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Texte wie Chili

Seinen mediterranen Garten pflegt er ebenso intensiv wie seine Texte: Mike Markart ist der Südländer unter den steirischen Autoren

Ursprünglich kommt Mike Markart von der Rock-Musik her, machte bis zu seinem 16. Lebensjahr gekonnten Lärm, aber dann immer mehr Literatur. Heute ist Musikmachen für Markart ein kreativer Freizeitbereich, die Literatur hatte die Oberhand behalten. Den musikalischen Rhythmus hat er jedoch in die Literatur einfließen lassen.

„Wenn ein Text Unebenheiten hat, dann muss ich das beheben, bis der Groove wirklich passt." Da wird an einer Silbe, einem Wort oder an einem ganzen Satzkonstrukt gearbeitet. Das bedeutet eine große Hingabe, und eine gewisse Kompromisslosigkeit: „Ich lasse mir vom Literatur-Markt nichts mehr einflüstern: Weder gehe ich jetzt Zeilen vollschreiben oder lasse mir reinreden wie viele Anschläge ein Kapitel haben soll", so Markart, der lieber auf verkaufsfördernde Elemente verzichtet, aber dafür authentisch und wiedererkennbar bleibt.
Wer nun denkt, Markart, 1961 in Graz geboren, sei ein altertümlicher Autor, der vor seiner Olivetti-Schreibmaschine sitzt, liegt daneben. Auch seine literarische Arbeitsweise hat sich vor 15 Jahren grundlegend geändert: „Früher hat man wahnsinnig aufpassen müssen, welchen Satz man niederschreibt, weil man ja nichts löschen hat können. Heute kann ich drei, vier Gedanken parallel niederschreiben und füge sie am Abend zusammen."

Markart ist freischaffender Autor, das ist ihm wichtig. Nicht dass andere Autoren, die einem Brotjob nachgehen, keine guten Bücher machen könnten, aber Markart wollte nie etwas anderes als Autor sein, und das ist gut so, immerhin gilt es auch das ganze Universum des Autors zu bespielen. Hinter seinem Haus in Stainz lauert ein Juwel, sein selbst angelegter mediterraner Garten. „Um den hochzufahren, brauche ich im Frühling sechs Wochen und auch sonst gibt's im Garten eigentlich immer etwas zu tun." Von Zucchini, südamerikanischen Kürbissen und Chilis bis hin zu Ochsenherztomaten und Rosmarinbäumchen wächst in seinem Garten alles. Dazu kommen noch zwei andere wichtige Elemente: Zum einen ist Markart überzeugter GAK-Fan, der nach Möglichkeit kein einziges Heimspiel auslässt und auch bei Auswärtsspielen ein gerne gesehener Gast ist, zum anderen versucht er auch, wenn sich die Möglichkeiten ergeben, Studienreisen nach Italien zu unternehmen. Markart kann ausgezeichnet italienisch und versucht auch gelegentlich „unten" zu sein. Man kann dazu durchaus Studienreisen sagen, was uns zu seinem letzten Roman „Calcata" führt: Calcata ist die Geschichte einer Reise. Der Ich-Erzähler findet im idyllischen Städtchen Calcata ein Heft eines gewissen Emilio Persichetti mit tagebuchähnlichen Einträgen und beschließt, sich auf Persichettis Spuren zu begeben. Es geht nach Pezzanera, Cente, Colutto, Pallarossa, nach Farin - und schließlich nach Venezia. Markart erzählt hier in seinem ganz eigenen Sprachrhythmus von der Kleinheit und Langsamkeit, von der Zerbrechlichkeit und von der Leidenschaft verschiedener Kulturen, von der Musik, von Kommen und Gehen, kulinarischen Traditionen, Gerüchen, legt in das Werk aber auch starke soziale Ansprüche. Also kein Schönschreiben von Traditionen, sondern Literatur pur. Hier läuft Markart zu einer ganz großen Form auf, die landauf landab einzigartig ist.

Zurzeit arbeitet Markart an zwei Hörspielen und zwei Prosaarbeiten gleichzeitig. Ein Hörspiel interessiert ihn besonders: In „Wir teilen uns diesen Körper und mir gehört die Nacht" geht es um siamesische Zwillinge. Diesen Text hätte eigentlich Ulrich Wildgruber lesen sollen, mit dem der Autor schon zusammengearbeitet hat. Doch Wildgruber starb, bevor das Projekt verwirklicht werden konnte. Das war 1999. „Der Text hat bis heute auf Eis gelegt werden müssen, weil ich Wildgrubers Stimme nicht mehr aus dem Kopf brachte. Jetzt funktioniert das aber, und der Text erfährt nun eine radikale Änderung." Aber noch ist Markart noch lange nicht am Ziel: „Das perfekte Fußballspiel habe ich bis heute nicht gesehen, und den perfekten Text bis heute nicht geschrieben." Aber das wird einmal eintreffen, so viel ist klar. Vielleicht nicht das perfekte Spiel, dafür der perfekte Text.

Veröffentlichungen (zuletzt)
• Magritte, Erzählungen, Edition Keiper 2012
• Die Kürbismaus, Kinderbuch, Edition Kürbis 2009
• Calcata, Roman, Braumüller Verlag 2009
• Dillingers Fluchtplan, Hörspiel, Ö1, 2009
• Dillingers Fluchtplan, Erzählung, Edition Kürbis 2008

Homepage von Mike Markart: Externe Verknüpfung www.markart.net

Martin G. Wanko, Mai 2012

 

Mike Markart © privat
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