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Die humane Soundmaschine

Sein Name steht in der Beatbox-Szene für „fette Beats“ und für ein extrem breites Repertoire: Ivory Parker

Wehe, wenn es losgelassen: Ivory Parkers Mundwerk. Es boxt, bebt, vibriert. Es wummert, groovt, tanzt. Es rast, hüpft, rapt - es beatboxt. Sein Vokaltrakt imitiert Drumcomputerbeats, Scratchingmethoden oder andere Instrumente, technisch unterstützt nur durch ein Mikro.

Ivory Parker aka neXor ist einer der besten Beatboxer Österreichs, er holte sich schon viermal den Staatsmeistertitel (einmal solo, dreimal im Team) und landete 2009 auf dem dritten Platz bei der Weltmeisterschaft in Berlin. Seine Stimmlippen sind Stimmungslippen, das hat der 25-Jährige unter anderem bei gemeinsamen Auftritten mit Jay Z, Culcha Candela, Gentleman oder Jan Delay bewiesen.

„Wenn man es drauf anlegt, kann man alles beatboxen. Es lässt sich nur nicht jeder Song covern", sagt Parker. Er selber sieht sich als Musiker, als beatboxender Musiker. Ein Schlagzeug könne er „eins zu eins übersetzen". Woran er allerdings scheitere, sei ein Klavier: „Da komme ich nicht hinauf."

Eigentlich war Ivory Parker, der in New York geboren und mit fünf nach Saalfelden in Salzburg zog, wo er auch aufgewachsen ist, auf dem besten Weg Profifußballer zu werden, er spielte lange bei Austria Salzburg. Aber: Das Leben kam ihm, dem Teenager, dazwischen: Fortgehen, Freundinnen, die Musik. Er absolvierte eine Lehre als Maler, hat da und dort gejobbt. Bis er vor neun Jahren das erste Mal eine mp3 mit einem Beatbox-File hörte - schnell war klar: Das musste er lernen. Er begann, Songs zu imitieren, zu experimentieren und zu üben. In drei Monaten hat er sich erste Grundtechniken angeeignet, nach einem Jahr gab er sein erstes Konzert bei einer Gartenparty. Das ist nun neun Jahre her.

Heute beatboxt der Wahlgrazer in der Weltklasse mit. Sein Name steht für „fette Beats" und für ein extrem breites Repertoire: Neben Auftritten bei Battles als Solokünstler oder in der Gruppe, war oder ist er Teil der Bandprojekte „Paraminds", „Massive Beats Crew" und performt öfter mit „Millions of Dreads". Er sorgt bei Theateraufführungen wie zuletzt bei der t'eig theater-Produktion „Eskalation ordinär" für den Sound oder war schon im Abspann von Filmen als Soundeffektkünstler zu lesen. „Am Anfang kopiert man Songs nur, aber irgendwann entwickelt sich dann ein eigener Stil und man eignet sich einen Song zu seinem Song an." Er fühlt sich im Dubstep, Drum'n'Bass, Hip-Hop und Reggae daheim, performte aber auch schon Pop, Jazz, experimentelle oder Volksmusik. Und daneben belebt er das Klubleben als DJ mit dem Mix aus Auflegen und Beatboxen. So selbstverständlich er zwischen den Musikgenres switcht, so unkompliziert mixt er auch Englisch, sanftes Salzburgerisch und bodenständiges Steirisch miteinander.

Den Malerpinsel hat er längst gegen sein Leben als humane Soundmaschine getauscht. Er hat begonnen, Musik zu produzieren, ist als DJ und Beatboxer gut gebucht. „Es kommt selten vor, dass ich eine ganze Woche durchgehend in Graz bin", sagt er. Ausnahme: Rund um den 23. und 26. Juli 2012. Dort organisiert er zum dritten Mal den „Emperor of Mic", eine internationalen Beatbox-Battle im K.O.-System im Dom im Berg. Dann sind internationale Mundwerker in der Stadt und zeigen, wie weit man es in diesem Genre bringen kann. „In anderen Ländern hat Beatboxing ein viel besseres Standing. Joel Turner hat in Australien mit seinem Album schon Platin geholt."

Julia Schafferhofe, Mai 2012

 

Ivory Parker © Ginkotreemusic
Ivory Parker
© Ginkotreemusic