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Innere Bilder, Stimmungen und Klangfarben

Viola Hammers musikalisches Schaffen steht für die Überwindung von Genregrenzen und überzeugt mit einem geglückten Brückenschlag zwischen Komplexität und Einfachheit.

Viola Hammer © Marko Zeiler
Viola Hammer
© Marko Zeiler

Die 1985 in Bad Radkersburg geborene Viola Hammer wächst in einer Region auf, die für die Heranwachsenden zugleich wenig bietet - ein Jugendzentrum in Mureck und ein bald wieder geschlossener Skateboardpark in Bad Radkersburg haben Alleinstellungsmerkmal - und viel zulässt: Freiraum für Langeweile, jugendliche Neugierde und ungestörte Entwicklungsmöglichkeiten. Die Südoststeiermark erweist sich einmal mehr als eine inspirierende Gegend, wo so einiges gut gedeiht und heranwächst. Nicht nur Kürbis, Mais, Weintraube und Bärlauch, auch das eine oder andere künstlerische Talent. Die musikalisch begabte Viola Hammer landet sehr bald in der gut beleumundeten Musikschule in Bad Radkersburg, wo die Blockflöte vom Klavier abgelöst wird und das Nachspielen von Melodien aus Film und Fernsehen von traditionellem Klavierunterricht. Der klassischen Klavierausbildung am Johann-Joseph Fux-Konservatorium in Graz folgt ein abgeschlossenes Studium der Fächer Jazz-Piano und Instrumental- und Gesangspädagogik an der Grazer Kunstuniversität. Ein Masterstudium für Jazzkomposition und Arrangement bei Ed Partyka beschließt die Ausbildungszeit der ebenso ambitionierten wie unverschämt talentierten Musikerin Viola Hammer.


Nirvana & Buschenschank

„Meine turbulente Jugendzeit hat mich sehr geprägt. Ich hörte in diesen Jahren eigentlich nur Grunge und Punkrock, und die Musik von Nirvana hat mich emotional so richtig gepackt", erzählt Viola Hammer im Gespräch. „So war es eine Selbstverständlichkeit, dass ich mit meiner ersten Band bei einem Schulfest im Zehnerhaus in Bad Radkersburg vorwiegend Nirvana-Songs interpretierte.  Den Jazz entdeckte ich erst viel später. Dahingehend verdanke ich Brad Mehldau sehr viel. Ihm gelingt es auf stimmige Weise jazzferne Einflüsse wie die Beatles, Radiohead oder Nick Drake in seine Kompositionen zu integrieren. Beim Hören seiner Musik erkannte ich nicht nur den Unterschied von tiefer Emotionalität und Kitsch, sondern auch die schier unbegrenzten Möglichkeiten von Crossover-Projekten, die unterschiedliche musikalische Genres, Einflüsse und Ausdrucksmöglichkeiten miteinander verknüpfen."

Auch Viola Hammer versucht in ihrer Musik, Genregrenzen zu überwinden und ganz unterschiedliche musikalische Welten miteinander in Einklang zu bringen. Ihre Art von Jazz steht für Offenheit und Durchlässigkeit und spielt gekonnt mit Erwartungshaltungen und Traditionen. Ein heiter-gelassener Ennui zieht sich durch ihr musikalisches Werk und konveniert prächtig mit dem von ihr forcierten musikalischen Brückenschlag zwischen Komplexität und Einfachheit. Auf meine Frage, wieso ihr trotz ihres zweifellos großen Könnens jeder Anflug von Dünkelhaftigkeit fehlen würde, antwortet sie mit einem schelmischen Lächeln im Gesicht: " Wenn man, so wie ich, seine musikalische Initiation bei Buschenschank-Konzerten und Weinfesten erhalten hat, lernt man auch, sich selbst und sein Tun nicht zu wichtig zu nehmen und die Relationen im Blick zu behalten."


