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Wacher Theatermacher

Klaus Seewald ist Schauspieler, Regisseur, macht ausdrucksstarkes Bewegungstheater für Kinder und Erwachsende und unterrichtet Yoga und die Bewegungskunst Kalarippayattu, eine traditionelle südindische Kampfkunst.

Aufnahme aus dem Stück „Unknown Origin“ © www.klausseewald.com
Aufnahme aus dem Stück „Unknown Origin“
© www.klausseewald.com

Kalarippayattu basiert auf Yoga und wird auch als die Mutter aller Martial Arts gesehen. Ein Ziel des Kalarippayattu ist „ekagrata", was mit "the body becomes all eyes" übersetzt werden kann: ein Zustand von Wachheit und Entschlossenheit, vergleichbar mit dem intuitiven, instinktiven Zustand eines Tieres in seiner natürlichen Umgebung, wo es auf Stimuli der Umgebung reagiert, reagieren muss. Klaus Seewald lernt, lehrt und performed in Europa, Asien, Südamerika und in den USA. Sahra Foetschl hat ihm einige Fragen zu seinem Leben und seinem Beruf gestellt.

Wie bist du zum Bühnendarsteller geworden?
Das erste Mal stand ich 1996 in Graz als Schauspieler beim Stück Die Tochter der Mondin auf der Bühne im großen Minoritensaal. Es war ein Bewegungsstück, für das Gerhard Nierhaus die Musik komponierte. Daraus ergab sich eine langjährige Freundschaft und viele künstlerische Zusammenarbeiten.

Du bist in Graz aufgewachsen ...
Ich wurde zwar in Graz geboren, musste dann aber mit zwei Monaten in die Obersteiermark umziehen und kam erst zum Studium wieder zurück nach Graz. Zuerst begann ich das Studium der Verfahrenstechnik, das zwar interessant war, aber ich konnte mich dort nicht alt werden sehen. Dann kam das Theater und viele großartige Lehrer/innen aus New York, Wisconsin und Kanazawa.

Mit Theater Feuerblau seid ihr national und international aufgestellt ...
Theater Feuerblau ist die Plattform, unter der wir - Monika Zöhrer und ich - gemeinsam mit einer Vielzahl an Künstler/inne/n unsere theatralen Arbeiten realisieren. Wir spielen für Erwachsene und junges Publikum. Außerdem organisieren wir Workshops für Profis und diejenigen, die es noch werden wollen, mit international angesehenen Künstlerinnen und Künstlern. Nationale und internationale Vernetzung ist uns ein Bedürfnis.

Warum wolltest du auch Kindertheater machen?
Das Spiel für Kinder ist etwas ganz Besonderes. Vor allem in Mitteleuropa heißt es, dass du vor Publikum spielst, das ganz unmittelbar und ehrlich reagiert. Vergleichbar nur zur Erfahrung, wenn man in Südamerika für Erwachsene spielt. Außerdem ist es eine spannende Herausforderung, für aktuelle Themen eine Form zu finden, die zwei Publikumsschichten gleichermaßen erreicht im selben Stück und im selben Moment: das junge Publikum und deren Eltern.

Wenn ich bei Kalari zusehe, will ich mich sofort bewegen und selber Kraft anwenden, dehnen, anspannen, zentrieren. Gibt es in der indischen Philosophie eine Idee dazu, warum zusehen bei Bewegung auch sinnvoll sein kann?
Zusehen mag vielleicht interessant und - sofern man Kalari lernt - hilfreich sein. Aber ansonsten geht es darum, es selbst zu machen und dadurch zu lernen.
Wir verwenden Kalari als prä-expressives Training. Wir verwenden nicht die Formen per se auf der Bühne, sondern spielen mit den Prinzipien dieser Bewegungs- und Kampfkunst: das Spiel mit dem Gleichgewicht, das Spiel mit Fokus, Präsenz, Gegensätzen, Impulsen und wie wir unser Sein auf der Bühne dadurch beeinflussen können. Es eignet sich außerdem hervorragend zur Ensemble-Arbeit.

Warum hat sich in Europa nichts entwickelt, das man mit Butoh oder Kalari vergleichen kann? Oder irre ich?
Diese Frage ist interessant: Die Wurzeln des japanischen Butoh reichen bis in die zwanziger Jahre zum deutschen Ausdruckstanz zurück.

Österreichisches Theater hat geschichtlich weniger kontemplative Bewegungsschulen, da gab‘s Ballett in der Oper oder im Volkstheaterstück eventuell eine Paar-Tanzeinlage. Bist du irgendwann einmal auf andere Relikte gestoßen?
Es geht mir nicht um eine „kontemplative Bewegungsschule", sondern um eine Form, die mir auf der Bühne aktiv Möglichkeiten zur Darstellung der dramaturgischen Notwendigkeiten bietet. Eine Form, die mir Möglichkeiten eröffnet und nicht in eine Form einzwängt. Es gibt, auf Trainings bezogen, im Schauspiel unterschiedlichste Ansätze, die alle das selbe Ziel anstreben: gutes Theater zu machen. Es obliegt dem einzelnen Künstler/der einzelnen Künstlerin, das zu finden, was in einem selbst anklingt.

Mehr zu Klaus Seewald:
Externe Verknüpfung www.klausseewald.com
Externe Verknüpfung www.theaterfeuerblau.at


Sahra G. Foetschl
Stand: Oktober 2015

Klaus Seewald und Monika Zöhrer im Stück „Clownin Fantasie und der lange Lackl“ von Theater Feuerblau © Eva Buchinger
Klaus Seewald und Monika Zöhrer im Stück „Clownin Fantasie und der lange Lackl“ von Theater Feuerblau
© Eva Buchinger