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Der Soundtrack für den Film im Kopf

Die Styronauten beleben das Genre des Space Rock neu.

Styronauten © Una Knipsolina
Styronauten
© Una Knipsolina

#fusion, #experimental, #psychedelic lauten die Hashtags, mit denen die „Styronauten“ ihre Musik auf der Plattform Soundcloud beschreiben. Als mögliche Kategorisierungen könnte man noch ergänzen: Prog-Rock bzw. Space Rock – also zwei eng verwandte Genres, die vor allem in den 1970ern an der Schnittstelle von Rock und Jazz die Membrane der Verstärker zum Dröhnen brachten. Kennzeichen: Steter Groove, elegante Bassläufe, verzerrte Gitarrensoli und ein Keyboard, das Soundteppiche auslegt und mitunter klassisch anmutende Melodien in die Gehörgänge pinselt. Pink Floyd sind das prominenteste Aushängeschild dieser Musikrichtung, die mit den Styronauten eine grün-weiße Wiederbelebung erfährt.

Die Styronauten sind aus Jam-Sessions einer losen Gruppe von Musikern hervorgegangen, die sich seit über zehn Jahren regelmäßig in Grazer Probekellern traf und es sich zur lieben Gewohnheit machte, einmal im Jahr für eine Woche auf einer Almhütte gemeinsam Musik zu machen. Aus diesen Sessions hat sich 2010 ein Quartett in klassischer Rockband-Besetzung formatiert; es besteht derzeit aus Heinz Hoppaus an den Keyboards, Ingo Hauer am Schlagzeug, Roland Renner am Bass und Werner Schmierdorfer an der Gitarre. Der Bandname „Styronauten“ zielt einerseits auf die musikalische Inspiration ab, die sich die Formation aus der heimatlichen Naturlandschaft holt, und andererseits auf die astronautischen Klangerkundungen, die regelmäßig in atmosphärische Gefilde führen.

Delta wie Differenz
Im Frühjahr 2016 erschien das erste Album der Styronaten, „Delta“, als Vinyl mit beigelegter CD. „Delta ist die Flussmündung, und in der Mathematik ist es das Zeichen für die Differenz“, erläutert Schlagzeuger Ingo Hauer in einem Gespräch. Dass Differenzen im Sinne unterschiedlicher musikalischer Positionen der Bandmitglieder durchaus produktiv sein können, zeigt sich auf „Delta“ an den insgesamt sieben Instrumentalstücken, die das Klanguniversum der Styronauten zwischen Rock, Jazz und Elektronik aufspannen. „Die Nummern haben sich zumeist aus Improvisationen entwickelt“, erzählt Hauer und nennt das Auftaktstück „Mikro Makro“, das typisch sei für die Entstehung der Songs: Der erste, düstere Akkord-Cluster auftürmende Teil des Stücks ist aus einer Impro-Session hervorgegangen; der zweite, bei dem eine munter voranschreitende Keyboardmelodie dominiert, wurde von Heinz Hoppaus dazukomponiert. Auch das Herzstück des Albums, die 15-minütige „Stardust Suite“, ist aus mehreren sehr unterschiedlichen Segmenten zusammengesetzt – von schwelgerischen Parts bis hin zu sehr pumpenden Rock-Takten.

„Delta“ wurde bereits 2014 aufgenommen, mit der Veröffentlichung hat man aufgrund anderwärtiger Verpflichtungen der Bandmitglieder allerdings den passenden Zeitpunkt abgewartet, der 2016 im Frühjahr gekommen war. Erstmals medial aufhorchen ließen die Styronauten bereits 2013  mit einem Beitrag für den Wettbewerb „WAGner DICH! So reiten die Walküren“, den der Radiosender Ö1 anlässlich des 200. Geburtstages von Richard Wagner ausgeschrieben hatte. Die Nummer „Walküresque“ wurde dabei auf Ö1 lobend erwähnt; die Styronauten wurden bei dieser Aufnahme vom Jazz-Sänger Maurizio Nobili verstärkt.

No Hit Wonder

Überhaupt sind die Styronauten nach wie vor sehr offen für musikalische Kollaborationen: Bei ihren Hüttenklausuren war mehrfach der Poetry Slammer Jimi Lend als Improsänger mit dabei; und bei Konzerten teilten sie sich die Bühne bereits mit dem Didgeridoo-Spieler Pablo Bertone und dem Elektroniker Veit Winkler, die beide zum musikalischen Umfeld der Band zählen.

Ihr Musiklabel nennt die Band ironisch „No Hit Wonder“. Da sie musikalisch gezielt zwischen verschiedenen Stühlen Platz genommen haben und kommerzielle Radiosender Instrumentalstücke nur selten spielen, ist die Gefahr eines kommerziellen Ausverkaufs der Band eher klein. Das stört die Styronauten gar nicht. Statt einen Hit zu landen, würde ihnen vielmehr gefallen, den Soundtrack für einen Film zu schreiben. So lange es diesen Film nicht gibt, kann man ihre Musik schon mal als Soundtrack für den Film im eigenen Kopf verwenden: ein Road Movie-Suspense-SciFi-Abenteuer mit offenem Ausgang. 

Externe Verknüpfung www.styronauten.com

Werner Schandor
Stand: Mai 2016
 

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