Kenntnis & Vertiefung

Auch wenn Viola Hammer immer wieder betont, dass ihre musikalischen Wurzeln untrennbar mit Punk und Indierock verbunden wären, vergisst sie nicht darauf hinzuweisen, dass sie sich über die Beschäftigung mit Jazz den vielfältigen Möglichkeiten der Improvisation angenähert hätte - neben Brad Mehldau nennt sie auch Bill Evans, Aaron Goldberg und Thelonious Monk. Und eine Künstlerin wie Leslie Feist hätte ihr gezeigt, was Klangästhetik ist, und wie man sie optimiert. Und über das bewusste Hören und Interpretieren von klassischen Komponisten wie Maurice Ravel, Claude Debussy, Robert Schumann, Sergei Rachmaninow und Aram Khachaturian hätte sich ihre Idee von Musik und ihre Vorstellung von Komposition Schritt für Schritt verfeinert. „Über Kenntnis und Vertiefung weiß ich mittlerweile genau, wie meine Musik klingen soll", sagt die Pianistin und Komponistin. Viola Hammer legt großen Wert auf eine stimmige Balance aus Melodie und Rhythmus. „Die möglichst eingängige Melodie ist mir sehr wichtig, auch ein mitreißender Rhythmus, ohne dass ich ein komplexes Harmonieschema geringschätzen würde. Wobei es letztlich der Sound ist, der den Song trägt. So kann ein durchschnittlicher Song durch einen tollen Sound enorm dazugewinnen."  

In ihrer Musik versucht Viola Hammer die inneren Bilder, Stimmungen und Klangfarben zum Klingen zu bringen - ihre Songs gleichen nicht selten einer musikalischen Reise durch imaginierte Filme. Ihre erste CD-Veröffentlichung „Close Up" (2014) - eingespielt als „Viola Hammer Trio" mit Lukas Raumberger (Bass) und Mathias Ruppnig (Schlagzeug) - verlor sich nie im Traditionellen, sondern begeisterte mit songnaher Akzentuierung aus unterschiedlichen musikalischen Versatzstücken sowohl Publikum als auch der Kritik. Nur ein Jahr später tat sich Viola Hammer mit zwölf kongenialen musikalischen Mitstreitern zusammen: Das ambitionierte „Heartbeat Project" verknüpft elektronische, beatlastige  Klänge mit orchestralen Themen, verbindet Pop-Appeal mit Filmmusik-Ästhetik und destilliert aus dem Nebeneinander von Indierock- und Klassik-Einflüssen, modernen Jazzklängen und clubtauglichen Grooves mit großer Bläserbesetzung ein ebenso stimmiges wie originelles Soundamalgam heraus. Ihre Solo-CD („Places") mit vielen klassischen Einflüssen und eine Produktion mit einem weiteren Trio-Projekt („Flipside Tale") werden 2017 erscheinen - Musik von Viola Hammer, Musik aus der österreichischen „Provinz", Musik von internationaler Qualität. Und mit dem Bonus, dass man nicht unbedingt Jazz lieben muss, um sich in dieser Musik wiederzufinden.


Projekte von und mit Viola Hammer:

  • Viola Hammer Trio: Viola Hammer (Klavier), Lukas Raumberger (Bass), Mathias Ruppnig (Schlagzeug)
  • Flipside Tale: Viola Hammer (Klavier), Morten Rambsbol (Kontrabass), Philipp Kopmajer (Schlagzeug
  • Heartbeat Project: Florian Bauer (Bassklarinette), Andrea Dujak (Oboe), Patrick Dunst (Klarinette/Altsax), Viola Hammer (Piano & Komposition), Johannes Oppel (Basstrombone), Melanija Pintar (Flöte), Michael Ringer (Bass), Manuel Schuster (Gitarre), Thomas Stabler (Drums), Mario Stuhlhofer (Flügelhorn/Trompete), Karl-Heinz Tappler (Horn)
  • Birds Against Hurricanes: Christian Bakanic (Akkordeon),  Viola Hammer (Piano), Alex Pinter (Gitarren & Ukelele)
    Recursion: Ursula Reicher (Gesang), Roland Hanslmeier (Schlagzeug), Viola Hammer (Piano), Florian Muralter (Bass & Synthesizer), Johannes Oppel (Basstrombone)


Externe Verknüpfung https://www.facebook.com/violahammermusic


Heimo Mürzl

Stand: Mai 2017

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