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Verleihung der Landeskulturpreise 2012, am 15. November 2012

„Am heutigen Abend werden Kunst und Kultur wieder stärker ins Bewusstsein der Gesellschaft gerückt und gleichzeitig der hohe Stellenwert, den Kulturpreise in der Steiermark haben, dargestellt", leitete Kulturlandesrat Dr. Christian Buchmann die gestrige Verleihung der Landeskulturpreise 2012 ein.

„Ich möchte hier Kunst und Kultur als Grundnahrungsmittel unserer Gesellschaft ins Rampenlicht stellen. Die verschiedenen Preise, die heute verliehen werden, zeigen einen schönen Querschnitt dessen, was wir an Kunst und Kultur im Land haben."

 

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Im Mittelpunkt der Landeskulturpreisverleihung, die gestern, Donnerstag, 15. November 2012, im Foyer der Helmut-List-Halle über die Bühne gegangen ist, standen die neun PreisträgerInnen. In einem künstlerisch aufbereiteten Rahmen, den die „OchoResotto" visuell, die „Cooks of Grind" kulinarisch und olfaktorisch und die Blues und Rock n'Roll Band „Donna Walker & The Bad Jesses" musikalisch gestaltet haben, wurde Peter Gerwin Hoffmann mit dem Würdigungspreis des Landes Steiermark für bildende Kunst ausgezeichnet. Er bedankte sich in seiner Laudatio, „eine öffentliche Ehrung bedeutet öffentliche Redezeit", beim Land Steiermark für den Preis und bei seiner Familie und gab aber zu bedenken, dass Kulturpolitik nicht immer am Alten festhalten soll. Der Peter-Rosegger-Preis ging erstmals an einen jungen Autor, an den Nachwuchsliteraten Max Höfler, der seine Ehrung für einen performativen Text nutzte, in dem er eine Geschichte, die „möglich gewesen wäre, wenn ich das so gemacht hätte", erzählte. Den Karl-Böhm-Interpretationspreis bekam der gebürtige Grieche und Bratschist Dimitrios Polisoidis, der in seiner kurzen Uraufführung, „Ein Gespräch mit Komponisten", einen Einblick in sein Können darbot. Die Atelier-AuslandsstipendiatInnen erzählten bei der Verleihung von ihren intensiven Erfahrungen in den unterschiedlichen Ländern und Städten: Die bildende Künstlerin Ursula Kiesling fand die Kunstszene der serbischen Hauptstadt Belgrad sehr spannend und international vergleichenswert, die Klangkünstlerin Clara Oppel war in Istanbul auf der Suche nach unterschiedlichsten Klängen, Stefan Glettler kam aus Bukarest mit einem intensiv geschriebenen Reisetagebuch und vielen Arbeiten nach Hause und der Autor Christian Winkler beschäftigte sich in der mazedonischen Hauptstadt Skopje in Text und Video mit einem fiktiven Staat, dessen Grundlage die politische Situation Mazedoniens bildete.
Die beiden CINE-ART-Stipendien ergingen an Catalina Molina, die mit dem Stipendium an ihrem Film „Cordoba 1978", eine Geschichte, die sich zwischen ihrer Heimat Argentinien und ihrer Wahlheimat Österreich abspielt, arbeiten wird, sowie an Karin Csernohorski, die sich weiter in die Materie der Knetanimations-Trickfilmtechnik vertiefen wird.

Die Neuordnung der Landeskulturpreise

Mit der Neuordnung der Landeskulturpreise, die im November 2011 von der Steiermärkischen Landesregierung beschlossen worden ist, hat sich auch der Vergabemodus verändert. Erstmals hat Kulturlandesrat Buchmann die Kultur Service Gesellschaft mbH des Landes Steiermark (KSG) mit der Ausschreibung für ein künstlerisches Konzept für die Verleihung der Landeskulturpreise, die nun in einer Veranstaltung vergeben werden, beauftragt sowie mit der Organisation dieser Verleihung betraut. „Von den Kunst- und Kulturschaffenden wurde der Wunsch nach einer gemeinsamen würdigen Verleihung der Preise an mich herangetragen - mit diesem Event von KünstlerInnen für KünstlerInnen versuchen wir diesem Wunsch zu entsprechen", so Kulturlandesrat Buchmann.

