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Vom Bagger zum Planeten

Victoria Fux © Victoria Fux
Victoria Fux
© Victoria Fux

Ob als Darstellerin einer korrupten Obfrau eines Jagd- oder Gesangsvereins oder eines willenlos und ferngesteuerten Menschen, für die Künstlerin Victoria Fux ist Theater Leidenschaft, für die sie ihren eigenen Weg gefunden hat und den sie konsequent geht.

Das Verkleiden und Theaterspielen war für Fux schon in den Kinderjahren schon eine große Leidenschaft. Mit acht Jahren hatte sie, durch den Besuch eines Kinderkurses an der Grazer Oper, deren Aufführungen damals auf der Probebühne stattfanden, ihren ersten Kontakt zur Bühne. „Ich habe Theater immer sehr anziehend und faszinierend gefunden", erinnert sich die 29-Jährige. Mit elf Jahren war sie als einbeiniges Zigeunerkind in „The Black Rider" von Ernst. M. Binder im Grazer Schauspielhaus zu sehen. Ihre Schulausbildung absolvierte sie im Grazer Keplergymnasium, eine Schule mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt. Daneben, in Summe zwölf Jahre lang, sang sie bei den Keplerspatzen, einem gemischten Chor aus Schülern und Absolventen des Keplergymnasiums.

Mit 17 Jahren stieß sie zum Improvisationstheater, initiiert vom Verein „drahtseilakt", der junge Menschen an das Improvisationstheater heranführte, und sie nahm am Festival „Schülerliga", das Workshops, Kurse und Aufführungen gleichermaßen inkludierte, teil. Dadurch lernte Fux das Theater am Ortweinplatz (TaO!) kennen, mit dem sich der Kontakt im Laufe der Jahre intensivieren sollte. Durch kreative und ideenvolle Gespräche mit Gleichgesinnten gründete sie mit 18 Jahren nach der Matura die Impro-Theatergruppe „Bagger inda Mur": Sieben junge Menschen spielten Improvisationstheater - in unterschiedlichsten Formaten, im kleinen und größeren Rahmen und auf nationalen und internationalen Festivals.

2015 wurde „Das Planetenparty Prinzip" gegründet, ein unabhängiges, junges Theaterkollektiv aus neun Personen. Das Kollektiv lernte sich über Projekte im TaO! und im Mezzanin-Theater kennen und kam zusammen, um selbstständig eigene Projekte zu entwickeln und umzusetzen. Gelegentlich tritt das Kollektiv auch unter dem Namen „SED - Sozialistische Eingreif Druppe" auf. „Wir haben ein starkes Interesse an Performanceformen", sagt Fux. Gesellschaftspolitisch brisante Themen werden aufgegriffen, konzeptuell ausgearbeitet und in eine darstellerische Form gebracht. Die ersten beiden Projekte des „Planetenparty Prinzips" waren Performances, in denen zum Thema „Spiele" sowohl die Schauspieler als auch das Publikum als Akteure interagiert haben. Im Stück „Bitte spiel mich!" waren die Schauspieler Figuren wie im Computerspiel „Sims", die vom Publikum gesteuert wurden. Grenzen der Unterhaltung wurden hierbei unter die Lupe genommen. Das Publikum gab dazu den Schauspielern zahllose Befehle oder Aufträge, die sie auszuführen hatten, mit dem Ziel, ein Werk für die abschließende Präsentation „Kunstgalerie" zu schaffen. Die präzisen Anweisungen des Publikums waren zum Beispiel, wie ein Bild gemalt oder eine Skulptur gebaut werden sollte oder für Speis und Trank zu sorgen. Das Stück wurde im Forum Stadtpark in Graz und beim Rostfest in Eisenerz aufgeführt. Es ist die Grenzüberschreitung, die „das Planetenparty-Prinzip" interessierte: Wie weit geht der Mensch für die eigene Unterhaltung?

Das zweite Projekt „Das Part of the Game-Game" ist eine Gesellschaftssimulation mit 23 Schauspielern und doppelt so viel Publikum, das wiederum als Darsteller in drei Stunden ein ganzes Leben durchläuft. „Prestige und Geld" sind die beiden Werte, die zählen. Während sozialer Status durch Geburt Zufall ist, gilt es, Karriere zu machen und es ganz nach oben zu schaffen. Mit diesem monströsen, interaktiven Projekt hat das Kollektiv den Stella-Award des Dachverbandes für junges Theater für „Herausragende Produktion für Jugendliche" bekommen. Das Stück wurde 2016 in Graz aufgeführt. Fux hofft, dass sie die Produktion beim diesjährigen Shakespeare-Festival in Linz zeigen können. Für die Erarbeitung dieses außergewöhnlichen Stücks hat das Kollektiv vier Monate gebraucht. „Das war für uns als Gruppe immens wichtig und hat uns extra zusammengeschweißt." Als nächstes Projekt wird unter dem Titel „Aufrüsten" die Liebe zu Selbstschutz und Waffen erörtert. Das Setting: Vier unterschiedlich charakterisierte Frauen sitzen in einem Keller und unterhalten sich.

Neben dem Kollektiv, das 2017 und 2018 Teil des StipendiatInnenprogramms KUNSTRAUM STEIERMARK ist, leitet Fux eine Theaterwerkstätte am TaO!, wo sie auch ihre Theaterpädagogikausbildung absolviert hat. Im Performancetheater, wie sie es jetzt verwirklichen kann, sieht sie ein hohes Maß an Selbstentwicklung, Selbstreflexion, Stärkung des Selbstbewusstseins und des Selbstverständnisses, vor allem auch durch die genaue thematisch orientierte, präzise und umfassende Recherchearbeit, die derartige Projekte fordern. Sie hat in ihrem Leben schon viele verschiedene Jobs ausgeübt, das Studium der Kunstgeschichte begonnen und sich dann auf den Zweig „Europäische Ethnologie" spezialisiert. Im Moment ruht das Studium. Einen kleinen Ausblick in die Zukunft gibt es noch: Unter dem Arbeitstitel „Klugscheißer" erarbeitet das „Planetenparty Prinzip" ein Stück zum Thema Informationsüberfluss und Propaganda: Wie werden Meinungen gebildet und warum ist es wichtig, dieselbe Meinung zu teilen?

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