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„Wenn morgen jemand von EMI kommt“

G.U.L.I.S. machen mit zwei Gitarren lautstarken Folk-Rock und haben gehörig Spaß dabei. Auch ohne Plattenvertrag.

Zakk E. Rust stammt aus der Obersteiermark, genauer gesagt aus Bruck an der Mur, wo er seine ersten musikalischen Erfahrungen sammelte. Er studierte Psychologie in Graz und landete letztlich von Berufs wegen in der Werbung. Im Rahmen einer Benefiz-Veranstaltung für den Verein ZEBRA lernte er Wolfgang Gulis kennen, den Gründer dieser Organisation, die sich seit vielen Jahren für MigrantInnen in Graz einsetzt.

Zusammen sind Gulis und Rust G.U.L.I.S., ein Duo mit Akustik- und E-Gitarre, das seine Musik als „experimental folk" bezeichnet. „Eine gediegene Mischung aus Bob Dylan und Napalm Death", scherzt Zakk E. Rust und ergänzt: „Dafür, dass wir nur mit zwei Instrumenten spielen, sind wir manchmal ganz schön laut."

Nach wenigen Wochen im Proberaum stand bereits das erste Konzert auf dem Programm, und zwar in St. Stefan ob Stainz mit genau sechs Songs. Ein gutes Jahr später verfügen die beiden über ein beträchtliches Repertoire von Liedern, alle aus der Feder von Wolfgang Gulis, die meisten in Englisch geschrieben. „Diese Sprache eignet sich für manche Situationen und Beschreibungen besser. Langsam mischen sich aber auch deutschsprachige Songs ins Programm", sagt Gulis und fährt fort: „Unterschwellig sind in den Texten politische Themen enthalten, das lässt sich bei meiner Biographie gar nicht verhindern. Das ist aber verwoben mit persönlichen Erfahrungen, mit Rückblicken." Mit den Bands „Spuk" und „My wicked wicked ways" teilt sich G.U.L.I.S. nicht nur den Gitarristen Zakk E. Rust, sondern auch den Proberaum. Das hat den Vorteil, dass die Arbeit im Studio einen regelmäßigen Charakter bekommt und auch die soziale Komponente der Musik gelebt wird.

„Wir sind keine musikalischen Profis, uns passiert der eine oder andere Fehler. Dazu kommt die Mischung aus E-Gitarre, akustischer Gitarre und den zwei Stimmen. Das klingt für manche Ohren anfangs eher ungewöhnlich. Ich denke, dass wir uns seit unseren Anfängen deutlich gesteigert haben und dass das Publikum das auch wahrnimmt. Nach einem Konzert hat uns jemand gesagt, er hätte sich nicht gedacht, dass das so druckvoll klingen kann", bilanziert Rust nach etwas mehr als einem Jahr des Bandlebens. „Wenn morgen jemand von EMI kommt mit einem großen Plattenvertrag, würde ich nein sagen. Das ist nicht unser Thema. Es macht uns Spaß, so wie es ist. Es ist ein Traum, Musik machen zu können, dazu braucht es dieses vorgeschaltete wirtschaftliche Element nicht."

Die erste EP „The Sonic Logging" mit vier Songs wurde folglich im Frühjahr 2011 im Eigenverlag veröffentlicht. Nun stehen Konzerte in Wien bevor, die den geografischen Radius der Band entscheidend vergrößern. Ein weiterer Schwerpunkt der nächsten Zeit soll die Zusammenarbeit mit KünstlerInnen aus dem Bereich Experimentalfilm werden. Das erste Video in Kooperation mit Johanna Hierzegger vom Theater im Bahnhof ist fertig gestellt, weitere sollen folgen. Gefragt, ob es Lieblingsregisseure gäbe, deren Filme man gerne mit einem Soundtrack versehen würde, einigen sich beide auf ältere Streifen von Stanley Kubrick, Jim Jarmusch und auch auf eine heimische Produktion. „'Blue moon' von Andrea Dusl mit Josef Hader neu zu bearbeiten, würde ich interessant finden", sagt Wolfgang Gulis. „Nämlich nicht mit folkloristischer Musik, sondern mit unseren Sounds." Die Set-Lists für ihre Auftritte folgen interessanterweise zunehmend einem Konzept, das einem filmischen Bogen ähnelt. So gesehen ist der erste Konzertfilm der beiden Gitarristen wohl nur eine Frage der Zeit. Was noch ansteht: Ein Lied über Fußball. Denn außer der Musik verbindet das Duo auch die Begeisterung für die Schwarzweißen aus Graz.

Externe Verknüpfung http://de-de.facebook.com/gulistheband

Wolfgang Kühnelt, Oktober 2011

GULIS © Christoph Steinbauer
GULIS
© Christoph Steinbauer