Die historisch gewachsene Struktur an Preisen und Stipendien in der Steiermark ist von der Kulturabteilung des Landes Steiermark evaluiert worden. „Die Recherche hat ergeben, dass das Land Steiermark nach Wien mit Abstand jenes Bundesland ist, das am meisten für Kunst- und Kulturpreise aufwendet und mit 19 auch die größte Anzahl an Preisen und Stipendien vorweisen kann. Aus dem Vergleich mit den anderen Bundesländern ergab sich die Entscheidung, die Preise und Stipendien sowohl in ihrer Dotierung als auch im Vergaberhythmus zu vereinheitlichen", sagt Kulturlandesrat Buchmann. „Wichtiges Ergebnis der Evaluierung war auch, die Vergabe in einer Publikation nachhaltig sichtbar zu machen."

Die drei unten genannten Preise werden im Drei-Jahres-Rhythmus vergeben und gehen auf Vorschlag der Jury an herausragende künstlerische Persönlichkeiten, die in der Steiermark leben oder hier geboren und mit der Steiermark eng verbunden sind.

Peter-Rosegger-Literaturpreis

Der Peter-Rosegger-Literaturpreis - wird ab 2012 erstmals für ein besonders gelungenes literarisches Debüt vergeben und soll eine Starthilfe für die Arbeitsbedingungen sein. Der Preis wurde in Gedenken an den großen steirischen Dichter Peter Rosegger (1843 - 1918) 1951 ins Leben gerufen. PreisträgerInnen bisher u.a.: Marlene Steeruwitz, Alfred Kolleritsch, Wolfgang Bauer. (Dotation 10.000 Euro)

Preisträger 2012: Max Höfler (geb. 1978 in der Oststeiermark, lebt als Autor, Künstler und Literaturbeauftragter des Forum Stadtpark in Graz)


„Der Peter-Rosegger-Preis 2012 geht an Max Höfler für sein Prosadebüt "Texas als Texttitel", ein sprachmächtiges, wildes, alles zerlegendes Werk, ein Roman über das Zusammenstoppeln und Gleichwiederzerfallenlassen eines Romans, eine Party in der Sandkiste der Dekonstruktion, die zwischen den grellen Feuerwerken der literarischen Subversion uns an Augenblicken teilhaben lässt, in denen wir die Seltsamkeit des Lebens auf der Erde selbst unverstellt erfahren und uns darüber zusammenkrampfen können, wie die Stille-Post-Rezipienten von Monty Python's Funniest ‚Joke in the World‘." (aus der Jurybegründung)

Karl-Böhm-Interpretationspreis

Der Karl-Böhm-Interpretationspreis nimmt auf den in Graz geborenen Dirigenten Karl Böhm (1894 - 1981) Bezug. In der Steiermark gibt es eine sehr dichte Szene hervorragender InterpretInnen und SängerInnen, deshalb ist dieser Preis als Anerkennung und Förderung dieser Künstlerinnen und Künstler von besonderer Bedeutung. Im Jahr 1998 nahm die Steiermärkische Landesregierung dies auch aufgrund der Erhebung der Musikhochschule in den Universitätsrang zum Anlass, den Karl-Böhm-Interpretationspreis des Landes Steiermark zu stiften. PreisträgerInnen bisher: u.a. Johannes Chum , Markus Schirmer und Karlheinz Miklin. (Dotierung 10.000 Euro)

Preisträger 2012: Dimitrios Polisoidis (geb. 1961 in Thessaloniki/Griechenland, seit dem Studium Graz und der Steiermark verbunden)

