Lockdown und Künstlergespräch im ZOOM-Modus

Endri Dani, Albanien | bildende Kunst (St.A.i.R. 2020)

"Bewusstsein und Kontrolle"
"Bewusstsein und Kontrolle"© denovaire

(Künstlerische Betreuung: Atelier Schillerstraße 31)

Ab Februar 2020 war Endri Dani als Artist in Residence in Graz. Wie alle TeilnehmerInnen am Styria-Artist-in-Residence-Programm des Landes Steiermark wohnte er im Priesterseminar, in den Zimmern, die für die internationalen KünstlerInnen angemietet sind - mit Blick auf Mausoleum und Dom. Künstlerisch wurde er vom Atelier Schillerstraße 31 betreut, dort ist sein Arbeitsplatz.

Als im März die Corona-Pandemie ausbrach, konnte Endri Dani nicht nach NYC weiterreisen, der Lockdown hatte ihn eingeholt. Statt einer anschließenden Residency im Big Apple blieb Endri Dani bis Ende Juni in Graz und lernte die Stadt lieben, wie er sagt. Er nützte das Environment zur Reflexion, die Nähe zu den kirchlichen Einrichtungen auch, um die Bedeutung von Religion in dieser Zeit zu überlegen.
Mit Aufstehen um fünf Uhr früh und Läufen entlang der Mur hielt er sich fit und seelisch stabil. Dabei lernte er eine Menge Menschen aus unterschiedlichen Ländern kennen, die wie er coronabedingt in Graz festsaßen. „Die Isolation hat mich sozial gemacht", sagt Endri Dani lachend. „Dass es meiner Mutter in Shkoder und meiner Schwester in Bergamo (!) gut geht, macht mich auch froh."
Die Hierarchie der Materialien ist ein Thema, das Endri Dani seit Jahren künstlerisch bearbeitet: Vor diesem Hintergrund untersuchte er ein regionales Kunsthandwerk, dessen Veränderung und Verfremdung. Und es interessierte ihn auch der Status von Graz als UNESCO City of Design, denn für ihn ist das Handwerk in Graz sehr beeindruckend.

Ein künstlerisches Projekt verfolgte Endri Dani gegen Ende seiner Zeit in Graz. Es war eine Kooperation mit einer Mutter und ihrem Baby, bei der es um Bewusstsein und Kontrolle ging. Endri Dani legte Mutter und Sohn JAZZ ein Blatt Papier vor, auf dem ein perfekter Kreis eingezeichnet war. Ebenso einen Stift. Die Mutter gab ihrem Sohn den Stift in die Hand und führte diese beim Nachzeichnen des Kreises, kontrollierte die Bewegungen. Dann musste das Baby allein weiterzeichnen. Es fand sich im „System" nicht zurecht, ohne die Kontrolle der Mutter, die Perfektion war schnell dahin, die Linien brachen aus, waren individuell und, wenn man so will, „antikonformistisch". Online fand schließlich ein internationaler, gut besuchter Artist-Talk statt, bei dem Endri Dani Einblicke in seine Arbeit, seine spezifischen künstlerischen Interessen und Untersuchungen gab. Die Stimmung dabei sei großartig gewesen, so viele frohe Gesichter, die sich nach langer Zeit wiedersahen!

Nach Corona möchte Endri Dani in eine Künstlerresidenz auf dem Land gehen und mit den Bauern zusammenarbeiten. Er hat wohl eine gewisse Sehnsucht nach Spiritualität an sich bemerkt.

Endri Dani
Geboren 1987 in Shkodra, Albanien. Kunststudium in Tirana, lebt und arbeitet in Tirana. Zahlreiche internationale Ausstellungen und Residencies, 2020 im Rahmen von curated by Ausstellungsbeteiligung in der Galerie Martin Janda, Wien.

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