendien-Aufenthalt in das Jahr 2021 verschoben. Sie war 2019 schon einmal, für zwei Tage, in der steirischen Hauptstadt und war ganz begeistert von den Menschen und der Stimmung.

Die Themen, die sie in Graz künstlerisch behandeln möchte, reichen von Migration über Freiheitsgefühl, Tod, Abgrenzung und Einsamkeit. Maryam Fahrang glaubt, dass auch die Corona-Krise und das plötzliche Gefühl der Todesangt, das die gesamte Welt umspannt, ihre Arbeiten in Zukunft beeinflussen wird. Ihren Arbeiten liegt immer ein Konzept zugrunde, die technische Ausführung ist Teil des Prozesses: „Es ist immer wieder eine Herausforderung, das gedankliche künstlerische Konzept mit der technischen Umsetzung in Einklang zu bringen", sagt Farhang. Sie freut sich, dass Graz ihr die Möglichkeit bieten wird, ihre Ideen so befreit wie möglich umzusetzen. Damit sieht sie sich einen Schritt näher, eine international tätige und anerkannte Künstlerin zu sein.

Maryam Farhang
Geboren 1983 in Teheran, Iran, absolvierte das Studium der Malerei an der Shahed Univeristy sowie an der University of Elm o Farhang in Teheran. Ihr Buch „Me and the Persimmon Tree" ist 2020 in der Bibliothek der Provinz erschienen.

Catch & Stuck © Farhang
Catch & Stuck
© Farhang
Flower and Bird © Farhang
Flower and Bird
© Farhang
Cliff and Night © Farhang
Cliff and Night
© Farhang
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