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„Mit dir möcht ich baden gehen“

Das Duo Viech macht Pop-Musik mit wortreichem Mehrwert.

Viech © Lena Prehal
Viech
© Lena Prehal

Viech, das sind Andreas Klinger und Paul Plut. Der zuerst Genannte ist neben seinen musikalischen Projekten als Sozialarbeiter in Graz tätig, der zweite lebt als Volksschullehrer in Wien. Gemeinsam bilden sie eines der bemerkenswertesten Duos mit steirischem Bezug im Bereich des Indie-Pop oder Alternative Rock - oder wie immer man das kategorisieren möchte. Klinger und Plut nennen ihre Musik gerne „Piratenpop". „Das Schöne am Pirat sein ist, dass wir uns gegenseitig die Ideen klauen können, um daran weiterzuarbeiten. So knöpft sich jeder die Vorschläge des anderen vor und komponiert seine eigenen Melodien und Arrangements dazu", sagen Viech über ihre Methode der Kooperation.

Begonnen hat alles im Ennstal, wo Klinger und Plut ihre ersten musikalischen Erfahrungen machten. In Graz angekommen, war es vor allem die Arbeit auf der Bühne mit Philipp Szalay (mittlerweile als Farewell Dear Ghost zu überregionaler Bekanntheit gelangt), die sie entscheidend weiterbrachte. Das erste eigene Viech-Album, das im Frühjahr 2013 erschien, wurde speziell von FM4 sehr positiv besprochen, was erfreuliche Effekte mit sich brachte. Von März bis November 2013 konnten Viech über 40 Konzerte spielen und so zahlreiche neue Fans gewinnen. Ihren Bandnamen verbinden sie übrigens mit Attributen wie „intuitiv" und „animalisch". Sie wollen explizit erreichen, dass die RezipientInnen beim Anhören der Musik soweit wie möglich den eigenen Gefühlen freien Lauf lassen und dem Gehirn eine Pause gönnen.

Besonders auffällig an der Platte „Viech" sind freilich dann doch die Texte, die vielen Wortspiele, die zweifelsohne literarische Qualitäten haben und die sich sehr wohl auch an die Köpfe des Publikums richten. Ein wichtiger Impuls für diesen immer weiter sich entwickelnden Wort-Schatz kam vom Literaten Christoph Szalay, mit dem die beiden im Jahr 2009 das Stück „shave and a haircut - süd.nord" aufnahmen. „Deutsch ist für uns die greifbarste Sprache und die einzige, mit der wir uns austoben können", sagen Klinger und Plut heute. Und auch hier gilt das Piratenprinzip. Einer gibt ein Grundthema vor, dann wird vom anderen damit weitergespielt. Am Ende werden die Worte gedreht und gewendet, was jeden Song zu einem sehr eigenwilligen und faszinierenden Labyrinth macht.

Die Tracks tragen Namen wie „Laufgans", „Herzknacker" oder auch „Mit dir möcht ich baden gehen doch ich seh uns noch lang nicht im Urlaub". Eine zart verschrobene Welt wird da errichtet, in der die Stimme mindestens gleichberechtigt da steht, neben Drums und Gitarren, Klavier, Akkordeon und Querflöte. Einen nicht zu unterschätzenden Anteil an der hohen Qualität des Albums dürften auch die Co-Produzenten haben. Christofer Frank und Bernhard Fleischmann sind in der Szene wahrlich keine Unbekannten. Anfang 2014 beginnt nun für Viech die Arbeit am nächsten Album, daneben möchten die zwei so viele Auftritte wie möglich absolvieren.

Als junge Band in der Gegenwart tut man gut daran, nicht nur auf Plattenverkäufe zu achten, sondern den Fans mehr zu bieten. Genau das versuchen Viech auf humorvolle Art, nicht völlig frei von Selbstironie. So offerieren sie auf ihrer Website Klingeltöne zum Download und produzierten in der Vergangenheit auch schon klingende Adventkalender und Oster-Nester oder veranstalteten Verlosungen und Remix-Wettbewerbe. Die Wahrscheinlichkeit, demnächst in der Straßenbahn ein kleines Stück Viech zu hören, ist also gar nicht so gering. Und auf jeden Fall wird das Hörerlebnis wohltuender als es das ewig gleiche Repertoire aus dem Hause Nokia oder Apple zu bieten vermag.

Externe Verknüpfung www.viech.org

Wolfgang Kühnelt