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Auf dem Weg an die Spitze

Der Südtiroler Bariton Andrè Schuen, (Noch-)Ensemblemitglied der Grazer Oper, singt unter dem Dirigat von Nicolaus Harnoncourt die Hauptrollen von Mozarts Da-Ponte-Zyklus in Wien.

Andrè Schuen © Angelika Schwarz
Andrè Schuen
© Angelika Schwarz

Für den jungen Bariton Andrè Schuen war es ein steiler Weg in kurzer Zeit: Der gebürtige Südtiroler schloss erst 2010 seine Ausbildung am Salzburger Mozarteum mit Auszeichnung in den Fächern Oper und Lied sowie Oratorium ab, im März 2014 wird er unter dem Dirigat von Nikolaus Harnoncourt als Don Giovanni, Figaro und Guglielmo („Cosi fan tutte") in drei Hauptrollen im Theater an der Wien auf der Bühne stehen. Die Partien sind ihm nicht ganz neu, sang er sie doch zum Teil bereits während seiner Studienzeit in kleineren Produktionen.

Die Freude an der Musik wurde bereits in der Kindheit geweckt: „Mein Vater hat die Gitarre zur Hand genommen und mit uns Lieder in seiner Muttersprache Ladinisch gesungen", schildert der 1984 in La Val/Wengen in Südtirol geborene Sänger. Später lernte er Violoncello, bevor er sich auf Gesang verlegte und am Mozarteum seine Ausbildung machte. Zu den Schwierigkeiten in seinem Beruf zählt der Bariton keineswegs nur die technischen Herausforderungen: „Da muss man als Sänger genauso daran arbeiten wie ein Instrumentalist, mit dem Unterschied, dass bei uns Gefühle, sowohl positive wie auch negative, Ängste, Müdigkeit und vor allem Krankheiten, direkt auf unser ‚Instrument‘ übergehen." Es sei auch nicht immer leicht, die eigene Seele einer großen Zuschauerzahl zu öffnen. „Am schwierigsten aber ist das ständige Reisen. Und das zum größten Teil alleine." Allgemein müsse man im Privatleben sehr viel opfern „manchmal zu viel", so der junge Künstler.

Seit 2010 ist er im Ensemble der Grazer Oper, wo er unter anderem Jeletzky (Pique Dame), Masetto (Don Giovanni), Belcore (Elisir d‘amore), Ford (Falstaff), Papageno (Zauberflöte) und die Titelpartie in „Gasparone" sang. Ab Sommer 2014 wird er aber freiberuflich tätig sein, obwohl er durchaus Vorteile im Ensemblebetrieb sieht: „Ich hoffe sehr, dass diese Form Zukunft hat. Sie gibt uns Sängern und allen anderen Mitarbeitern eine gewisse Sicherheit, die sehr wichtig ist und ohne die ich mir meine ersten Jahre im Opernbetrieb nur sehr schwer hätte vorstellen können."

Mit Überlegungen zu Wunsch-Dirigenten oder Lieblings-Regisseuren beschäftigt sich der Bariton nicht: „Ich denke über solche Details nicht viel nach. Meine Leidenschaft ist die Musik an sich, dementsprechend versuche ich in jeder Situation, die Musik durch mich aufblühen zu lassen, ihre Botschaft weiterzugeben. Und das, indem ich in bestmöglicher Weise mit meinen Partnern auf der Bühne und im Orchestergraben zusammenwirke."

Das mit dem Zusammenwirken scheint zu funktionieren, denn André Schuen hat bereits mit den Berliner und Wiener Philharmonikern, dem Mozarteum-Orchester oder der Camerata Salzburg gearbeitet. Simon Rattle holte ihn nicht nur für seine „Salome"-Produktion in Salzburg, sondern auch für „Carmen", wo er als Moralès überzeugte - nachzuprüfen auf einer CD dieser Aufführung.

Der nächste Schritt sind nun die Da-Ponte-Opern von Mozart, doch Schuen will sich auch verstärkt dem Lied widmen. Aber auch im Bereich Oper gibt es noch viele Wünsche. „Für die ferne Zukunft sind seit jeher schon die großen Verdi-Bariton-Partien mein Traum gewesen. Oder auch Puccini, Richard Strauss und Wagner. Aber da muss man geduldig sein und schauen, was sich aus der Entwicklung der Stimme ergibt", zeigt sich der Bariton ganz gelassen. Wenn er nicht gerade singt, kocht er gerne für Familie und Freunde. Und Zeit für einen Abstecher nach Hause in die Dolomiten sollte auch immer drin sein: „Das ist für mich der schönste Ort auf Erden!"

Externe Verknüpfung www.andreschuen.com

 

Karin Zehetleitner
Stand: Februar 2014