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Einheit in der Vielfalt

Die Grazer Kunstschaffende Theresia Fauland-Nerat gilt als „allround artist“. Eine Bezeichnung, den Kenner ihrer Werke gerne bestätigen werden, denn das Œuvre der Steirerin ist so vielschichtig wie ihre Biografie. Von Gusseisen, Polyesterharz, Holz, Fotografie bis hin zu Eitempera und Öl bringt sie verschiedenste Materialien zum Einsatz. Auf die Frage, ob sie nun als Bildhauerin, Malerin, Performerin oder gar als Fotografin anzusprechen sei, antwortet sie mit einem Ausspruch André Hellers: „Ich bin im Dienste meiner Talente.“

Theresia Fauland-Nerat bei der Arbeit im Atelier © Theresia Fauland-Nerat
Theresia Fauland-Nerat bei der Arbeit im Atelier
© Theresia Fauland-Nerat

Der Weg ist das Ziel

Die Lebensgeschichte der steirischen Künstlerin Theresia Fauland-Nerat geizt nicht mit Besonderheiten. Nach dem Abschluss ihrer Tischlerlehre erfolgte eine mehrjährige praktische Ausbildung zur Holzrestauratorin. Als selbstständige Restauratorin arbeitete sie auch während ihres Studiums der Kunstgeschichte an der Karl-Franzens-Universität erfolgreich weiter. Währenddessen brach ihre Berufung zur Künstlerin langsam, aber stetig durch. Den Zeitpunkt ihres „Coming-out" 2009 setzt sie an. Damals Inhaberin der Galerie THERES-ART, trat sie unter dem bezeichnenden Titel "Closing for Opening" in ihrer ersten Personale mit ihren Werken an die Öffentlichkeit. Auslandsaufenthalte als Artist in Residence in Shanghai und Mexico City sowie Ausstellungen und Arbeiten in Slowenien, Kroatien und Deutschland folgten und unterstreichen die internationale Resonanz und Wertschätzung ihrer Arbeiten.

Perfektion ist nichts, was es nicht gibt.

Ihre Werke - Skulpturen, Möbel-Skulpturen, Installationen, Gemälde - lassen sich keinen Ismen zuordnen. Wer es versuchen möchte, sei gewarnt! Wenn man den Fehler macht, die Arbeiten der Grazerin zu schnell zu benennen, dann bleibt einem die ungeheure Kraft, die ihnen innewohnt, womöglich verborgen. Fauland-Nerat gelingt es auf besondere Weise, die Kunst an der Wurzel zu packen und ihr wahres Wesen zum Ausdruck zu bringen. In jedem Stück wird der Fluss deutlich, aus dem die Künstlerin schöpft, um ihren Objekten eine Seele einzuhauchen. Ein Beispiel dafür ist die Preisträger-Skulptur, die sie auf Einladung der Vereinigung österreichischer Staatsanwältinnen und Staatsanwälte für den „Wolfgang-Swoboda-Preis für Menschlichkeit im Strafverfahren" in der Auflage von 10 Stück schuf.

Die Magie des Augenblicks

Theresia Fauland-Nerat sprengt mit ihren Arbeiten immer wieder die Grenzen zwischen Objekt und Betrachter. Die Arbeiten atmen, pulsieren und verlieren ihren Status als Objekt, sobald man sich auf sie einlässt. Dem gewieften Einsatz unterschiedlichster Materialien, Techniken und ihrer Faszination für außereuropäische, häufig auch indigene Kunst ist es zu verdanken, dass die Objekte den Betrachter oft in metaphysische Dimensionen entführen. Sie zwingen geradezu, dingliche Maßeinheiten zu hinterfragen: Was schwer wirkt, wiegt nicht immer schwer, was hingegen leicht und bewegt anmutet, kann sich als unvorstellbar starr entpuppen. Die Werke zeichnen sich in ihrer Vielgestalt vor allem dadurch aus, dass sie eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schaffen und dabei auf unvergleichliche Weise mit den Grenzen der Wahrnehmung spielen, ohne unangenehm zu überfordern. Auch ihre im Frühjahr 2014 in Wien gezeigte Ausstellung „EYEzen" überzeugte in diesem Sinn.

Barbara Jernej
Stand: März 2014

Dieser Text ist in Kooperation mit der KSG in der Ausgabe 111 (März 2014) der Grazer Kulturzeitschrift „80" erschienen.

Ausstellungsbild EYEzen, Frühjahr 2014, Galerie Kunst & Handel, Wien © Theresia Fauland-Nerat
Ausstellungsbild EYEzen, Frühjahr 2014, Galerie Kunst & Handel, Wien
© Theresia Fauland-Nerat
Die Künstlerin in der Gießerei © Theresia Fauland-Nerat
Die Künstlerin in der Gießerei
© Theresia Fauland-Nerat
Bei der Preisverleihung des "Wolfgang-Swoboda-Preises für Menschlichkeit im Strafverfahren" im Februar 2014 © Theresia Fauland-Nerat
Bei der Preisverleihung des "Wolfgang-Swoboda-Preises für Menschlichkeit im Strafverfahren" im Februar 2014
© Theresia Fauland-Nerat