Link zur Startseite

Restriktion entfacht seinen kreativen Geist

Der 1971 geborene Kurt-Martin Lugger hat von der Malerei zur Musik gefunden und umgeht mit selbstgebauten Beat-Maschinen die Grazer Straßenmusikverordnung.

Kurt-Martin-Lugger © Kurt-Martin Lugger
Kurt-Martin-Lugger
© Kurt-Martin Lugger

Als er sich am Magistrat die Platzkarte abholte, um in der Grazer Fußgängerzone Gitarre spielen zu dürfen, fragte ihn der Beamte, ob er ihm eine Frage stellen dürfe - mit leicht besorgtem Unterton: „Herr Doktor, warum wollen Sie denn Straßenmusik machen?" Die Antwort von Kurt-Martin Lugger fiel einfach aus: „Weil ich es noch nie gemacht habe." Merke: Grenzen sind für KML alias Kurt-Martin Lugger stets Herausforderungen, sie auf kreative Weise zu überwinden. In der Malerei ebenso wie in der Popmusik, wo der promovierte Betriebswirt bereits zwei Alben - „Tote Materie" (2005) und „Sign From You" (2017) - und mehrere Singles vorgelegt hat.

Im Brotberuf ist Lugger Personalleiter der Karl-Franzens-Universität Graz - mit über 4.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einer der größeren Arbeitgeber der steirischen Landeshauptstadt. Sein Weg verlief nicht unbedingt geradlinig: HTL für Nachrichtentechnik in Klagenfurt, Ein-Jahr-Freiwilliger beim Bundesheer, danach Entscheidung für den Studienort Graz, weil die Dame des Herzens hier studierte, und Entscheidung für die Betriebswirtschaftslehre, weil es ein Freund auch tat. Und obwohl er als Assistent am Institut für Organisations- und Personalmanagement und später im Personalressort der Uni eine beachtliche Karriere hinlegte, resümiert Lugger heute: „Ich habe gelernt Dinge, die man begonnen hat, zu Ende zu führen. Dennoch würde ich meine Berufung heute eher in der Medizin sehen, dort zu forschen und zu arbeiten, um damit Menschen direkt helfen zu können, ist für mich etwas Faszinierendes. Mit meinem Leben bin ich mehr als zufrieden, habe eine großartige Familie, spannende Herausforderungen und die besten Kolleginnen und Kollegen der Welt", sagt er.

Von der Grafik zur Malerei

Künstlerisch war es zuerst die Grafik, später die Malerei, die es Lugger angetan hat. Wieder war ein Zufall ausschlaggebend: „Ich war an der HTL, aber die Technik hat mir zunehmend weniger zugesagt. Ich hatte in meinem Internatszimmer eine Flipchart herumstehen, und da habe ich irgendwann angefangen, das leere Papier mit meinen Buntstiften zu bemalen. Damals gewann ich in Prälat Horst-Michael Rauter einen Freund fürs Leben - er hat meinen ‚Ausbruch‘ erkannt und mich auf diesem Weg unterstützt und gefördert". Lugger erweiterte sein Repertoire um Gouachen und ab 1992 um Gemälde, die zum Teil religiöse Motive, teils abstrakte Menschenbilder zum Inhalt hatten. Die Bilder verkauften sich gut, von den ersten Honoraren legte sich der Schüler eine E-Gitarre zu, und damit war das zweite künstlerische Standbein gefunden.

„Kunst ist für mich eine Lebenssäule", sagt der kreative Kopf, der in den 1990ern mit der Grazer Band „Flurschaden" die Höhen und Tiefen des Bühnenlebens auslotete. Von Ende der 1990er-Jahre bis 2011 war Lugger beruflich und familiär stark eingespannt und der künstlerische Output entsprechend geringer. In diese Latenzphase fällt aber immerhin das deutschsprachige Album „Tote Materie" (2005), das seine Vorliebe für sphärische Rhythmuspattern und kantige Gitarrenlicks belegt. Seit 2012 Jahren ist die Malerei wieder zurück, allerdings mit der „[serie13]" digital transformiert. Für das Hotel Feuerberg auf der Gerlitzen malte KML 2016 eine Bilderserie, die bunte Farben und klare Konturen vereint und vollständig mit dem elektronischen Pinsel auf dem Tablet entstanden ist. Erst die auf 16 Stück beschränkte Printauflage macht die Bilder zu Unikaten.

