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Mehr als ins Narrenkastl schauen

Die Kunstprojekte von Ulli Gollesch machen Nichtwahrgenommenes sichtbar.

„Zuerst hatte ich alles und dann plötzlich nichts". So formuliert die 1983 geborene Frohnleitnerin Ulli Gollesch ihren künstlerischen Zustand nach dem Abschluss ihres Studiums in Salzburg. Während ihrer Studienzeit - sie studierte Graphik und Neue Medien an der Universität Mozarteum - standen ihr atelierähnliche Werkstätten mit aller denkbaren Infrastruktur zur Verfügung. Jetzt in Frohnleiten möchte sie nach ihrer Umstellungsphase vom Studium auf den Beruf - sie unterrichtet seit Herbst 2011 am BG/BRG Leibnitz - eine Druckwerkstätte eröffnen, wo sie wieder verstärkt ihren künstlerischen Tätigkeiten nachgehen will. „Im Moment bin ich zu stark eingebunden im Alltagstrott meines Lehrberufes. Die Kunst ist im Moment nur ein Nebenbei, aber das ist auch OK so."

Doch in diesem Nebenbei hat die junge aufgeweckte Frau in Frohnleiten ein „Narrenkastl" installiert. Das ist ein Schaufenster mitten im Marktzentrum mit einer Größe von 140 mal 120 Zentimeter und einer Tiefe von 50 Zentimeter. Seit Mai 2011 wird dieses Kastl jedes Monat von einer anderen Künstlerin oder einem anderen Künstler bespielt. Bekannte, durch eine Ausschreibung gewonnene oder persönlich angefragte Kulturschaffende füllen dieses Narrenkastl. Davor stehen zwei Sesseln mit Pölster, um ins „Narrenkastl schauen" so richtig zu ermöglichen. Das Schaufenster ist rund um die Uhr beleuchtet und befindet sich im Haus Hauptplatz 24. Das Projekt hat die junge Künstlerin von der Halleiner Galerie „1blick" übernommen. „Ich will damit viele junge Leute oder Kunstschaffende nach Frohnleiten holen, um meinem Heimatort zu zeigen, was die drauf haben", freut sich Ulli Gollesch, die mit ihrem Kunst Off-Space mit junger nicht etablierter Kunst zu einem anderen Denken anregen will.

Für ihr eigenes künstlerisches Tun sind ihr zwei Dinge wichtig. Ihre Arbeiten will sie niemals auf nur ein Medium beschränken und inhaltlich dreht sich alles um Beobachtung und Transformation. Einerseits sind es die Veränderungen von elementaren Zuständen oder von Objekten, andererseits die ständige Entwicklung, die sie an ihrer eigenen Persönlichkeit beobachtet. Damit die Kunst aber noch mehr Tiefgang bekommt, werden die Arbeiten in Ebenen und Schichten angelegt: Ein Video aus mehreren Teilen zu einem Gesamtbild komponiert, oder Farbdrucke angefertigt.

Während ihrer Studienzeit in Salzburg war Ulli Gollesch sehr umtriebig: Besuche bei Sommerakademien, Workshops, zudem wurde keine Vernissage ausgelassen und somit zahlreiche Kontakte zur dortigen Kunst- und Kulturszene geknüpft. Langsam streckt sie nun auch ihre Kontaktfühler in Graz und der Steiermark aus. Während der Salzburg-Zeit hat sie auch an zahlreichen unterschiedlichen Projekten entweder allein oder in einem Kollektiv, die Transformer oder 0813, teilgenommen. Das erste Transformer-Kunstprojekt 2005 fand in einem alten Luftschutzbunker, dem Nonnbergstollen, statt. Dort wurde die Transformation von Alltäglichen oder von in Vergessenheit Geratenem in den Mittelpunkt gesetzt. Historische volksnahe Begebenheiten wurden in die heutige Zeit transformiert. „Das Nichtwahrgenommene wurde sichtbar gemacht." Dieser Satz prägt die künstlerische Auseinandersetzung von Ulli Gollesch - genauso wie ihr Erasmusjahr in Venedig. „Das war ein wichtiger Einschnitt in meinem Leben". In ihrem Projekt „Acqua Alta" hat sie Fotografien und Filmaufnahmen, die beim Durchwaten des Fischmarktes entstanden sind, als Grundlage für eine Rauminstallation genommen, die der Gesamtsituation des unter Wasser stehenden Marktes mit seinen räumlichen Besonderheiten nachspürt. Das Ganze war auch in Salzburg zu sehen. Jetzt ist Ulli Gollesch in der Steiermark angekommen und will hier mehr als „Narrenkastl schauen".

Petra Sieder-Grabner, Jänner 2012


transparenza liquida © Ulli Gollesch
transparenza liquida
© Ulli Gollesch
trannsparenza liquida2 © Ulli Gollesch
trannsparenza liquida2
© Ulli Gollesch
Ulli Gollesch – Transformationen, Schichten und Narrenkastl schauen © Ulli Gollesch
Ulli Gollesch – Transformationen, Schichten und Narrenkastl schauen
© Ulli Gollesch
Ulli Gollesch – Schaufenster © Ulli Gollesch
Ulli Gollesch – Schaufenster
© Ulli Gollesch
Ulli Gollesch – Transformationen, Schichten und Narrenkastl schauen © Ulli Gollesch
Ulli Gollesch – Transformationen, Schichten und Narrenkastl schauen
© Ulli Gollesch
Ulli Gollesch  © Ulli Gollesch
Ulli Gollesch
© Ulli Gollesch
Ulli Gollesch – Transformationen, Schichten und Narrenkastl schauen © Ulli Gollesch
Ulli Gollesch – Transformationen, Schichten und Narrenkastl schauen
© Ulli Gollesch
Ulli Gollesch – Transformationen, Schichten und Narrenkastl schauen © Ulli Gollesch
Ulli Gollesch – Transformationen, Schichten und Narrenkastl schauen
© Ulli Gollesch
schattencollage © Ulli Gollesch
schattencollage
© Ulli Gollesch
stil 3 © Ulli Gollesch
stil 3
© Ulli Gollesch
stil 4 © Ulli Gollesch
stil 4
© Ulli Gollesch
tango ombroso  © Ulli Gollesch
tango ombroso
© Ulli Gollesch