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Die Moll-Maschine

Als Autor firmiert Wolfgang Pollanz unter eigenem Namen, für seine Musikprojekte wählt er Pseudonyme. Jüngster Streich des Literaten, Herausgebers und Produzenten zwischen Wort und Ton: die CD „Before Memory’s Gone“ von „Les Machines Molles“.

Wolfgang Pollanz gehört zu den produktiveren Autoren der Steiermark: Im Frühjahr 2011 erschien sein deutsch-slowenischer Gedichtband „Von Reisen / O potovanjih Pesmi" in der Grazer Edition Keiper, 2012 wird im selben Verlag der Roman „Felden" erscheinen. Außerdem hat Pollanz, Jahrgang 1954, eine Fortsetzung seiner semibiographischen Erzählungen in Arbeit, die er unter den Titeln „Die Autos meines Vaters" und „Das Seufzen meiner Mutter" 2003 bzw. 2007 im Kärntner Kitab-Verlag vorlegte. Teil 3 der Reihe wird den Titel „Die Undankbarkeit der Kinder" tragen.

Pollanz lebt in Wies, wo er an der Hauptschule unterrichtet. Die kleine südweststeirische Gemeinde ist auch die Heimat des Kulturvereins Kürbis, wo der Literat, der 1977 die Zeitschrift „Sterz" mitbegründet hat, für den Buchverlag Edition Kürbis und das Musiklabel Pumpkin Records verantwortlich zeichnet. Darüber hinaus bringt Pollanz alle paar Jahre unter verschiedenen Projektnamen CDs mit eigenen Songs unter die Leute. Unter T. M. Download, Ultrascope oder Electric Mermaids firmierte er bisher. Im Sommer 2011 erschien die CD „Before Memory's Gone", für die sich Pollanz das Pseudonym „Les Machines Molles" zulegte. Die zehn Titel - neun davon aus eigener Feder - sind eine kleine Reise durch die Popgeschichte vom Singer-Songwriter-Auftritt bis hin zum hundertprozentig gesampelten Elektropop der Nullerjahre. „Die Songs entstehen an der Gitarre, aber das ist nur das Grundgerüst", erzählt Pollanz. „Ich arbeite dann mit verschiedenen Programmen am Computer und übertrage Sounds, Samples und Klangstrukturen auf die einzelnen Stücke." Nachsatz: „Für einen richtigen Musiker ist das sicher ein Gräuel, deshalb sehe ich mich auch nicht als Musiker, sondern als Produzent, der sozusagen Soundcollagen anfertigt."

Im Fall von „Les Machines Molles" gingen die Soundfiles nach ihrer Fertigstellung an verschiedene Sängerinnen und Sänger, die den Liedern die Stimme liehen. Beim elegischen Opener „You know" hört man das brüchige Organ von Georg Altziebler („Son of the Velvet Rat"), beim rockigen „Dumb Old Bird" lassen Stimme und Mundharmonika von Matthias Forenbacher an Mr. Springsteen denken; „Austrofred" Franz Adrian Wenzel ist die personifizierte Psychose im Song „21st Century Schizoid Man", einer Cover-Version eines King Crimson-Songs; Rebecca Hofer klingt trip-hopig klar und melancholisch beim „September Song" und Gerhard Handl klingt nach Red Hot Chili Pepper auf „I heard an Angel singing", einer Vertonung eines Gedichtes von William Blake. Wer wissen will, wie sich Pollanz‘ Stimme anhört, kann dies bei den Tracks „Heaven for Old Birds" und „That is life" tun. Letzterem liegt ein Text der Literatin Andrea Sailer zugrunde.

„Die Popmusik der letzten 15 Jahre ist geprägt von ‚klingt wie'-Mustern", sagt Wolfgang Pollanz, den es stört, wenn man seine Songs mit anderen vergleicht, denn: „Es gibt bei meinen Stücken natürlich Referenzen, aber die sind oft auf einer ganz anderen Ebene als der musikalisch-eklektischen angesiedelt." - Das beginnt bei der aktuellen CD beim Namen, der auf den legendären Musiker Robert Wyatt und dessen Progrock-Band Soft Machine (auf Französisch: „Le Machine Molle") verweist, und zieht sich bis hinein in die Ebene der Samples, die Pollanz verwendet, und fallweise auch der Texte bzw. Textstücke. A propos: Warum textet ein Literat für seine Songs auf Englisch? - „Weil ich bei deutschen Texten derart kritisch bin, dass ich mich bei meinen Songs lieber aufs Englische verlege."

Die Ähnlichkeit zwischen seiner musikalischen Produktion und der Textproduktion sieht der Autor und Produzent im Umgang mit dem Material, wo in der Prosa genauso wie beim 5-Minuten-Popsong oftmals einzelne Puzzleteile in akribischer Feinarbeit zu einem Ganzen zusammengesetzt werden. Eine weitere Gemeinsamkeit seines literarischen und musikalischen Oeuvres lässt sich in einem gewissen abgeklärten Gestus erkennen. Während aus seinen Texten immer wieder leise Ironie spricht, ist es in Pollanz‘ aktuellen Songs die Tonart Moll, aus der melancholische Distanz anklingt.

Dass er mit seiner CD in Hitparadensphären vordringen wird, erwartet sich Pollanz nicht. Es freut ihn aber, dass Songs von „Les Machines Molles" auf FM4 gespielt werden. „Die CD vereint Stücke, die in den letzten Jahren entstanden sind, und die ich hier in einer Form aufgenommen habe, wie es meinem aktuellen produktionstechnischen State of the Art entspricht", sagt Pollanz. „Insofern ist für mich mit ‚Les Machines Molles‘ ein Wunsch in Erfüllung gegangen."

Weitere Infos: Externe Verknüpfung www.pollanz.com

Werner Schandor, September 2011

Wolfgang Pollanz © Gert Kragol
Wolfgang Pollanz
© Gert Kragol