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Musik als Begegnungszone

Mit erst 21 Jahren zählt Ines Kolleritsch zu den interessantesten jungen Stimmen der Steiermark und führt mit ihren zahlreichen Projekten unterschiedliche musikalische Welten zusammen.

Ines Kolleritsch © Kanizaj Marija
Ines Kolleritsch
© Kanizaj Marija

Die aus Mureck stammende Ines Kolleritsch wächst in einer musikalischen Familie auf - dreizehn Jahre Klavierunterricht und jahrelanger Chorgesang zeugen davon -, will aber vorerst Bühnenbildnerin werden. Erst die armenische Jazzsängerin Anush Apoyan überzeugt sie davon, an der Kunstuniversität Graz Jazzgesang zu studieren. Innerhalb weniger Jahre entwickelt sich die talentierte Musikerin in der vitalen Jazzszene Graz mit jugendlichem Optimismus, ambitioniertem Tatendrang, charmanter Offenheit und ungeheurer Produktivität zu einer inzwischen etablierten Größe mit zahlreichen vielversprechenden Projekten. In wechselnden Konstellationen und mit unterschiedlichen Formationen, ob klassisch, dramatisch, beschwingt oder getragen-balladesk musiziert, singt und arrangiert Ines Kolleritsch mit viel Herz und großem Können und hält geschickt die Balance zwischen Unterhaltung und künstlerischem Anspruch. Die Genrebandbreite reicht vom Modern Jazz über Swing und World Music bis zum raffiniert-schwerelosen Pop mit Groove und Charme. In einem Gespräch betont Ines Kolleritsch, dass es stets um die richtige Balance gehe. „Kreativität und Talent allein genügen nicht. Ich arbeite täglich konsequent an und mit meiner Stimme. Wobei mir aber weniger die richtige Gesangstechnik am Herzen liegt, als das besondere Etwas, das es einem ermöglicht, mit seiner Stimme Atmosphäre, Gefühle und Stimmungen heraufzubeschwören."

Die ambitionierte junge Musikerin schreibt auch dem Gesangsstudium selbst eine geringere Rolle zu, als man meinen könnte, und hält Auftritte unterschiedlichster Art für wichtiger. Die Zusammenarbeit mit anderen Musikern aus verschiedenen Ländern und Kulturen und das gemeinsame Erarbeiten von Projekten und Programmen lässt das Herz von Ines Kolleritsch höher schlagen. In diesem Zusammenhang betont sie auch den guten Ruf, den Graz als gut vernetzte Jazz-Metropole hat. „Während meines Erasmus-Semesters in Barcelona wurde mir erst so richtig bewusst, wie angesehen Graz als Stadt einer lebendigen und von Internationalität geprägten Musikszene eigentlich ist, und wie dankbar ich sein kann, Teil dieser Szene - ich bezeichne sie lieber als Familie - sein zu können."

Handeln statt jammern

Auf der faulen Haut liegt Ines Kolleritsch wohl nie, und die Worte Stillstand und Leerlauf scheint sie auch nicht zu kennen. „Gejammert wird viel, gehandelt viel zu wenig", meint sie freundlich lächelnd in einem Gespräch und ergänzt mit großer Überzeugungskraft, dass für sie „das Glas immer halb voll und nie halb leer" sei. Mit dieser Einstellung, einer humanistischen Grundhaltung und unter dem Eindruck der individuellen Schicksale der vielen Flüchtlinge und Asylsuchenden nahm sie im Herbst 2015 ihre gesellschaftliche Verantwortung als Künstlerin wahr und begann damit, die Charity-Konzertreihe „Solidarity Evening" (https://www.solidarityevening.com/) zu organisieren: Deren Spendenerlös wird direkt an Verkäuferinnen und Verkäufer der Straßenzeitung Megaphon weitergereicht und hilft ihnen, ihre Familien zu ernähren. An jedem dieser Solidaritätsabende treten drei bis vier Künstler unentgeltlich auf; ein veganes Buffet sorgt für den kulinarischen Rahmen.