Auf seinem jüngsten Album „Sign From You" (2017) präsentiert sich KML als Songwriter, der seine musikalischen Wurzeln in den 1980er-Jahren hat - einer Zeit, in der englischer New Wave langsam in den Britpop überging. Nummern wie „Sex With Your Brain" oder „Boy Needs Girl" sind Beispiele für diese ins Ohr gehende Hybridmischung aus Rock und Elektronik, wie sie Pophistoriker von Bands wie Tears for Fears oder Lightning Seeds kennen. Von den rund 40 Nummern, die KML aus eigener Feder zur Auswahl standen, haben 13 auf das englisch dominierte „Sign From You" gefunden.

Der Ordnungswache sei Dank

Nochmals mit Band aufzutreten, dazu hat KML zumindest aktuell keinerlei Ambitionen. Aber seine Songs live mit Gitarre auf der Straße zu spielen, war eine Herausforderung, der sich Lugger im Spätsommer 2017 stellte. Dabei genoss er zum einen die unmittelbare Reaktion des Publikums, zum anderen machte er die Bekanntschaft mit der Grazer Ordnungswache, die ihm - Vorschrift ist Vorschrift - die Verwendung eines Verstärkers zur Schonung der Stimme untersagte. Man muss der Stadt Graz und in weiterer Folge der Ordnungswache fast dankbar sein, denn sie hat mit diesem Verbot den kreativen Geist von KML angefacht. Sein Credo: „Kreativität kann nur durch Restriktion passieren." Und das Ergebnis: Eine Rhythmusmaschine, in der KML sein HTL-Wissen reaktiviert und Resonanzkörper wie PVC-Rohre, Kokosnüsse, Blechdosen und Holzschachteln in einem offenen Kubus verbaut hat; als Klöppel und Sticks dienen Hubmagnete, die über MIDI angesteuert werden, und das Teil produziert mehr Dezibel als es KMLs kleiner Verstärker je getan hat. Da diese rein akustische „Mechanical Beat Machine" nicht elektrisch verstärkt wird, entspricht sie den Grazer Verordnungen für Straßenmusik. Und führt sie gleichzeitig ad absurdum. Zu bewundern ist KML mit seiner mechanischen Beatmaschine in einem Externe Verknüpfung YouTube-Video. Und hin und wieder live auf Grazer Straßen.

Auch KMLs Website ist eine Fundgrube. Unter anderem findet sich darauf ein „Lycreator" - ein Programm, das elektronisch Wörter und Phrasen aneinanderreiht, aus denen man bei Bedarf Songtexte basteln kann. Und es findet sich die Ankündigung von Kurt-Martin Luggers erstem Kabarettprogramm, das sich mit den Segnungen der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) auseinandersetzen wird und im Herbst/Winter 2018 auf die Bühne kommen soll. Und natürlich kann man auf der Website auch die Songs und Alben von KML downloaden.

Weitere Informationen: Externe Verknüpfung www.kml.st

Werner Schandor
Stand: Juli 2018

Jesus is Blood, 90 x 60, Gouache auf Papier © Kurt-Martin Lugger
Jesus is Blood, 90 x 60, Gouache auf Papier
© Kurt-Martin Lugger
Wetterkreuz Feuerberg, Digitalgemälde, Print 100 x 100  © Kurt-Martin Lugger
Wetterkreuz Feuerberg, Digitalgemälde, Print 100 x 100
© Kurt-Martin Lugger
War diese Information für Sie nützlich?

Danke für Ihre Bewertung. Jeder Beitrag kann nur einmal bewertet werden.

Die durchschnittliche Bewertung dieses Beitrages liegt bei ( Bewertungen).