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Von Texas bis Tel Aviv

Oder: Wie Facebook ein Kunstprojekt von Karoline Rudolf vereitelt hat.

I lost my pillow © Karoline Rudolf
I lost my pillow
© Karoline Rudolf

Wie gelingt jungen Künstlerinnen und Künstlern der Einstieg in die Kunst? Ist es durch die Erziehung im Elternhaus, durch die Lehrer in der Schule oder durch Freunde oder Medien? Im Fall von Karoline Rudolf waren es zwei Lehrerinnen für Bildnerische Erziehung und Englisch, die die Schüler gleichermaßen gefordert wie auch gefördert hatten. Und auch ein Freund brachte ihr die Welt der Kunst näher. So kristallisierte sich bald immer deutlicher heraus, dass sie eine der heimischen höheren Ausbildungsstätten für Kunst besuchen wollte und studierte schließlich in Linz „Bildhauerei und experimentelle Gestaltung". Auf dem Weg zu ihrem eigenen künstlerischen Ausdruck absolvierte sie ein Auslandssemester in Prag, wo sie sich auf einer Filmschule dem Genre des Zeichentrickfilms näherte. Doch auch Performance ist eine Kunstform, die sie von Anfang an interessierte und faszinierte, und die sie mittlerweile in viele ihrer Projekte einbaut.

Alles ausprobieren
„Ausprobieren" lautet eine ihrer Grunddevisen. Spannend und lustvoll sind ihre Projekte, die sie schon nach Texas („I lost my colt", 2013) oder nach Villach („the top secret bunny garden", 2008) geführt haben. Für ihre Diplomarbeit „I lost my pillow" kreierte sie ein Kommunikationssystem, das sie in Tel Aviv erprobte: 32 Pölster fertigte Rudolf dafür an, die alle aus unterschiedlichsten Stoffen gestaltet und mit „I lost my pillow"-Etiketten inklusive Hinweis auf eine Mailadresse und eine Facebook-Seite versehen waren. Jeder Polster stand für einen von Rudolf beobachteten Menschen aus Tel Aviv. Über die Facebook Seite „kar karit" (Polster Pölsterchen) wollte Rudolf eine lebendige Polster-Gemeinschaft mit Reaktionen und Fotos aufziehen - doch leider hat Facebook ir die Seite gesperrt. Die Pölster wurden auch in einer Stadt wie Tel Aviv kaum als Bomben verdächtigt - es haben sich im Rahmen des Projekts andere spannenden Geschichten ereignet.

Die Queen und ihre Lieblingshasen
Das Projekt „the top secret bunny garden" fand im Villacher Warmbaderhof statt, wo mehrere KünstlerInnen jeweils eine Suite bespielten. Gemeinsam mit Antonia Prochaska erkläre Rudolf den Leuten, dass die englische Queen mit ihren zehn Lieblingshasen zu Gast im Hotel sei. Rudolf und Prochaska nahmen die Rolle der Hasen-Adjudantinnen ein, die sich ums Wohlergehen der Hasen sorgen müssten: Frische Karotten auf einem Silbertablett zu servieren und tägliche Spaziergänge mit den Hasen zu absolvieren, sei ihre Aufgabe - wurde den Gästen im Warmbaderhof kommuniziert. Die Suite der beiden Künstlerinnen hatte ein Fenster auf ein begrüntes Dach, auf dem die beiden ein Kaninchengehege mit viel Gold bauten, ihre Häschen filmten und in die Suite übertrugen. Nach „Dienstschluss" mischten sich die beiden Künstlerinnen wieder „normal" unter die Gäste, was für Verwirrung sorgte.
Während ihres Kunstraum-Steiermark-Stipendiums 2015/16 beschäftigt sich Rudolf mit zeitgenössischem Stuck aus Gips. Für eine Ausstellung in Salzburg hat sie 2011 erstmals mit Gipsabdrücken gearbeitet - jetzt erforscht sie den Gips und seine unterschiedlichen Möglichkeiten.

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Karoline Rudolf wurde 1980 in Graz geboren, 2004 bis 2011 studierte sie Bildhauerei und experimentelle Gestaltung in Linz (A); Ausstellungen, Installationen und Performances in Tel Aviv, Salzburg, Graz, Linz, Istanbul und Villach. Zuletzt gestaltete sie das Bühnenbild für „Heu nun" von Vitamins of Society am Hoftheater Mathans in St. Ulrich im Greith, Steiermark (A).

Externe Verknüpfung http://karolinerudolf.weblog.mur.at/


Petra Sieder-Grabner
Stand: Oktober 2015

 

I lost my colt © Karoline Rudolf
I lost my colt
© Karoline Rudolf
I lost my colt © Karoline Rudolf
I lost my colt
© Karoline Rudolf
Bang! Bang! © Karoline Rudolf
Bang! Bang!
© Karoline Rudolf