Nachdem die ersten vier Konzertabende in ihren privaten Wohnräumen stattgefunden hatten, gewann Ines Kolleritsch die Kunstuniversität Graz (KUG) als Kooperationspartnerin und erhält im Rahmen der KUG „Jazz Live"-Konzerte einmal pro Monat den Veranstaltungsraum im WIST in der Grazer Moserhofgasse gratis zur Verfügung gestellt. Inzwischen haben acht dieser Solidarity-Abende stattgefunden; ein Ende dieser Form von aktiver und direkter Hilfeleistung ist nicht abzusehen.

Wenn Ines Kolleritsch mit ihrer sympathischen Begeisterungsfähigkeit davon erzählt, wie „Musik als heilendes Gegenmittel gegen Verhärtung und Verrohung wirkt, Menschen zusammenführt und einander näherbringt und ihnen zeigt, dass sie nicht allein sind", dann hat das eine ansteckende Wirkung. Der musikalische Tausendsassa ist beseelt vom Wunsch, von der Musik einmal leben zu können, ohne an einer Musikschule unterrichten zu müssen. Ihre aktuellen Projekte sind viel mehr als die ersten Schritte in diese Richtung.

Internationalität und Cross-over

Die ambitionierte Musikerin verliert sich trotz ihrer vielfältigen Aktivitäten und zahlreichen Kollaborationen aber nie in ermüdendem Ideenreichtum, sondern arbeitet konsequent daran, das Komponieren, Songschreiben und Geschichtenerzählen stimmig mit den zahlreichen Live-Auftritten unter einen Hut zu bringen. Ihr Mut, etwas auszuprobieren und unterschiedliche Genres miteinander zu verknüpfen, hilft Ines Kolleritsch dabei ebenso, wie ihre schier überbordende Energie und Kreativität ihr dabei hilft, Ideen sofort und nachhaltig - sowohl künstlerisch als auch organisatorisch - zu verwirklichen. All ihren musikalischen Projekten gemein sind die verbindenden Faktoren Internationalität und Crossover.

Während bei der Swing-Formation Swingwagon mit Virtuosität und schwereloser Raffinesse arrangierte Jazz- und Swing-Standards der 20er- bis 50er-Jahre im Zentrum stehen, versucht Ines Kolleritsch mit ihrem Nu Vocal Trio eigenes Songmaterial, das von zeitgenössischen Jazz-Interpreten und lateinamerikanische Klänge unter einen musikalischen Hut zu bringen.

Mit ihrem Herzensprojekt Amadeus Vulkan verknüpft sie Modern Jazz, Chanson, World Music und Klassik auf ebenso reizvolle wie spannende Weise. Im April 2017 erscheint das über Crowdfunding finanzierte Debütalbum „For Rosemary", das „ihre Gedanken, ihre Stimmungen und ihr Seelenleben in Songs zu gießen versucht."

Schon im Herbst 2016 ist das Debütalbum „Brick By Brick" der Band Kaiko erschienen. Im Kostüm eines von raffinierter Leichtigkeit und beschwingter Lässigkeit geprägten Popentwurfs - der Song „Forget The World For A While" gibt wohlklingend die Richtung vor - entfachen die Songs jene Magie, die der vordergründigen Einfachheit gelungener Popsongs innewohnen.

Externe Verknüpfung www.ineskolleritsch.at

Heimo Mürzl
Stand: Jänner 2017

Die Bands von und mit Ines Kolleritsch:

Swingwagon: Ines Kolleritsch (Gesang & Tanz), Nikola Vukovic (Trompete), Piotr Lipowicz (Gitarre), David Dresler (Schlagzeug), Tin Dzaverovic (Bass)
Nu Vocal Trio: Ines Kolleritsch (Gesang & Klavier), Cemre Yilmaz (Gesang) und Ania Jasniak (Gesang)
Amadeus Vulkan: Ines Kolleritsch (Gesang & Klavier), Piotr Lipowicz (Gitarre), Daniel Varga (Saxophon), David Dresler (Schlagzeug), Ivar Roban Krizic (Bass)
Kaiko: Kathrin Kolleritsch (Gesang & Gitarre), Ines Kolleritsch (Gesang & Klavier), Philipp Maier (Gitarre), Georg Schober (Bass) und Thomas Gieferl (Schlagzeug) - http://www.kaikoband.com/

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