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Vielseitige Gleichzeitigkeit

Was der Holzbläser und Musikethnologe Patrick Dunst musikalisch wie auch organisatorisch anfasst, hat Hand und Fuß – und viel Herz.

Patrick Dunst © Peter Purgar
Patrick Dunst
© Peter Purgar

„Beginnen wir, über dein künstlerisches Leben zu reden." - „Pah, das ist schwierig." - Eine aufmunternde Einleitung zu einem intensiven und weit umspannenden Gespräch. Dunst ist musikalisch ein Tausendsassa: Er spielt alle Saxophon-Größen, ebenso Klarinetten, Flöten und Duduk - ein armenisches Blasinstrument, das in seiner Heimat aufgrund seiner tiefen und düsteren Stimmung nur bei Begräbnissen gespielt wird. Dunst hat das diatonische Instrument, das er in London zu spielen gelernt hat, in die Jazzbigband Graz geholt.

Er hat ein Studium für Saxophon-Jazz an der Grazer Universität für Musik und Darstellende Kunst bei Karlheinz Miklin sowie ein Master-Studium der Musikethnologie am Goldsmiths College, Universität London, abgeschlossen. Den Master in Musikethnologie hat er zusätzlich gemacht, um was anderes zu sehen als „dubidupap", meint er schmunzelnd. Aber dem nicht genug, ist der 32-Jährige nun Doktorratsstudent an der Musikhochschule München und forscht zum Thema Jazzpädagogik in Europa. Mit dem Saxophonspielen hat Dunst mit zwölf Jahren begonnen, und mit 15 Jahren begann er am Johann-Joseph-Fux-Konservatorium in Graz zu studieren. Dabei sind die Sterne für sein musikalisches Leben zu Beginn nicht optimal gestanden: Er erinnert sich, dass er in der Volksschule zwar Blockflöte zu lernen begonnen hat, aber er war nie gut genug, um auch die Alt-Blockflöte spielen zu dürfen.

Breites Betätigungsfeld
Ab dem Saxophonunterricht begann Musik in ihren vielen Schichten und Facetten das Leben von Dunst mitzugestalten. Der Holzbläser zeigt sein breites Tätigungsfeld. Auf der einen Seite die vielen unterschiedlichen Formationen, in denen er spielt, andererseits seine eigenen musikalischen Projekte inklusiver Eigenkompositionen. Im Jazztett Forum Graz sowie im Quartett von Berndt Luef spielt er schon seit acht Jahren, in der Jazzwerkstatt Graz ist er seit Beginn musikalisch tätig und seit 2009 mit im Organisationsteam. In der Jazzbigband Graz spielt er heuer als fünftes Saxophon mit, zudem kann man ihn im Schauspielhaus und im Next Liberty hören.

Aber nun zu seinen eigenen Projekten: Für seine „Tribal Dialects" steht er gemeinsam mit Michael Lagger (Klavier) und Grilli Pollheimer (Schlagzeug) auf der Bühne. Der Jazz-Experte Otmar Klammer schreibt über das Projekt: „Ja, die Jungen. Da lässt man sie Jazz studieren und heraus kommt dann ein völlig undogmatisches, ethnisch beleuchtetes Projekt, das dann noch dazu „Tribal Dialects" heißt (Was barfüßig übersetzt so viel wie Stammessprache bedeutet)."

„Und immer zu viel gleichzeitig."
Das zweite Projekt, „Tripod", wird auf der Dunsts Homepage so beschreiben: „Durch die ungewöhnliche Instrumentierung und die unterschiedliche Spezialisierung der einzelnen Musiker, die durch die Kompositionen des Bandleaders zusammengeführt werden, entsteht ein Klangbild, dass sich nicht in Genrebezeichnungen zwängen lässt." Und dann gibt es noch das Projekt „Naima", das Dunst gemeinsam mit dem ehemaligen Grazer Stadtschreiber Fiston Mwanza Masser aus dem Kongo umsetzt.
Auf die Anmerkung, dass er viele verschiedene Sachen mache, meint der gebürtige Grazer nur spitzbübisch: „Und immer zu viel gleichzeitig."

Um die künstlerische Persönlichkeit Dunsts in einem Gesamtbild sehen zu können, müssen auch seine kompositorischen Fähigkeiten beleuchtet werden. Komponieren ist eine vielschichtige Arbeit. Da gäbe es auf der einen Seite die Programmmusik, die er im Auftrag schreibt. Auf der anderen Seite kommen ihm beim Üben Melodien in den Kopf, die ihn nicht mehr loslassen. Oder mit anderen Worten: Es wird so lange improvisiert, bis ihm etwas gefällt. Dann gesellt sich eine weitere musikalisch ausschlaggebende Komponente dazu: Für welche Besetzung eignet sich das Stück? Und da gibt es für ihn keine Kategorisierungen, sondern nur gewisse Richtungen. Ein weiterer Aspekt in seinen Kompositionen: „Wie schaffe ich es, dass den Leuten nicht fad wird?" Im Endeffekt sollen seine Stücke die selbstgestellte Forderung erfüllen, zu den ausführenden MusikerInnen zu passen, und das Bewusstsein beinhalten, auch für das Publikum komponiert zu sein.

Unendliches Spiel von Rhythmus, Klang und Tonhöhe
In allem, was Dunst tut, steckt eine vielseitige Gleichzeitigkeit. Sein Interesse hängt an vielen unterschiedlichen Sachen: „Einen Fokus zu finden, fällt mir oft schwer." Und gerade das entpuppt sich auch als seine Stärke. Seine Kompositionen beinhalten das unendliche Spiel von Rhythmus, Klang und Tonhöhe.
Dunst wird die Landeskulturpreisverleihung 2015 im Oktober musikalisch gestalten. Er wird dabei Auszüge seiner für November geplanten Uraufführung - eine Stunde Konzert für einen Holzbläser und drei oder vier Percussionisten - präsentieren. Auch hier sammelt er konzeptionelle Überlegungen von der räumlichen bis zur musikalischen Gestaltung, mit der Grundüberlegung, was ist an einer Vielfalt gemessen möglich. Und in allem, was Dunst konzipiert, komponiert, umsetzt und spielt steckt eine unvergleichbare Lebensfreude, die auf alle Fälle aufs Publikum überschwappt. Fad wird dabei bestimmt niemandem.

Externe Verknüpfung http://www.patrickdunst.at

Petra Sieder-Grabner

Stand: Juni 2015