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Soundtrack zur ersten Midlife-Crisis

Das Musikcafé Prenner begann mit Punk, spielt heute Indie-Pop und ist dabei den eigenen Wurzeln treu geblieben.

Musikcafé Prenner  © privat
Musikcafé Prenner
© privat
Die Zeiten, in denen Horst Prenner in Wildon gezielt junge Musikerinnen und Musiker förderte und dabei auch großzügig über manches zerstörte Inventar hinweg sah, sind vorbei. Vor zwei Jahren starb der Gastwirt, die Idee seines Musikcafés aber lebt in Form einer Band weiter. Die fünf Herren, die mit ihrem Namen an das legendäre Lokal erinnern, trafen sich bereits in der Schulzeit, um gemeinsam Punkrock zu spielen. Nach einer Pause wurde Ende 2010 dann zur Überraschung aller Beteiligten musikalisch eine neue Richtung eingeschlagen, die man in den einschlägigen Medien gerne Indie-Pop nennt. Es folgten einige kleinere Konzerte, ein erstes Demo-Tape und 2012 die EP „Foto am Klavier". „Wir sind zwar nicht die fleißigste Band, aber es geht stetig voran", kommentiert Gitarrist Peter Music die Entwicklung des Musikcafés. Der Einsatz ist notgedrungen auf die Freizeit beschränkt, als Indie-Band in der Steiermark wird man zwar vielleicht zu lokalem Ruhm, aber eher nicht zu nennenswertem Reichtum kommen. So arbeiten die Bandmitglieder „im bürgerlichen Leben" unter anderem in einem Architekturbüro, bei einem Hightech-Unternehmen, als Musiklehrer und im Sozialbereich.

CD „Farben" bei pumpkin records
Im Mai 2014 erschien die CD „Farben" auf pumpkin records, die beim Publikum und der regionalen Presse sehr positiv aufgenommen und vor allem auf Radio Soundportal eifrig gespielt wurde. Der Hype, der um die österreichische Indie-Szene vor allem in deutschen Medien im Jahr 2014 losgetreten wurde, hat kleinere Bands wie das Musikcafé Prenner bis dato freilich kaum erfasst. „Live spielen ist bei uns schon sehr mühsam, die wenigen Booking-Agenturen, die es gibt, haben großen Einfluss auf die Programmierung, und es ist schwierig, zumindest die Unkosten decken zu können", sagt Peter Music. Dazu kommt, dass viele junge Bands kostspielige Promotion-Firmen engagieren müssten, um überhaupt an die relevanten Medien heranzukommen. Früher gab es für lokale Bands zumindest die Möglichkeit, als Vorgruppe eines bekannten Künstlers zu einem größeren Publikum zu kommen, doch durch die Vermarktungsstrategien der Booking-Agenturen ist diese Möglichkeit heute kaum mehr gegeben. Ohne größere Konzerte halten sich dann auch die Verkaufszahlen der Tonträger in Grenzen. So gesehen freute sich das Quintett mit Wildoner Wurzeln, bei der Präsentation von „Farben" immerhin an die 100 Stück der CD verkaufen zu können.

Melancholisch optimistisch
Für die Zukunft sind die Mitglieder des Musikcafés durchaus optimistisch, dass sich die Vernetzung der heimischen Bands und auch die Problematik rund um kleinere Konzertlocations in Graz zum Besseren wenden. Ein entsprechender Versuch war etwa ein Auftritt im Dezember 2014 mit den Musikern von 20Uhr15 und „love god chaos". Auch die Bemühungen von Vereinen wie Platoo und Indiepartment geben hier Anlass zur Hoffnung. Wer als Veranstalter das passende Etikett für das Musikcafé sucht, Peter Music hat es parat: „Melancholischer Soundtrack zu einer ersten Midlife-Crisis" nennt er den Sound der Band.

Externe Verknüpfung www.facebook.com/musikcafeprenner

Wolfgang Kühnelt
Stand: Jänner 2015