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Fußball ist sein Mittelname

Martin G. Wanko ist besesessen von Literatur – und vom GAK.

Das geheimnisvolle G. zwischen seinem Vor- und seinem Nachnamen bedeutet schlicht und einfach GAK. Ich hoffe, ich habe nicht zu viel verraten. Allerdings könnte ich auch einer Lüge, einem Gerücht aufgesessen sein. Ich weiß ja gar nicht mehr, von wem ich diese Information habe, darüber hinaus bin ich alt genug, um mir im Klaren zu sein, dass man den Menschen einfach nicht trauen soll. Und gerade in Graz stimmt bekanntlich die Hälfte von dem nicht, was die Leute so reden.

Martin G. Wanko ist einer, der besessen ist von der Literatur. Meinem Empfinden nach mehr als alle anderen Grazer Literaten. Im positivsten Sinne. Denn Wanko gibt alles für die Literatur. Ist leidenschaftlich und geht zielstrebig seinen Weg. „Schon ein Volkschulaufsatz war mir wichtig", erklärt Wanko seine frühe Liebe zum Schreiben.

Er ist einer, der sich nicht verkriecht, um im Verborgenen Textarbeit zu leisten, sondern er ist anwesend in der literarischen Landschaft, er ist ein bunter Hund. Er kümmert sich nicht groß um Verkleidungen, dennoch wirkt er, wo immer man ihm begegnet, sei es bei einem öffentlichen Auftritt oder einem privaten Treffen im Café, wie ein der Welt entgegengestelltes Bild.

Was für den Besucher oft überraschend, unterhaltsam, wohltuend ist, kann einem Veranstalter schon einmal den Schlaf rauben: seine Unberechenbarkeit.

Während ich an mir bemerke, sehr oft über mich und die von mir wahrgenommene Welt zu schreiben, erfindet Martin G. Wanko Figuren, die ganz anders sind als er selbst. Er betritt einen unbekannten Menschen, lotet ihn aus, erkennt ihn und erweckt ihn zum Leben. Damit erklärt sich auch, dass er 2003 einen Theatermonolog über Ivica Osim, den damaligen Trainer des schwarzweißen Fußball-Stadtrivalen, dessen Namen hier festzuhalten mir unmöglich ist, geschrieben hat. „Trainer, König, General. Ein Monolog." Soweit kann Wanko also gehen: Weit über Grenzen und das Erträgliche hinaus. Ohne Rücksicht auf sich und andere. Denn dass er mit diesem Stück das „unmögliche Land" betreten hat, weiß jeder Rote ..., aber Wanko ist schmerzresistent. Und sein Publikum übt diese Fähigkeit. Bei jedem Stück, mit jedem Buch. Denn sowohl in den Stücken als auch in den Büchern kann der Autor ganz schön gemein werden.

Fußball und das eigentliche Leben sind eins, das ist bekannt. Darum ist es keine große Überraschung, dass dem Fußball in Wankos Texten viel Platz eingeräumt wird. So findet der Autor im Theatertext „Dritte Liga", welcher 2011 uraufgeführt wurde, das Feinsinnige im Derben. Wobei das Feinsinnige an sich nicht Wankos größtes Anliegen ist. Aber den Text „Dritte Liga" hat Wanko am eigenen Leib erfahren, als der GAK, „weil andere es so wollten", von der Bundesliga in die Regionalliga gewandert ist. Da geht es ans Eingemachte. Da gelingen ihm großartige Momente. In der Trauer liegt halt mehr Ästhetik als im Glück. Spätestens hier wird das klar.

Wankos bislang letztes Stück, „Der Tag an dem der Euro starb", erlebte seine Uraufführung im April 2012. Eine irrwitzige Komödie, die im Tragischen wurzelt. Ein kurzer Knaller. Sprachlich präzise und frech.

Vom 1970 in Graz geborenen Autor, der zwischen seiner Heimatstadt und Bregenz pendelt, sind mittlerweile 16 Stücke uraufgeführt worden. Darunter so griffige Titel wie „Who killed Arnie" (2000) und „Der Schleim" (2001), sowie die sechsteilige Familienkomödie „Familie Penner" (2008 - 2011). In der edition kürbis erschienen „Ken, a crime story" (2002) und „Seelendschungel. Ein Erich-Glamser-Roman" (2006), in der edition keiper der Pepi Hickersberger Monolog „Die Wüste lebt" (2008), der 2. Erich-Glamser-Roman „Bregenzer Blutspiele" (2008) und der Roman „Himmel, ist das alles schön" (2012, gemeinsam mit Christoph Huemer).

Neben der Vielzahl von Veröffentlichungen leistet Wanko aber auch einiges an Arbeit, die seinen AutorenkollegINNen zugute kommt. Seit 2001 ist er Regionaldelegierter der Grazer AutorINNenversammlung. Er konzipierte für die GAV gemeinsam mit Willi Hengstler und Günter Eichberger eine Lesereihe, welche sich Grazer Orten, Plätzen intensiv literarisch annimmt. Selten stoßen Literaturveranstaltungen in Graz auf so reges Interesse wie gerade die Lesungen auf dem Grazer Schlossberg, nachts im Burggarten, auf dem Kaiser-Josef-Markt oder der Lesesparziergang durch verschiedene Bankfilialen der Innenstadt.

Wanko im Internet: Externe Verknüpfung http://m-wanko.blogspot.com



Mike Markart, Mai 2012

Martin G. Wanko © Dietmar Wanko
Martin G. Wanko
© Dietmar Wanko