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Mit Dornröschen im Puff

Ja, Dornröschen, das ist das Märchen mit den Spindeln, jedenfalls solange man nicht seine freudianischen Interpretationen gelesen hat. Und Puff – nun, das kann auch ein Ausstellungsort für Bilder sein. Nämlich jene von Esther Follmer.

Esther Follmer © Erwin Michenthaler
Esther Follmer
© Erwin Michenthaler

Esther Follmer, auch Estrella Shakti, auch Venus - mehrere indolateinische Kriegsnamen (o. k., keine Kriegsnamen, sondern mythologische Interpretationen ...) für unterschiedliche Anlassfälle positionieren ihre Auftritte. Geboren jedenfalls in Bruck an der Mur. Fundierte Ausbildung in Textiltechnik und -design in der HTBLuVA Spengergasse in Wien. Alleinerziehende Mutter, drei schulpflichtige Kinder, also straff organisiert.

1990 Design Award für Dekosamt-Möbelvelours bei der Frankfurter Heimtex. Attraktive Angebote aus der Textilbranche folgen, die sie allerdings nicht annimmt, wie die von Ulf Moritz in Amsterdam, Perclere Paris, Gunnar Frank, Modesekretariat Amsterdam. Stattdessen aber Heirat und Hausbau im Waldviertel, bei Fuchs, Henne und Nachtigall. Venus hat ein weniger glückliches Händchen bei Männern. Also viel Investment in Umgeknickte. Neben dem Hausbau arbeitet sie weiter, macht sich sogar selbstständig als Werbegrafikerin mit einem Witzdesignstudio.

In Österreich jedenfalls arbeitete Esther bei den renommiertesten Betrieben der Textilbranche, u. a. bei Eybl International und ist zuständig für Design und Development, Konzept, Entwurf, Umsetzung. In Brüssel machte sie die CAD-Ausbildung für World-Wide-Webstuhl-Management. Schließlich erlebte die Branche gerade einen Innovationsschub.


In Lateinamerika
Scheidung, Liebe wiederum. Die ganze Achterbahn wird durchlebt. Kinder! Ein Fruchtbarkeitsritual führt sie nach Mexiko. Liebe auf den ersten Blick begegnet ihr. „Karma, und übrigens sitze ich auch dort im Bus auf meinen eigenen Dessins, die ich für die Herbert Kneiz GmbH Bad Mitterndorf entworfen habe." Der Export floriert! Alle persönlichen Probleme werden vom Seil entknüpft, bis auf einen. Wieder zurück in Österreich, steht dem Kindersegen auch nichts mehr im Wege.

Später macht Esther selbst eine Ausbildung zur Schamanin in Venezuela. Ohne genaue Adresse dauert‘s, bis sie den Schamanen (Capitano Jose Antonio Bolivar) im Busch aufstöbert. Man nötigt ihn auf den blauen Plastiksessel, jetzt noch lächeln, so, jetzt sieht man auch die künstlichen Zähne, genau so wie am Foto in der Zeitung. Er ist es. Selbst der Dalai Lama war schon mal bei ihm.

Der Capitano mixt Zeug. Die Schüler kotzen davon. Sie trinkt das Zeug gleich gar nicht. Also trotz aller naiven Vorschusslorbeeren an die Beherrscher der Materie, immer auch leitet sie gesunder Pragmatismus. Die Zeit dort nützt Esther auch, um ihre Diplomarbeit über die Ethnie der Piaroa-Indianer und ihre Initiationsriten zu verfassen.

„Warum malst du eigentlich nicht gegenstandslos?"
„Weil ich etwas zu sagen habe."


Hausmeister und Almmenschen
Jetzt schaut ein selbstermächtigter Hausmeister zur Ateliertür herein und will die Passage zusperren - „wegen dem Gesindel". Kurz darauf die gleiche Lästigkeit durch einen vierschrötigen Almmenschen. Er möchte Esther einige „psychologische Fragen" stellen, wegen ihrer „entarteten" Bilder. Sie scheucht auch ihn hinaus. Eine Frau in schwarzer Lederkluft, aufgekeilt die schwarzen Stiefeletten und lange rötliche Haarmähne, da erwachen nicht nur in den grantigen Oldies alle genetische Prädestinationen.

Ursprünglich wollte ich ja über Esther und ihren Gefährten schreiben, schließlich ist auch er Künstler und die beiden haben einige Bilder gemeinsam gemalt. Kennengelernt haben sie sich im Aktkurs der Wiener Kunstschule von Fritz Martinz. Übrigens ist dieser Fritz Martinz ein sehr guter steirischer Maler aus dem Umfeld von Hrdlicka und Hanns Eisler. Allerdings mittlerweile verstorben. Aber wie gesagt, beziehungstechnisch fehlt Esther das glückliche Händchen. Der Gefährte ist wieder in Wien.


