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Die besondere Energie des Gemeinsamen

Die Geigerin Livia Sellin vom Trio Alba schwärmt von ihren Kollegen Philipp Comploi und Chengcheng Zhao. Kennengelernt haben sich die international erfolgreichen Musiker an der Kunstuniversität Graz.

Trio Alba © Marija-M. Kanizai
Trio Alba
© Marija-M. Kanizai

Eine deutsche Geigerin, ein italienischer Cellist und eine chinesisch-österreichische Pianistin begegneten einander auf der Grazer Kunstuniversität. Das Ergebnis: die Gründung des Trios Alba im Jahr 2008. „Es ist ein Glücksfall, Menschen zu treffen, mit denen es musikalisch und menschlich harmoniert. Meine beiden Kollegen Philipp Comploi und Chengcheng Zhao sind wunderbare Musiker, lebendige und offene Menschen, und alle drei haben wir höchste Ansprüche an uns selbst, an unsere Interpretationen, und sind gleichzeitig Abenteurer mit Mut zum Risiko und einem eigenen Weg“, schwärmt Geigerin Livia Sellin. Schnell habe man gemerkt, dass „wir drei zusammen eine besondere Energie hatten, alle internen Wettbewerbe gewannen und auch schon während des Studiums Einladungen und Wiedereinladungen zu tollen Festivals und Konzerttourneen im In- und Ausland bekamen“, erzählt die Künstlerin. Damit war der Weg der drei Studenten vorgegeben.

Kammermusik, die wunderbarste Musizierform
Die Geigerin, die es nach eigenen Angaben „schon als Kleinkind kaum erwarten“ konnte, mit dem Unterricht an ihrem Instrument zu beginnen, hat auch in verschiedenen Orchestern unter Dirigenten wie Mariss Jansons, Fanz Welser-Möst, Ivan Fischer oder Fabio Luisi gespielt. Doch ein eigenes Kammermusikensemble zu haben, bezeichnet sie als „Traum“, der Wirklichkeit geworden ist: „Zum einen ist Kammermusik für mich musikalisch die wunderbarste Musizierform, mit anderen zusammen musizieren, gleichzeitig solistisch meine Stimme einzubringen, Teil von einer größeren Energie zu sein, tragen und getragen werden …“, beschreibt die Künstlerin, und erklärt auch, was sie an der speziellen Formation so fasziniert: „Beim Klaviertrio gefällt mir besonders die große Bandbreite der Klangfarben und die Möglichkeit der Spanne von orchestraler Energie bis hin zu solistischer Intimität.“ Ein festes Kammerensemble ermögliche außerdem „die größtmögliche künstlerische und berufliche Autonomie. Gemeinsam entscheiden wir, was wir spielen wollen und wie wir es spielen und wie viel wir daran proben; zusammen mit den Veranstaltern und Agenturen, wann und wo wir es spielen.“

Vielseitige Arbeit
Anders als in ihrer Zeit als Orchestermusikerin ist sie – wie auch ihre Kollegen – beim Trio Alba  außer Musikerin auch „Dirigentin, Programmplanerin, Musikforscherin, Moderatorin, Verhandlerin, Marketing- und Werbungs-Abteilung, Produzentin, Drittmitteleintreiberin, Vertreterin, Reiseplanerin und CD-Verkäuferin“, zählt Livia Sellin auf. Auf die Frage, inwieweit sich in einem Trio die eigenen Vorstellungen verwirklichen lassen, antwortet die Musikerin: „Die Grenze der eigenen Freiheit ist hier nur die Freiheit der jeweils beiden anderen. Bisher haben wir uns in allen Fragen immer einigen können. Grundsätzlich haben wir Konsensprinzip und kein Mehrheitsprinzip, wenn einer von uns ein Stück gar nicht lernen will, tun wir es auch nicht. Bei der Interpretation können wir manchmal sehr lange streiten, was uns mittlerweile zu Kommunikationsprofis hat werden lassen.“

Offen für Unbekanntes
Auch die Veranstalter seien sehr offen, was unbekanntere oder zeitgenössische Werke betrifft. So stand beim Konzert im Grazer Musikverein im Februar 2016 unter anderem Joseph Marx auf dem Programm. Der Grazer Komponist, der 1964 starb, wurde vom Trio Alba sozusagen „wiederentdeckt“. Zwei in romantischem Stil geschriebene Kompositionen des Künstlers wurden vom Trio Alba eingespielt und sind damit wieder auf Tonträger verfügbar. Die erste CD, die ebenso wie die Marx-Aufnahme ausgezeichnet wurde, enthielt die Klaviertrios Nr. 49 und 66 von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Es gibt auch schon weitere Ideen: „Bei einigen Klassikern sind wir überzeugt, mit unseren Interpretationen die CD-Regale bereichern zu können, aber unsere nächste CD wird höchstwahrscheinlich zeitgenössische Musik enthalten. Wir haben einige interessante Werke von spannenden Komponistinnen und Komponisten gewidmet bekommen“, so Livia Sellin.

800 Leute hören konzentriert zu
Der heutige Konzertbetrieb geht stärker in Richtung Event als noch vor zehn Jahren und verbindet häufig die Musik mit Lesungen oder Essen, was gerade für eine so konzentrierte Form der Musik, wie es bei einem Trio der Fall ist, nicht ohne Bedeutung ist. „Die Bestrebungen, am Konzertformat zu drehen, welches gegen Ende des 19. Jahrhunderts etabliert wurde, haben wohl zwei Ziele: Zum einen sollen sie den Zuhörern durch eine gelockerte Atmosphäre den Zugang und das konzentrierte Zuhören sogar leichter machen und zum anderen neue Publikumsschichten für klassische Musik gewinnen. Solange an der Musik selbst nicht Abstriche gemacht werden, kann das auch gelingen“, zeigt sich Sellin zuversichtlich, zumal das Trio Alba diesbezüglich beim Schleswig-Holstein-Festival gute Erfahrungen gemacht hat: „Dass man 800 Leute bei der letztjährigen Hitzewelle dazu brachte, am Dachboden eines Kuhstalls einen Nachmittag lang Kammermusik zu lauschen und begeistert und konzentriert dabei zu sein, hat uns sehr beeindruckt.“

Hätte die junge Künstlerin einen Wunsch frei, würde sie gern Zeitreisen machen, „um jemanden wie Beethoven und das Lebensgefühl anderer Epochen kennenzulernen. Diese unglaublich schöpferische Kraft und der Glaube an das Gute, welche zum Beispiel in Beethovens Musik hörbar sind, berühren mich immer wieder sehr.“

Externe Verknüpfung www.trioalba.com

Karin Zehetleitner
Stand: April 2016

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