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„Ich trenne die Dinge nicht mehr“

Die Medienkünstlerin Katharina Swoboda überschreitet in ihrer Arbeit Grenzen der Kategorisierung und sieht ihr künstlerisches, wissenschaftliches und körperliches Tun als ein großes Ganzes.

Katharina Swoboda © Katharina Swoboda
Katharina Swoboda
© Katharina Swoboda
Ihre Studienfächer transmediale Kunst, angewandte Kunst und digitale Kunst waren Ausgangspunkte für das künstlerische Leben von Katharina Swoboda, das sich mit räumlichen Strukturen in unterschiedlichsten Kontexten auseinandersetzt. Um der inhaltlichen Weite ihrer Ideen, Projekte und Umsetzungen auch habhaft zu werden, hat die 30-jährige gebürtige Grazerin sowohl an der Universität für angewandte Kunst als auch an der Akademie für bildende Kunst in Wien studiert, und eines war für sie schon zuvor klar: Dass sie sich nicht einer Kunstrichtung verschreiben mag.

In Graz maturierte die aufgeweckte und vielseitig interessierte Künstlerin im Ausbildungszweig Audiovisuelles Mediendesign an der Ortwein-Schule (HTBLA für Kunst und Design). Ihre wahre Leidenschaft galt damals aber dem Tanzen - auch ein Grund, warum sie nach dem Schulabschluss für zwei Jahre nach Linz ging, um an der Anton-Bruckner-Privatuniversität zeitgenössischen Bühnentanz zu studieren. Das Tanzen beeinflusst sie bis heute in ihrem künstlerischen Umgang mit Räumen. In der Bewegung sucht sie nach räumlichen Verständnis: „Beim Tanz lerne ich mit dem Raum umzugehen. Ich positioniere mich auch, um den Raum in seine Eigenschaften zu teilen."

„Ideen zu haben ist kein Problem"
Das Studieren an den zwei kreativen Ausbildungsstätten in der Bundeshauptstadt sieht Swoboda als „zwei Pole, für die ich sehr dankbar bin". So hatte sie das Gefühl, an der Angewandten sich mehr im Feld des Experimentierens bewegen zu sollen und auch zu können, die Ausbildung an der Akademie für bildende Kunst trug das Reflektieren und das theoretische Fundament bei. Dazu lernte sie, dass man sich in der digitalen Kunst - trotz visueller Verarbeitungsmethoden - sehr stark sprachlich äußern können muss. In ihrer Definition sieht sie sich nun als Medienkünstlerin, die in unterschiedlichste Themengebiete eintaucht: „Ideen zu haben ist kein Problem. Die Schwierigkeit liegt darin, herauszufinden, welche Ideen gut sind."

Eine ihrer ersten Arbeiten war der Film „Transition" (2007; Kamera: Leopold Leskovar). Im Zentrum: zwei Frauen (Swoboda und Lena Arends), ein Ei und die Verkettung einer Handlung. Die beiden Frauen geben ein rohes Ei von Mund zu Mund aneinander weiter; ist die eine frontal mit dem Ei im Mund zu sehen, taucht die andere wieder am Bildrand auf, um das Ei zu übernehmen. Der Raum dahinter ist weiß, der Fokus auf die beiden Gesichter gerichtet. Diese sanfte, vorsichtige und endlose Wiederholung der Ei-Übergabe überlässt dem Betrachter durch diese Reduktion den Raum für persönliche Konnotationen.

Im Bereich der Performance-Videos erzählt Swoboda von ihrem „Boxerfilm" mit dem Titel „Betty and the Camera" (2011). Darin kämpft die zertifizierte Boxwartin Bettina Pernstich drei Minuten lang nicht gegen ein Gegenüber, sondern gegen die Zeit. In Schwarzweiß-Aufnahme führt Pernstich einen Rhythmus bestimmter Schlagabfolgen direkt in Richtung Kameralinse und somit gegen die Betrachter aus.
Jene Projektideen, die sich als besonders hartnäckig herausstellen, wollen gemacht und umgesetzt werden - sagt Swoboda und hebt hervor, wie schön sie genau diesen Prozess findet.

Ein Themenkomplex, der die Künstlerin stark beschäftigt, ist die Welt der Zoos, insbesondere die Kombination von Architektur und Wildtieren. In ihrem Kunstfilm „Zoographics" (2014) bringt sie die architektonischen Elemente verschiedener Zoos miteinander in Verbindung. In diesem „Videozoo" geht Swoboda der Bedeutung von Zoos für den urbanen Raum auf den Grund. Für die Künstlerin besteht das besondere Spannungsverhältnis, das in einem Zoo herrscht, im Nachbilden eines Naturraumes, in dem unter stark reglementierten Bedingungen Tiere hergezeigt und gleichzeitig versteckt werden. Für „Zoographics" hat sie in mehreren europäischen Zoos gefilmt, etwa in Kopenhagen, Zürich, Berlin, Hamburg, Leipzig, Dresden, London, Wien und Ljubljana. Sowohl die historischen Hintergründe und die verschiedenen architektonischen Umsetzungen als auch die unterschiedlichen methodischen Ansätze, wie die Tiere gehalten werden, spiegeln sich in diesem Film wider.

Ikonen, Genmanipulation, Feminismus
Aktuell arbeitet Swoboda an ihrer transdisziplinären Doktorarbeit, die sie an der Hochschule für bildende Kunst in Hamburg absolviert. Darin beschäftigt sie sich mit der Darstellung von Geschlechterverhältnissen in einer philosophischen Auseinandersetzung. Ikonen, Genmanipulation oder feministische Frauenfiguren gestützt durch dokumentarisches Ausgangsmaterial bilden die Grundlage für die künstlerische Auseinandersetzung.

Zu sehen waren und sind Katharina Swobodas Film- und Installationswerke im Kontext von Ausstellungen und bei Filmfestivals im In- und Ausland, darunter in London (UK), Hamburg (D), Houston (USA), Panama, Cluj (Rumänien), auf Malta und natürlich in Graz.

Im Jahr 2015 und 2016 ist Swoboda Kunstraum-Stipendiatin des Landes Steiermark, sie war im Rahmen des Artist-in-Residence-Programms des Landes Steiermark im Jahr 2013 in Rijeka (Kroatien). Das österreichische Angebot an unterschiedlichen Stipendienprogrammen freut sie. „Hier herrscht ein großes Bewusstsein für die Förderung junger Künstler", sagt sie anerkennend.

Externe Verknüpfung http://katharinaswoboda.net/

Petra Sieder-Grabner
Stand: Juni 2015
betty © Katharina Swoboda
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bisamberg © Katharina Swoboda
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pelzvogelkasten © Katharina Swoboda
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installationsansicht © Katharina Swoboda
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zoographics © Katharina Swoboda
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