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Der Hendlmaler

Heinz Strahl, ein Spätberufener, machte seine stille zur gelebten Leidenschaft.

Heinz Strahl © Johannes Würzler
Heinz Strahl
© Johannes Würzler

Die stille Leidenschaft für die Kunst und das Malen schlummerten im erfolgreichen Veterinärarzt schon seit seiner Studienzeit. Den Entschluss seine Bilder der Öffentlichkeit zu zeigen, fasste er erst an seinem 58. Geburtstag. Und mit seiner ersten Ausstellung war ihm auch auf einem Schlag klar, dass er seine Berufung von nun an nicht mehr hinter verschlossenen Ateliertüren ausüben wolle. In nur wenigen Jahren wurde aus dem Spätberufenen ein bekannter Name in der Grazer Kunstszene: Heinz Strahl, der „Hendlmaler".

Der Traum, Künstler zu sein, begleitet viele Menschen ihr Leben lang. Schlussendlich verwerfen sie mit den Jahren ihre einstigen Visionen und Ideen und begraben ihre Ambitionen. Bei Heinz Strahl jedoch lief der Hase, oder besser gesagt das Huhn, anders. Er malte schon immer, in erster Linie für sich. Aus Freude an der Kreativität und der Umsetzung seiner Ideen. Auch wenn sein Arbeitstag immer wieder 12 Stunden lang war, die Zeit im Atelier, anfangs einem kleinen Kellerraum in seinem Wohnhaus, war immer unterzubringen, oft auch tief in der Nacht. An dieser Arbeitsweise hat sich bis heute wenig geändert, dafür aber an seinem Bekanntheitsgrad.

Seit seiner ersten Ausstellung 2008 im Grazer St. Veiter Schlössl, damals noch unter der Leitung von Kunst- und Antiquitäten Händler Michael Stoff, machte sich der sympathische Tierarzt mit zahlreichen weiteren Ausstellungen als Künstler einen Namen. Mit seinem Atelier übersiedelte er in die Grazer Innenstadt und kombinierte es kurzerhand mit den Räumlichkeiten einer Galerie. Hier, in der Burggasse, ist nun das Epizentrum von Strahls Kunst. Seine Vernissagen bekamen über die Jahre hinweg immer mehr den Charakter eines Kunst-Happenings, bei dem die Galerie schon mal zum Hühnerstall umgewandelt wird und sich ihre Besucher plötzlich selbst wie Hühner fühlen. - Jenes Federvieh, das in Strahls Kunst das zentrale Symbol ist und ihn seinen, wenn auch ein wenig unerwünschten, Künstlernamen „Hendlmaler" eingetragen hat.

Wirklich aufregen tut ihn diese Bezeichnung natürlich nicht, überhaupt verzichtet Strahl allzu gerne auf überzogene Ernsthaftigkeit - im Leben genauso wie in seiner Kunst. Es bedarf auch keines Studiums, um seine Bilder zu verstehen, er malt um seine Betrachter zu erfreuen, so wie er selbst Freude empfindet, wenn er sich seinen Arbeiten widmet. Dennoch will er mit seinen Bildern dazu anregen, über Dinge nachzudenken, sie von anderen Seiten zu betrachten, als man es gewohnt ist. Neben klassischer Malerei, bevorzugt in Öl, hat Strahl nun auch die Fotografie als ein für ihn interessantes Medium entdeckt. Schlussendlich beweist er auf herzerfrischende Art und Weise, dass es im Leben niemals zu spät ist, um das zu tun, was in einem steckt.

Heinz Strahls Werke im Internet: Externe Verknüpfung www.ray50.at

Stefan Zavernik
Stand: Dezember 2013
Erstveröffentlicht in der Kulturzeitschrift „80"

Habakuk ist in Eile, Öl auf Leinwand, 100x100, 2013 © Heinz Strahl
Habakuk ist in Eile, Öl auf Leinwand, 100x100, 2013
© Heinz Strahl
Die Relativität ist ein Huhn, Öl auf Leinwand, 100x100, 2013 © Heinz Strahl
Die Relativität ist ein Huhn, Öl auf Leinwand, 100x100, 2013
© Heinz Strahl
Rosecomb Bantam, Öl auf Leinwand, Holzrahmen schwarz, 100x100, 2012 © Heinz Strahl
Rosecomb Bantam, Öl auf Leinwand, Holzrahmen schwarz, 100x100, 2012
© Heinz Strahl