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Zwischen Kunst und Philosophie

"Frust der Kunst. Um den Hals geworfen" ist nicht nur das Thema von Albina Funkls Ausstellung in der Galerie G69, die von 8. bis 31. Mai 2013 zu sehen ist , sondern auch ein Thema, das die Künstlerin selbst seit langer Zeit beschäftigt. "Was ist Kunst und welche Qualitäten machen gute Kunst aus?", reflektiert sie unter anderem in ihrem künstlerischen Schaffen.

oT © Albina Funkl
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© Albina Funkl

Albina Funkl wurde am 11. Mai 1964 in Sibirien geboren. Sie besuchte in Russland eine Technische Universität und entschloss sich dann nach Österreich zu kommen, wo sie die die Sprache und Lebensweise "erfuhr und erlernte". An der Grazer Karl-Franzens-Universität begann sie Philosophie zu studieren, doch das war ihrem Geist nicht Entfaltung genug.

Da die Kunst schon ihr Leben lang in ihr schlummerte, begann sie an der Ortweinschule für Kunst und Design die Meisterklasse für Metallgestaltung. Unter der Führung von Wolfgang Rahs diplomierte sie mit dem Thema "Phantom der Substanz" wofür sie auch das - 2012/13 zum insgesamt dritten Mal vergebene - KSG-Stipendium erhielt. Das Schmuckstück dieser Arbeit war ein Armreif, der zum Teil aus verformten Glas und Metall besteht. In einer Yin-Yang-Anmutung werden die Gegensätze der Materialien hervorgehoben.

"Die Gläser sind ‚leer‘, ohne sichtbaren Inhalt. Dennoch ergibt sich die Frage: Sind die Gläser leer oder voll? Meine Antwort: voll. Sie sind mit Substanz aufgefüllt. Zum einen mit geistiger, weil sie mit den Ideen, das Stück betreffend, gefüllt sind, und zum anderen stofflicher Substanz, weil Leere im Universum nicht geduldet wird", schreibt die Künstlerin in ihrer Diplomarbeit.

"Von Anfang an war es das Schmuckstück als Philosophie", beschreibt ihr Mentor Wolfgang Rahs Funkls künstlerisches Schaffen. Auch bei ihrer Austellung in der Galerie G69 versucht die Schmückkünstlerin, Kunst und Philosophie in Einklang zu bringen. Gleichzeitig übt sie Kritik an der Kunstwelt.

Für sie ist Kunst maßgeblich verantwortlich für Frust. Einerseits bei den Kunstschaffenden, durch die Forderung ständiger Produktivität und das allgegenwärtige Ziel Tabus zu brechen. Andererseits werden die Betrachter oft emotionslos zurückgelassen und kommen obendrein mit der Flut des laufenden Kunstgeschehens gar nicht mehr mit. In diesem "Teufelskreis des Kunstbetriebes" geht für die Künstlerin das Wichtigste verloren: "Das Erlebnis der ästhetischen Erfahrung".

Um dies zu demonstrieren, verkeilt, verschraubt und verformt sie mehrere Bilderrahmen, versieht sie mit einem Scharniergelenk und einem Zylinderschloss und fertigt etwas Neues: ein Collier.
Dieses Collier kann von den Besuchern der Ausstellung anprobiert werden und wird ihnen somit von der Künstlerin buchstäblich um den Hals geworfen.

Doch das Erleben der Kunst hört für sie hier nicht auf. Die an den Wänden lehnenden, hinten und vorne bemalten Leinwände hat Albina Funkl mit großen Rissen versehen, um den Betrachtern einen Einblick hinter die Kunst zu gewähren. Ebenso lässt sie zu, die Leinwände zu berühren, aufzuheben, oder diese einfach umzudrehen und schafft somit einen ganz neuen Blickwinkel für Interpretation.

"In unserer Zeit des Überflusses stellt die Kunstszene keine Ausnahme dar. Alles ist diktiert von den Regelwerken der Konsumgesellschaft: Mehr, mehr und noch mehr!", reflektiert sie, und wenn man darüber nachdenkt, muss man ihr Recht geben.


Stefan Zavernik
Stand: Mai 2013

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