Der Sehweg nach Indien
„Kundalini", na, die musste wohl kommen. „Männer haben das auch?"
„Chakra-Hütte", entfährt‘s einem unwillkürlich, da in der Atelier Galerie der VENUSPRODUKTION, in der Metahofpassage-Annenstraße 56, wo buntes Geschlechtstreiben an den Wänden hängt. Da geht's in den Bildern nicht um sachorientierten DNA-Transfer, da liebt/bumst, klar unterscheidbar, ein jedes an seinen Geschlechtsspezifika, eines das andere und: „Heiliger Zwieback", hier treibt‘s ebenso Gewölk mit Firmament, orchestriert von Muschel und Mohnblume. Offensichtlich suchte nicht nur Kolumbus den Sehweg nach Indien. Wichtig ist jedenfalls, dass es Esther in ihrem Zyklus „Diosa" (Göttin, wenn's mir Google richtig dargelegt hat) um das verlorene Matriarchat geht und um die mittlerweile an der Frau missbrauchten Sexualität. Das wird eine längere Diskussion!

Und weil wir ohnehin gerade in Schwung sind, besuchen wir gleich auch zwei Orte, an denen Esthers Bilder ebenso präsent sind: Erstens die gegenüberliegende Seite der Annenstraße, wo der Architekt Jakob Böhme (ja, der schreibt sich gleich wie der Mystiker der Dürerzeit) ein Kulturzentrum betreibt, einen Mix aus Architekturbüro und Galerie, mit Namen „E.I.K.E. Forum". Hier hängen Esthers Yogabilder an der Wand. Und dann geht's auf ins „Baccara".


Das älteste Puff in Graz
Das „Wir sind das älteste Puff in Graz", sagt stolz die Frau hinter der Pudl. „Wuckerl", tät der Hans Moser sagen: „Na, so blonde Wuckerl hat‘s am Kopf." Dieweil im Fernseher Torsi aneinanderklatschen und eine junge Frau offenbar einjährigen Geburtstag zelebriert. Ringsum viel Dekolette. An der Wand das eine Bild, und um die anderen zu sehen, müssen wir noch gegenüberliegend ins „St. Pauli". Hier also transzendiert die Triebsteuerung mit dem fernöstlichen Kamasutra an der Wand. „Hast schon einmal daran gedacht, die Bilder als Gobelins anzufertigen?" - Natürlich hat sie, aber das ist sehr teuer. Einige Bildmotive würden mir auch als Badetücher gefallen, filigran im Strich, und die weiblichen Geschlechtsinsignien wie Musiknoten in den Leibern platziert und bespielt. Manchmal auch haben die Bilder Ägyptisches, mal geht's Richtung Frieda Kahlo, also Richtung Mexiko. Immer aber sind sie vital, energisch farbig und künden von Lebensfreude und Körperbewusstsein.

„Wie bringst du das eigentlich alles unter einen Hut, die Malerei, drei Kinder, zwei Hausmeister, die dauernd auf der Tacke stehen und einem auf den Wecker gehen, Yoga, Ausstellungen ...?" Die Antwort hab ich vergessen, weil wir gleichzeitig eben auch über Webstühle und Webdesign reden, ja das sind unterschiedliche Webs, über ihre Ausbildungen, sie ist auch Sozialcoach, über die Apotheosen subjektiver weiblicher Aggregatzustände ...


Maß- und Missverständnisse
„Wieviele Facebookfreunde hast du eigentlich?"
„Fünftausend, zweitausend und achthundert".
„Und wie reagieren die auf deine Bilder, wenn du sie postest?"
„Manche Idioten schicken Fotos mit Maßangaben."
Tja, Männer und Frauen, da sind Maß- und Missverständnisse vorprogrammiert. Weitere Bilder mit erotischen Sadomaso-Szenen befinden sich im „Mozart" auf Ibiza, die sie aber zurückforderte, weil dort auch der H. C. Strache einkehrte. Nun, jedenfalls besser, als hätt‘ er den Ulrichsberg besucht.

Wenn nun also das Weben schon am Anfang stand, können wir durchaus dem großen Webmaster Goethe das letzte Wort überlassen:
„Geburt und Grab, ein ewiges Meer, ein wechselnd Weben, ein glückliches Leben!"
Und wer die Venusart-Produktion von Esther Follmer in der Metahofpassage besuchen möchte, der sollte sich vorankündigen (Tel.: 0664 459 7227 oder E-Mail: e.follmer@gmx.at)

Und hier geht's zum virtuellen Galeriebesuch:
Externe Verknüpfung http://www.art-future.net/venusart-galerie.html


Erwin Michenthaler
Stand: November 2014

 

Esther und Jose Antonio Bolivar © Esther Follmer
Esther und Jose Antonio Bolivar
© Esther Follmer
Lotus © Esther Follmer
Lotus
© Esther Follmer
Mundos sutiles © Esther Follmer
Mundos sutiles
© Esther Follmer
Pachamama © Esther Follmer
Pachamama
© Esther Follmer
Shakti © Esther Follmer
Shakti
© Esther Follmer
Shiva-Leon © Esther Follmer
Shiva-Leon
© Esther Follmer