Glei spüts Granada!

Mehr launiges Geschichtenerzählen als rabiates Draufhauen: Mit ihrem beschwingten Dialektpop hat sich die Grazer Band Granada in kürzester Zeit in die Herzen von Musikfreunden und -kritikern gespielt.

Granada
Granada© Granada

Der Grazer Thomas Petritsch - zuvor schon mit englischsprachigen Popsongs unter dem Künstlernamen Effi recht erfolgreich - erhielt 2015 den Auftrag, für Michael Riebls Kinofilm „Planet Ottakring" Musik beizusteuern. Für zwei Songs, „Ottakring" und „Eh ok", fand sich Platz auf dem Soundtrack - Petritsch hatte aber viel mehr Songs geschrieben und suchte eine Band, um diese Songs auch live zu präsentieren. Gesagt, getan. Es dauerte nicht allzu lang, und das Bandprojekt Granada feierte als fünfköpfige Combo im Zeichen des Eingängigen, Amüsanten und Geschmeidigen erste Erfolge. Dem Sänger und Songwriter Thomas Petritsch stehen zur Seite: Lukacz Custos (Gitarre & Gesang), Alexander Christof (Akkordeon & Gesang), Jürgen Schmidt (Bass), Roland Hanslmeier (Schlagzeug).

Zwei Alben („Granada", 2016 und „Ge Bitte!", 2018) und unzählige Live-Auftritte später zählen Granada Anfang 2019 zusammen mit Wanda und Bilderbuch zu den beliebtesten Bands aus Österreich. Man tut der Combo nicht Unrecht, wenn man ihre Mischung aus Indierock, Wiener Schmäh, Balkanpop, Styrian Folk, Blues-Riffs und viel Seele als überaus eingängig, liebenswürdig, warmherzig und frei von spröden Klängen beschreibt. Das ist Popmusik fürs Gemüt und fürs Herz; Musik, die anregend, aufmunternd und tröstend wirkt.

Entwaffnender Charme & frecher Witz

Was Granada über den Status eines Zeitgeist-Hypes hinaushebt, ist die Fähigkeit, mit Charme und Witz gesellschaftliche Entwicklungen und persönliche Befindlichkeiten zu verknüpfen und in sympathisch-beiläufigem Ton das Lebensgefühl vieler Mittzwanziger und Mittdreißiger in einnehmend-mitreißende Songs zu verpacken. Die ausdrückliche Abwesenheit von Arroganz und Besserwisserei erlaubt es Granada, in ihren Texten nicht nur ihre eigenen Unzulänglichkeiten und Schwächen zu zelebrieren und ihre Widersprüche zu belächeln, sondern ihr Publikum glaubhaft dazu aufzufordern, trotz mehrmaligem Hinfallens einfach wieder aufzustehen und weiterzumachen. Ihre zwei bisher veröffentlichten Alben beinhalten lebhafte, gutgelaunte, bitterböse, (selbst-)ironische und hemdsärmelig-fröhliche musikalische Songs, die die Freundschaft, die Liebe, das Glück und die guten Zeiten hochleben lassen. Hinter dieser fröhlichen und unbekümmerten Fassade lauert aber mitunter auch eine tiefe Melancholie und eine starke Empfindsamkeit - wobei es der Band stets gelingt, Pathos und Rührseligkeit gekonnt zu umschiffen.

Dass dieses lustvolle Spiel mit Widersprüchen so stimmig umgesetzt wird, liegt auch an der Unbekümmertheit, mit der Petritsch und Bandkollegen die Lieder kredenzen. Lockerheit und gute Laune sind angesagt. Mit ihren amüsanten Texten, einem sympathischen Hang zur Einfachheit und einer lässigen Indie-Attitüde begeistert das Grazer Quintett ein ums andere Mal. Das ein wenig Schäbige, lässig Hingeworfene und charmant Beiläufige verleiht den Granada-Songs nicht nur textlich die Würze - auch musikalisch schöpft die Band aus dem Vollen und bedient sich mit einer Nonchalance bei allem, was gut klingt und stilistisch zu den Dialekttexten passt. Wollte man versuchen, alle Genres, Stile und Einflüsse ihrer Musik zu benennen, also diese stimmige Verknüpfung von unterschiedlichsten musikalischen Elementen angemessen zu würdigen, ließe sich damit leicht eine Bachelorarbeit füllen. Daher seien Einfallsreichtum und die Vielfalt hier nur angedeutet.

Indierock & Balkanpop, Wienerlied & Northern Soul

Thomas Petritsch und seine musikalischen Mitstreiter lassen mit Chuzpe Indierockklänge auf Balkanpopklänge treffen, verknüpfen ein wenig Wienerlied-Schmäh mit der tiefen Emotionalität des Northern Soul und bringen auf forsch-tollkühne Art auch noch karibische Sounds, Blues-Riffs und steirisch gefärbten Folk stimmig unter einen musikalischen Hut. Das häufig eingesetzte Akkordeon unterstreicht die Melancholie und Melodie-Seligkeit der Musik, die Gitarren stehen dagegen für Dynamik und Tempo. Das deutschsprachige Feuilleton kam nicht umhin, Granada etwas einfallslos mit Wanda zu vergleichen und Vampire Weekend und die Strokes als internationale Referenzgrößen zu nennen. Hört man genau hin, ist die Band aber der Hemdsärmeligkeit der Wave Pictures, dem Sentiment von Beirut und der frischen Ungezwungenheit der Fratellis viel näher, und sie erinnert in ihren Dialekttexten - was Witz, Charme, Verve und Bodenständigkeit betrifft - an Heinrich Walcher, Georg Danzer und STS.

Auch wenn Granada nicht ganz davor gefeit sind, dann und wann textlich und musikalisch eine Spur zu beliebig und gefällig zu werden - Stichwort „Alternativer Konformismus" - besteht wenig Gefahr, dass die Textzeilen aus ihrem Song „Last Man Standing" auch bald auf sie zutreffen könnten: „Du host damois so vü Gscheids dazöt, oba heit san deine Gschichtn afoch öd." Mehr gemütliche Bobos als rabiate Rebellen überzeugen die Musiker mit ihrem beeindruckenden Gefühl für Melodien, Refrains und griffige Textzeilen a la „I wü mi net mehr drahn, außer ham" („Miad vom Tanzen") oder „I brauch kann Strånd, denn i bin eh am Sånd" („Palmen am Balkon") und dürften so mit ihrem beschwingten Dialektpop noch einige erfolgreiche Jahre vor sich haben.

Granada im Netz:  https://www.granadamusik.com

Heimo Mürzl
Stand: Jänner 2019

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