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100 Prozent sind nie genug

Inhalt – Power – Qualität: Herbert Soltys bekennt sich bedingungslos zur Kunst.

Herbert Soltys, Malerei kann nie öd sein © Martin G. Wanko
Herbert Soltys, Malerei kann nie öd sein
© Martin G. Wanko

Am Anfang war die Leinwand, hinzu kam die Farbe. Das hat sich beim Maler Herbert Soltys nie geändert. Darüber hinaus macht er sich Gedanken über den Kunstbetrieb. Künstler zu sein ist nicht einfach. Vor allem „wenn man in Graz ist!" - Willkommen in der Welt von Herbert Soltys.

„Künstler sein in Graz ist eine Herausforderung", beginnt Soltys das Gespräch. „Hier muss man für sich selber schauen, dass man wahrgenommen wird." Graz ist eben doch eher der Mikrokosmos einer Großstadt, der risikofreudige Galerist Mangelware. „Im stillen Kämmerlein funktioniert schon lange nichts mehr. Was muss ich tun, um wahrgenommen zu werden, muss sich der Künstler fragen."

Soltys hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Das macht ihn zum kritischen Zeitgenossen, dem das allzu Glatte nicht liegt: „Welche Aufgabe hat die Neue Galerie zum Beispiel? Ich höre immer, es gibt nicht genug Geld, dabei sind Experimente mit heimischen Künstlern nicht immer ‚kostspielig, und eine Michelangelo-Pistoletto-Ausstellung in der Neuen Galerie kann auch finanziert werden", so der Künstler. Wenn man Soltys zuhört, erkennt man schnell: Der Künstler ist ein Kämpfer. Vor allem, weil Herbert Soltys in Graz beheimatet ist, muss er kämpfen. Vor allem für seine Rechte. Fight for your right to be!

„Welche Rahmenbedingungen muss ich mir schaffen, damit ich mit meinem Potential richtig umgehen kann?", fragt sich Soltys und stellt die Frage gleichzeitig den Ausstellungshäusern und Galerien, „denn nur, wenn alle 100 Prozent geben, kann in Graz etwas weitergehen!" Oft wurde er schon eines Besseren belehrt, aber es kann nicht jeder abhauen. Hierbleiben kann auch als Stärke gesehen werden. So kommt er wie aus Trotz heraus zur Ursprungsformel zurück: „Es muss von Graz aus auch gehen, fernab jeglicher Provinzialität."

Seit 2007 ist Soltys nun freischaffend tätig. Er sieht diese Möglichkeit, sich ohne Brotjob verwirklichen zu können, als Privileg und als Chance, aber er verkitscht das Leben als selbständiger Künstler nicht. „Ich muss ja Bilder verkaufen, ich muss ja meinen Lebensunterhalt verdienen. Da ist die härteste Triebfeder schon die Existenz. Wenn man mit Druck umgehen kann, ist er gut", spricht Soltys, und wie aus der Pistole geschossen kommt: „Inhalt - Power - Qualität." Peng, peng, peng! Dazu wühlen Soltys Bilder den Betrachter auf. Sie haben viel Leben in sich und setzen den Beobachter unter Strom. Und das auch mit der vielzitierten steirischen Dickköpfigkeit: Soltys war Maler, ist Maler und wird immer Maler bleiben. Der Künstler, der Pinsel und der Künstler, eine nicht auszulöschende Dreifaltigkeit: „Malerei kann nie tote Hose sein. Ich beharre auf diese Möglichkeit, auch wenn ich in der Position des Außenseiters bleibe. Die Leinwand ist die Reflexion meiner Person, meiner Gedanken, und das wird nie anders sein." Und dafür geht Soltys auch an und über seine Grenzen. 100 Prozent sind eben nie genug.

 

Martin G. Wanko
Stand: November 2012

Biografische Angaben:

1976: Absolvent der Kunstgewerbeschule Ortweinplatz-HTBLA Graz, Schwerpunkt: Malerei (Leitung: Prof. O. Brunner)
1980-85: Lehrauftrag an der Universität für Musik und Darstellende Kunst, Graz.
1986-2077: Leitung für Bühnenbild der Werkstätten der Vereinigten Bühnen, Graz.
Seit 1989: Mitglied des Künstlerkollektivs Intro Graz Spection
Seit 2007: freischaffender Künstler


Ausstellungen seit 2010 (Auswahl)

2012:
• Hand-Habung", [hofgalerie], Raiffeisenhof, Graz
• "Hintergedanke" Kunstgalerie Merkur, Graz
• „Newspaper", Galerie Light & Space Contemporary, Manila (Philippinen)
• Weiterführung des Projekts "The Sound of Music"

2011:
"The Sound of Music", Galerie Kratochwill, Graz

2010:
„Serien Brüche", Burgmuseum Archeo Norico, Deutschlandsberg