„Durch seine herausragende Künstlerpersönlichkeit und sein großes Engagement zählt Dimitrios Polisoidis heute im Bereich der Interpretation zeitgenössischer Musik weltweit zu den wesentlichsten Bratschisten. Seine große kreative Musikalität stellt er als Solist, als eine der ganz wichtigen integrativen Persönlichkeiten im Klangforum Wien und als Partner der bedeutendsten KomponistInnen der letzten Jahrzehnte an den wichtigsten Orten und Festivals der zeitgenössischen Musik - insbesondere bei Uraufführungen - eindrucksvoll dar." (aus der Jurybegründung)

Würdigungspreis des Landes Steiermark für bildende Kunst

Den Würdigungspreis des Landes Steiermark für bildende Kunst gibt es seit 1970. Er wird in Anerkennung eines ausgezeichneten künstlerischen Gesamtschaffens vergeben. PreisträgerInnen bisher u.a.: Gustav Troger, Gerhard Lojen, Hartmut Skerbisch, Jorrit Tornquist. (Dotierung: 10.000 Euro)

Preisträger 2012: Peter Gerwin Hoffmann (geb. 1945 in Gröbming, lebt und arbeitet in Graz)


„Peter Gerwin Hoffmann verstand es in beispielgebender Weise, sein künstlerisches Oeuvre mit einer künstlerischen Haltung auf der Höhe der Zeit, in Vorahnung dessen was kommen sollte, in Einklang zu bringen - nicht laut, sondern in verhaltener Bescheidenheit - und dies konsistent und konsequent bis heute." (aus der Jurybegründung)

Atelier-Auslandsstipendien

Die Atelier-Auslandsstipendien in dieser Form sind ein Novum. Die kreative Nachwuchsförderung mit internationalen Kontakten und Erfahrungen sowie eine fachkundigen Betreuung stehen im Mittelpunkt dieser Auslandsstipendien, die jährlich vergeben werden. Die Vergabe der Stipendien erfolgt auf Vorschlag einer ExpertInnenjury. Die vier StipendiatInnen waren diesmal in Beograd (Serbien), Bukarest (Rumänien), Istanbul (Türkei) und Skopje (Mazedonien). (Monatliche Dotierung: jeweils 850 Euro)

 

Stefan Glettler (geb. 1980 in Graz, lebt und arbeitet in Wien und Graz) - Bildender Künstler

Ursula Kiesling (geb.1968 in Graz, lebt derzeit in Wien) - Bildende Künstlerin

Clara Oppel (geb. in Haßfurt/Bayern, lebt und arbeitet in Graz) - Bildende Künstlerin, Klangkünstlerin

Christian Winkler (geb. 1981 in Graz, lebt derzeit in Hamburg) -Literat, Autor

CINE-ART-Stipendien

Die CINE-ART ist die steirische Filmförderung für künstlerisch und kulturell relevante Film- und TV-Projekte. CINE-ART soll aber auch die Förderplattform für den jungen steirischen Film sein und soll zeitgenössisches Filmschaffen zum integralen Bestandteil der künstlerischen Identität der Steiermark machen. Zur Förderung junger Filmschaffender, die mit innovativen Filmvorhaben befasst sind, werden jährlich zwei CINE-ART-Stipendien (seit 2004) ausgeschrieben. (Dotierung: jeweils 6.000 Euro)

 

Catalina Molina (geb. 1984 in Buenos Aires/Argentinien)

1990 Umzug nach Österreich, 1999-2004 Besuch der Ortweinschule (Kunst und Design - Audiovisuelle Gestaltung); 2004 Regie-Studium an der Kunstuniversität Graz; 2009 Bachelor-Abschluss in Regie und Drehbuch mit Auszeichnung; Studienaufenthalte am Susan Batson Studio, NYC

 

Karin Csernohorski (geb. 1980 in Graz)

1995-2000 Besuch der Ortweinschule (Kunst und Design - Dekorative Gestaltung); 2000-2002 Grafikerin bei bigfoot-design Zell am See; 2002-2010 Studium an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, Abschluss mit Auszeichnung