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"Warum kann die analoge Aufnahme nicht ersetzt werden?"

Die gebürtige Schladmingerin Stefanie Weberhofer ist beim Film oder viel mehr noch hinter dem Film her oder im Film mittendrin.

Stefanie Weberhofer © Viktor Schaider
Stefanie Weberhofer
© Viktor Schaider

Weberhofer stieg als Kamera-Assistentin für Dokumentarfilme, Spielfilme, Werbung und Fernsehen in die österreichische Filmwirtschaft ein, doch diese Tätigkeit diente ihr vor allem dazu, mehr Hintergründe, mehr Technik und Praxis zu lernen und damit den Anspruch an ihre eigenen künstlerisch orientierten Projekte höher schrauben zu können. „Ich habe versucht, möglichst viel Einblick in mehrere Bereiche zu bekommen, wie Design, Animation, Sounddesign und Mediendesign", sagt die 28-Jährige. Der kommerzielle Film steht aber nicht im Mittelpunkt ihres Interesses, sondern die Arbeitsweise dahinter. Und genau darum geht es auch in ihrem künstlerischen Leben:
Es ist der Produktionsprozess dahinter, der losgelöst von der Idee, das Ergebnis ihrer Experimentalfilme bedingt. „Es ist die Bildgestaltung, das Spiel und der Austausch mit dem Gerät, das die Bilder erzeugt."
Schon seit geraumer Zeit beschäftigen Videokamera und Film Weberhofer, doch sie hat nach eigenen Worten lange gebraucht, um zu verstehen, wie sie ihre Leidenschaft Film beruflich einfangen konnte. Mit 21 Jahren begann sie mit dem Bachelorstudium MultiMediaArt - Fachbereich Film & Video an der Fachhochschule Salzburg, das sie 2012 erfolgreich abschloss.

Nach ihren oben genannten Tätigkeiten in der österreichischen Filmwelt absolvierte sie von 2014 bis 2016 das Masterstudium Theater-, Film- und Medientheorie an der Universität Wien. Dazwischen absolvierte sie ein Auslandssemester Film Studies in Montreal/Kanada an der Mel Hoppenheim School of Cinema/Concordia University, das ihr neben Kontakten zur internationalen avantgardistischen Filmszene, Festivalerfahrung und viele neue Kenntnisse brachte, da der Stellenwert des kommerziellen Filmes und des experimentellen Filmes in Übersee ein völlig anderer als in Europa ist.
Seit drei Jahren beschäftigt sich die Künstlerin intensiv mit dem analogen Filmen, dem dafür verwendeten Filmmaterial, die Produktion, die Entwicklung, die Projektion und die unterschiedlichen Formate.

In ihrer Masterarbeit geht sie daher den Fragen nach.
„Warum filmt man im digitalen Zeitalter analog?" - „Warum kann die analoge Aufnahme nicht ersetzt werden?".
Für Weberhofer eröffnet sich die Magie des Analogen in der Möglichkeit, jeden Arbeitsschritt fassbar zu machen und nachvollziehen zu können, vom Einfangen des Lichts bis hin zur eigenen manuellen Filmentwicklung. Auch das Geräusch beim Drehen ist für sie eine sinnliche und leidenschaftliche Komponente. Den digitalen Film empfindet Weberhofer als eine Art Entfremdung, auch weil das Haptische so weit entfernt ist. Sie erklärt, dass der digitale Film, der in der Projektion nicht mit einer Bildfolge, sondern mit den binären Veränderungen von Pixeln arbeitet, mit der Trägheit des Auges spielt.

Weberhofer will in ihre Filme eingreifen, sie angreifen und mit ihnen experimentieren. In ihrem Film „Aufgelöst" filmte sie zuerst drei chemische Prozesse durch ein Mikroskop auf 16 Millimeter: Kristallisation - Salz löst sich in Wasser, Elektrolyse - die Spaltung von Wasser in H- (Wasserstoff) und O- (Sauerstoff) Teilchen sowie organischer Verfall - Schimmelpilze auf Tomaten.
Diesen Film bereitete die Künstlerin dann visuell auf, entwickelte und digitalisierte ihn anschließend. Und ließ dann diese entwickelten Filmstreifen den jeweiligen chemischen Prozess selbst durchleben. Diese metamorphosierten Filmstreifen ließ sie anschließend wieder digitalisieren.

Weberhofer betont ganz bewusst die Prozessverantwortung, lässt Filmstreifen zu lange im Entwickler schwimmen oder verwendet überhaupt Alternativchemie wie Rotwein oder Kaffee, um andere Effekte zu erzielen.
„Das sind wirklich medienspezifische Arbeiten, die nur im Medium Film möglich sind."
In ihrem 3 Minuten 20 Sekunden langen Super-8-Film „Look how beautiful the light moves" zeigt sie ganz ohne Schnitt in 18 Bildern pro Sekunde Lichtbewegungen in einem Haus: Sonnenverlauf, Schattenverlauf, Gegenlichtaufnahmen und Reflexion. Und genau die ist es, die bei der Filmvorführung wieder eine Rolle spielt: Wie sich durch den projizierten, filmischen Lichtstreifen, das Licht im Raum verändert.
Es steckt immer eine zweite, nicht offensichtliche Ebene dahinter, die Weberhofer thematisiert.
Ihre Filme sind sehr kurz und ihre Ideen schöpft sie aus Beobachtungen und Momentaufnahmen von Mensch und Natur, die sie dann in einem Projekt in Kombination bringt.

Ein weitere künstlerische Besonderheit sind ihre analogen Live-Film-Performances, die sie unter anderem zu den Klängen der Salzburger Band Renato Unterberg inszeniert. Sie projiziert selbst gedrehte Filme, spielt einzelne Sequenzen in Loops ab, stoppt den Film, lässt ihn verbrennen, spult weiter vor und zurück und baut durch diesen Live-Charakter eine besondere momentane Beziehung zum Publikum auf. Eine prickelnde Herausforderung liegt im Moment und im Zufall, ob und wie es funktioniert. „Es ist meine im Moment bestmögliche Leistung, die ich hier darbiete", ist sich Weberhofer bewusst. Gleichzeitig seien die Außenwirkungen für sie nicht abschätzbar, sie seien da und fließen unwillkürlich mit ein. Dadurch verschiebe sich auch der eigene Perfektionsanspruch.

Gemeinsam mit Renato Unterberg produziert die Künstlerin auch die Musikvideos der Band, die freudig experimentell wirken.
Im Oktober und November 2016 ist sie als Film-Auslandsstipendiatin des Landes Steiermark in Bukarest (Rumänien) unterwegs und wird dort an einer Installation mit handmade analogen Filmen arbeiten.
Für ihr weiteres künstlerisches Leben möchte sie sich mehrere Standbeine aufbauen: eigene Kunstprojekte, Performances, Workshops und Kameraassistenz.
                                                                                                                                      Petra Sieder-Grabner 
                                                                                                                                                Oktober 2016

look_l1 © Stefanie Weberhofer
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© Stefanie Weberhofer
look_I2 © Stefanie Weberhofer
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© Stefanie Weberhofer
performance © Sonya Stefan
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© Sonya Stefan
trailer © Stefanie Weberhofer
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© Stefanie Weberhofer
still_aufgeloest01 © Stefanie Weberhofer
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© Stefanie Weberhofer
still_aufgeloest02 © Stefanie Weberhofer
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© Stefanie Weberhofer
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