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„Fragst du dich, warum du atmest?“

„Fragst du dich, warum du atmest?“, fragt Grilli Pollheimer, wenn man wissen möchte, warum er Percussion spiele. Ein Faktum, eine Unausweichlichkeit, eine Lebensbedingung.

Grilli Pollheimer © Peter Purgar, jazzimbild.at
Grilli Pollheimer
© Peter Purgar, jazzimbild.at

Weil wir Menschen immer schon atmen, scheint es daher nur konsequent, anzunehmen, Christian „Grilli" Pollheimer habe immer schon Percussions und Drums gespielt: So fließen seine Rhythmen, so webt sich sein organisches Musikverständnis in den Flow ein, umgarnt und vernetzt das Metawesen Band, lässt jeglichen Egozentrismus hinter sich, geht auf im Ganzen und strebt als ultimativer Seinszustand die Ekstase an, die jedes Denken und Wollen verbrennt und ihm jene Augenblicke beschert, für die es sich zu leben lohnt.

Der 1985 geborene gebürtige Rottenmanner begann im Alter von sieben Jahren erste perkussive Laute von sich zu geben. Im Teenagealter wuchs und gedieh sein Können im Umfeld der Liezener Jazz- und Rockszene (Hansjörg Fischer), bis ihn sein Schlagzeuglehrer Adi Moser motivierte, in Graz zu studieren. Zunächst inskribierte er im Alter von 17 Jahren klassisches Schlagwerk an der Kunstuniversität Graz (Gerald Fromme) und tauchte vollkommen in die akkurate und (mittels der Komposition) fremdbestimmte Welt der Partituren ein. Fünf Jahre lang widmete er sich fast ausschließlich der Klassischen und Neuen Musik, bis ihn eine Tournee mit dem Jeunesse Orchester nach Indien führte.

Außereuropäische Sounds
Die gesamte Gage wurde in CDs indischer Musik investiert, und das Liveerlebnis eines Konzertes des Tabla-Virtuosen Externe Verknüpfung Ustad Zakir Hossain eröffneten ihm neue Horizonte. Zu Beginn seines Studiums lernte Pollheimer seine spätere Frau Azadeh Balash kennen, eine aus dem Iran stammende Pianistin und Malerin, die ihn in eine weitere Welt voll neuer Rhythmen und Klänge einführte. Während mehrerer Reisen in ihre Heimat studierte Pollheimer die persische Musik und deren komplexe Rhythmen. Seine Passion und vor allem die Fähigkeit, sich voll und ganz auf andere Kulturen einzulassen, bescherten ihm Monate und Jahre intensiver Auseinandersetzung.

Work in progress
Sina Shaari, sein musikalischer Wegbegleiter an Gitarre und Oud (der persischen Kurzhalslaute) und Bruder im Geiste, führte ihn tiefer in die Geheimnisse persischer Musik ein. Ein, neben der Daf, zentrales Rhythmusinstrument der persischen Musik ist die Tombak: eine kelchförmige Handtrommel mit hölzernem Korpus, die mittels einer ausgefeilten Technik das sanfte und virtuose Spielen mit allen Fingern erlaubt. Grilli Pollheimer portiert die Tombaktechnik auch auf andere Percussion-Instrumente und verleiht seinem ganzen Instrumentarium dadurch einen leichtfüßigen, komplexen Sound (inspiriert u. a. von Majid Khaladj, Pejman Hadadi und Trilok Gurtu).

Seine unvergleichliche Kraft und Versatilität liegt auch der Wahl seiner Instrumente zugrunde. Wie nur wenige andere versteht Pollheimer es, das klassische Drumset geschickt mit „ethnischen" Percussioninstrumenten zu kombinieren. Auf einer großen Cajon sitzen, vor sich ein Wald aus unterschiedlichsten Becken, eine Holzsnare, Pandariqe (Rahmentrommel mit Schellen), türkische Darabouka, eine Sansula (eine Art Daumenklavier, gespannt auf eine hauchdünne Membran), eine afrikanische Udu mit Fell (Tonkrug), ein Cable Hi-Hat, neuerdings auch eine kleine Bassdrum und als elektronische Unterstützung zum Sampling und als Liveelektronik Ableton live mit Push (Control Pads) - so gestaltet sich sein aktuelles Set, welches natürlich dem ständigen Experimentieren und der Weiterentwicklung unterworfen ist.

Im Trio Externe Verknüpfung Tribal Dialects mit dem Grazer Multiholzbläser Patrick Dunst und Sina Shaari fühlt sich Grilli Pollheimer mehr als sonst wo im Flow: „Wenn man sich versteht, braucht man über Musik nicht zu sprechen, es vermittelt sich alles über das gemeinsame Empfinden und Atmen."
Mit dem Wiener Externe Verknüpfung ensemble reconsil bringt er seit 2008 regelmäßig Neue Musik zur Uraufführung u. a. bei Wien modern. Immer am Puls der Zeit mit neuen Kompositionen zu sein, nimmt den gleichen Stellenwert ein wie die Erforschung neuer Ausdrucksformen in Jazz und World Music.

Seit 2007 unterrichtet Pollheimer bei Günter Meinharts Externe Verknüpfung Studio Percussion Graz; mit Meinhart entwickelte sich künstlerisch eine langfristige Zusammenarbeit im gleichnamigen renommierten Schlagwerkensemble und eine tiefgehende Freundschaft. Seit 2013 hat Pollheimer eine feste Anstellung an der Musikschule Weiz. Der Austausch zwischen Livespielen und Unterrichten ist für ihn von vitaler Wichtigkeit.

Aktuelle Projekte
Derzeit tourt Pollheimer mit „Tribal Dialects"; „Studio Percussion" präsentieren das Programm „Gravitas" (u. a. Reich, Pärt, Miki), er arbeitet für (Musik-)Theaterproduktionen an der Oper Graz und am Schauspielhaus Graz, hilft gerne am auf der KUG beheimatetenExterne Verknüpfung  PPCM-Lehrgang aus und spielt immer wieder für die Jazzbigband Weiz.

denovaire
Stand: April 2015