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Teil eines Systems, das Sinn ergibt

Wenn sich der Mensch dem Zauber der Absichtslosigkeit hingibt, befreit er sich aus der Verstandesebene. Dann öffnet sich ein Weg ins Unbewusste und heraus kommt, was herauskommen muss. Im besten Falle ist das Kunst, und wir befinden uns bei ILA. Übrigens, ILA steht für „I Love All."

Auf der Reise in die totale Vertiefung befindet sich ILA seit seinem 40. Geburtstag, den er auf Hawaii verbrachte, wo er mit dem dortigen Denkmodell „Huna" in Berührung kam. „Unser Denken ist durch die Vorstellung geprägt, dass der Mensch den physikalischen Gesetzen ausgeliefert ist, das beruht ja auf der Newton‘schen Logik. Ich glaube aber, dass Gedanken eine beobachtbare Wirklichkeit erzeugen." Der Entwurfsprozess eines Kunstwerks läuft also über die Verbindung mit den tieferliegenden Elementen ab, die außerhalb der rationalen Verstandesebene existieren. „Später in der bewussten Reflexion wundere ich mich, wie gefügt und funktionierend die Arbeiten auch in der Verstandeswelt sind". Das kommt nicht aus der Eso-Richtung, denn der Künstler ist Techniker mit abgeschlossenem Geologiestudium, der sich auch in den Fächern Philosophie und Physik umgeschaut hat. Quantenlogisch sitzt der Gedanke jedenfalls perfekt.

Bis dorthin war es aber ein weiter Weg. Entscheidungen mussten getroffen werden. Die Frage ist: Was ist Leben? „Es ist ein Versuch, das Leben nicht mit dem Verstand zu steuern, sondern mit möglichst wenig Widerstand die Entwicklungen zu betrachten." Das ist nicht unbedingt eine Kernkompetenz unserer „Allmachtskultur". Um so weit zu kommen, musste ILA zuerst Tabula rasa machen, alles wegschwemmen, was so beiläufig das künstlerische Leben ausmacht: „Es interessiert mich nicht mehr so sehr, meine eigene Spur zu gestalten, mein Fokus ist dahin gerichtet, dass Arbeiten entstehen."

Schritte in diese Richtung waren und sind seine „Earthplugs": schneeballgroße Schatullen, die er manchmal auch dem öffentlichen Raum einverleibt. Ein Beispiel: Einen Earthplug setzte ILA an einem Pfeiler im Hauptschiff der Kirche von St. Andrä ein. Die Gebeine einer Maus sind in eine Schmuckdose mit Glasdeckel eingelegt, versehen mit einem Bild der noch pelzigen Maus sowie dem Text: „Ich bin Teil eines umfassenden Systems, welches Sinn ergibt." Zum Verständnis: Unter der Kirche liegen die Gebeine vieler Menschen. Weitere Earthplugs befinden sich im Warschauer Ghetto, auf der Schlossbergstiege ... Öffentlicher Raum? Bewilligungen? - Nein. ILA bohrt, hämmert und plugt. Der Raum hat sich dagegen noch nicht gewehrt, im Gegenteil, er fühlt sich erweitert.

ILA geht es um die Wiederentdeckung einer Zeit, bevor der Mensch materialistisch wurde, und für das räumt er seinen Kopf frei. „Die inneren Prozesse sind ja unentwegt am Arbeiten, das ist eine Angelegenheit, die mit mir passiert. Ich fühle dann, dass diese Vorgänge abgeschlossen sind, und stell mir eine Leinwand hin." Nur so nebenbei: Das funktioniert mittlerweile ohne Alkohol oder Drogen. High, rein durch den Zustand, in dem man sich befindet, was zugleich wieder eine gigantische Klarheit in sich birgt. Zu sein ist, sich im Lebensfluss treiben zu lassen, unbewusst, glasklar, in sich selbst beheimatet.

Auf diesem Weg in das magische Ich wurde ILA mit seinen „Sliders" konfrontiert. Wesen einer fremden Dimension, kann man sagen. „45 Stück habe ich schon gemalt. Die sind irgendwie höchst intuitiv und unbewusst." Schaut man in die Augen der Wesen, erzählen sie einem etwas aus der Welt hinter unseren Gedanken, denn dort, wo unser rationales Denken aufhört, fängt die Welt der „Sliders" an. Die Augen weit offen, die magische blaue Iris, die großen Pupillen, die weiche Verbindung zwischen Mund, Nase, Augen und Augenbrauen. Schaut man sie lange genug an, kann man mit ihnen Kontakt aufnehmen. Die „Sliders" sind von weit her, sie sind durch ILA hindurchgegangen und bleiben jetzt bei uns. ILA, der Transformator sozusagen. Mal schauen, ob wir bereit sind, von ihnen zu lernen. Zumindest sollten wir ihnen zuhören.

Martin G. Wanko

Vita: ILA geboren 1969 in Leoben, ab 1988 Studien der Geologie, Philosophie, Physik in Graz, 1996 Diplomabschluss des Studiums Technische Geologie an der TU Graz. Danach und bis heute freischaffender Künstler.

Ausstellungen (Auswahl): 2011: Galerie 12 c, Schnifis, Vorarlberg, Artist in Residence. „New Friends and old Friends", Galerie Eugen Lendl. Graz 2009: „in God we trust" Rotor, Graz „US" slowenisch-österreichische Grenze über der Mur. „US" Parkhaus, Graz. „The world is what you think it is, Big Island, Hawaii 2008: „prophets and smugglers", < rotor>, „project(or)Art Fair", Rotterdam, Niederlande. „pepsi", Österreichisches Kulturform Warschau.

Mehr unter: Externe Verknüpfung http://www.ila.at/

ILA mit seinen Sliders – I can see for miles.  © Martin G. Wanko
ILA mit seinen Sliders – I can see for miles.
© Martin G. Wanko