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„Jede Rolle ist ein Geschenk“

Die junge persisch-österreichische Sängerin Nazanin Ezazi leiht derzeit Massenets „Manon“ an der Grazer Oper ihre Stimme und formt mit ihren Cousinen „Die drei Soprane“.

Nazanin Ezazi © Andreas Friedl
Nazanin Ezazi
© Andreas Friedl
„Ich konnte nicht richtig singen und war neugierig, wie man das macht. Ich wollte seit meiner Jugend immer lernen, wie man richtig singt, aber ich hatte niemanden, der mir das zeigen konnte", beschreibt die junge Opernsängerin Nazanin Ezazi den Grund für ihre Musikausbildung. Was sie interessierte, war: „Wie singt man wirklich richtig lauter und leiser? Meine unausgebildete Stimme von damals konnte nicht viele dynamische Unterschiede erzeugen. Und ich war sehr neugierig, warum es bei mir nicht geht, aber bei den Sängern im Fernsehen schon? Das war auch der Grund, dass ich später das Studium Gesangspädagogik sehr genossen habe, weil es darin genau darum geht, wie das Singen funktioniert." Aber nicht nur Gesangspädagogik, sondern auch Musikwissenschaft und Sologesang standen auf dem Stundenplan der wissbegierigen Studentin, die aus dem Iran nach Wien gekommen war. Die Ausbildung trug bald Früchte: Nazanin Ezazi war Gewinnerin des Medienpreises beim Internationalen Hans-Gabor-Belvedere-Gesangswettbewerb. Außerdem nahm sie in Moskau an den Finalrunden des internationalen Gesangswettbewerbs „Operalia" von Placido Domingo teil und war in Wien Finalistin des Hilde-Zadek-Gesangswettbewerbs.

„Meine absolute Traumrolle"
Ihr Weg führte sie in die Externe Verknüpfung Grazer Oper, wo sie als Ensemblemitglied seit 2011 alles von Purcell über Donizetti bis hin zum Musical singt und spielt. Sie war die betrogenen Königin Dido in der Opern-Tanzproduktion „Dido and Aeneas/DnA" ebenso wie die mädchenhafte Pamina in der „Zauberflöte" oder die magischen Figuren Sand- und Taumännchen in „Hänsel und Gretel". Im Schlosstheater Schönbrunn verkörperte die aparte Sängerin Susanna ("Le nozze di Figaro"), an der Wiener Kammeroper sang sie die Titelpartie in George Antheils „Venus in Africa". Lieblingsrollen gibt es nach eigenen Angaben einige, obwohl: „Jede Rolle ist ein Geschenk, auch wenn sie klein ist; aber Rollen, die ich sehr genossen habe zu singen, waren Adina (‚Liebestrank‘), Nannetta (‚Falstaff‘), Dido, Carlotta (‚Gasparone‘)". Für die Grazer Neuproduktion „Manon" von Jules Massenet hat sie die Titelpartie einstudiert und schwärmt: „Das ist meine absolute Traumrolle!" Aber auch Violetta, Mimi, Liu („Turandot") und „Tosca" - „eines Tages!" - sind Wünsche an die Zukunft. Die Lieblingskomponisten ändern sich immer wieder, derzeit ist es Puccini. „Aber privat höre ich fast alles von Pop über Radiohits bis Klassik", zeigt sich die Künstlerin offen für viele musikalische Eindrücke.

Die drei Soprane
Zusammen mit ihren Cousinen, die ebenfalls Opernsängerinnen sind, gründete Ezazi sie das Ensemble Le Tre Orfei mit dem sie international unterwegs ist: „Wir drei wollten immer schon zusammen singen und wir haben alle in Wien studiert. Als Vorbild hatten wir die ‚Drei Tenöre‘. Wir dachten, wir probieren es als drei Soprane", so die Sängerin zu ihrem zweiten Standbein. Demnächst wird sie wieder längere Zeit mit den Cousinen an einem größeren Projekt arbeiten. „Ich kann aber leider noch nichts verraten, bitte lassen Sie sich überraschen!"

Beruf und Familie
Privat hofft Nazanin Ezazi, irgendwann Sängerberuf und Familienleben gut vereinbaren zu können. „Vor allem, wenn eine Frau Mutter wird, muss sie viel Zeit an einem Ort verbringen können, aber gerade bei einer Sängerkarriere muss man viel außer Haus sein; oft ist man in kurzer Zeit in verschiedenen Ländern unterwegs", meint sie nachdenklich. „Das ist aber nicht unmöglich; wie man sieht, haben es viele Kolleginnen und Kollegen geschafft, neben ihrem Beruf auch ein glückliches Familienleben zu haben. Und ich werde auch alles daran setzen, um beides zu haben, weil ich sehr viel Wert auf Familie lege, aber auch meinen Beruf liebe!"
Viel Freizeit hat die umtriebige Künstlerin nicht, aber die ist auch meist ausgefüllt: Sprachen lernen, Sport und nicht zuletzt die Familie besuchen stehen auf dem Programm. Aber eben nur meistens: „Manchmal ist es auch super, wenn man einfach nichts tut!"

Karin Zehetleitner
Stand: Mai 2015