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Gefragter Tenor und ausgebildeter Jurist

Martin Fournier verkörpert in der Grazer Oper die unterschiedlichsten Rollen.

Martin Fournier © Irmgard Keller
Martin Fournier
© Irmgard Keller

Mit sechs Jahren dirigierte er zu Hause im Wohnzimmer vor dem Plattenspieler die großen Symphonien mit, später sang er bei den Wiener Sängerknaben, schließlich führte ihn der Weg auf die Opern- und Konzertbühnen: Der Grazer Tenor Martin Fournier hat schon früh seine Begeisterung für Musik entdeckt. „Die Plattensammlung meiner Mutter hat mich magisch angezogen", schildert er. Er begann Geige zu spielen, doch die Freude am Singen war schon bald so groß, dass er zu den Wiener Sängerknaben kam und von dieser Zeit viel profitieren konnte: „Ich würde es heute als Glücksfall bezeichnen, denn das machte mir nicht nur große Freude, sondern ich habe dort auch enorm viel gelernt", so Fournier.

Er besuchte das Musikgymnasium in Graz - und begann anschließend Rechtswissenschaften zu studieren: „Nach der Matura wollte ich unbedingt etwas studieren, das nichts mit Musik zu tun hat und da kam mir Jus in den Sinn. Ich weiß auch nicht genau warum. Das Singen hat mich aber dann doch eingeholt und ich begann dann auch parallel dazu mein Gesangsstudium. Irgendwann war ich schließlich bei Jus schon so weit, dass es schade gewesen wäre, es nicht abzuschließen", erklärt er seine beiden ziemlich unterschiedlichen Ausbildungen. Auf der Grazer Kunstuniversität wurde er unter anderem von Ernst-Dieter Suttheimer, Helga Müller-Molinari und Joanna Borowska unterrichtet.

Doch ganz einfach war es auch für den Stipendiaten der Münchner Singschul am Prinzregententheater und AIMS-Preisträger nicht, ein Engagement zu bekommen. Zahlreiche Vorsingen und auch Absagen waren für den jungen Sänger nicht immer leicht hinzunehmen. Heute sieht er die Probleme des Berufs eher woanders: „Die größte Schwierigkeit im Berufsalltag bereitet mir die persönliche Abhängigkeit von Personen wie Regisseuren oder Dirigenten, die einen selbst oder Kollegen oft auf äußerst ungute Art demütigen."

Erste Auftritte gab es in der Grazer Oper als Stimme aus dem Dornbusch bei „Moses und Aaron" und an der Wiener Staatsoper, wo er im „Traumfresserchen" den Arzt sang. Es folgte ein Engagement in St. Gallen in der Schweiz, wo er unter anderem den italienischen Sänger im „Rosenkavalier", Edwin in der „Csardasfürstin" - die Produktion mit Josef Köpplinger bezeichnet er als eine der gelungensten - oder Monostatos in der „Zauberflöte" sang. Zwei Jahre war er in Klagenfurt engagiert, bevor er 2005 an die Grazer Oper kam, wo er als Steuermann im „Fliegenden Holländer", Don Ottavio in „Don Giovanni", Chateneauf in „Zar und Zimmermann" oder auch Stanislaus im „Vogelhändler" ein breites Spektrum abdeckt. Als eine seiner Lieblingsproduktionen an diesem Haus bezeichnet er „Sergej Prokoviews märchenhafte Oper „Die Liebe zu den drei Orangen" in der phantasievollen Regie von Andreas Homoki. Nebenbei tritt er auch bei Festivals wie der styriarte, den Opernfestspielen in St. Margarethen oder dem Sommerfestival Kittsee als Opern- und Konzertsänger auf. „Ich würde mich gern mehr dem lyrischen Fach nähern. Mein Konzertrepertoire mit Bach, Mozart und Mendelssohn spiegelt viel eher meine stimmlichen Möglichkeiten wider als meine Partien auf der Opernbühne", so der Künstler über seine Wünsche für die berufliche Zukunft.

Privat gilt seine ganze Leidenschaft seiner Familie; „Ich beschäftige mich viel mit den Kindern, spiele und musiziere mit ihnen. Und ich koche sehr gern", verrät Martin Fournier. „Dazu kommt, dass ich eine vielbeschäftigte Frau habe, in deren Arbeit ich sehr involviert bin (sie leitetet die Singschul‘ der Grazer Oper, Anm.) und bespreche mit ihr anstehende Projekte." Träume von Fernreisen und exotischen Ländern hat der in vielen Bereichen engagierte Tenor nicht: „Meinen Traumurlaub verbringe ich mit meiner Familie in unserem Wochenendhaus auf der Alm."

Karin Zehetleitner
Stand: November 2013