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Eine Art Transformation

Die Tänzerin Valentina Moar verbindet Geste und Emotion in der Präzision der Bewegung.

Wenn Valentina Moar über Tanz spricht, holt sie weit aus: temperamentvoll und leidenschaftlich einerseits, was mit ihrer Heimat Italien in Verbindung gebracht werden mag; analytisch und exakt, nach Hintergründen und treffender Formulierung suchend, andererseits, was mit ihrem Sprachstudium (Englisch, Französisch, abgeschlossen als Dr. phil.) begründet werden kann. Dass sie eine vielschichtige Persönlichkeit ist, scheint jedenfalls sicher und spiegelt sich auch in ihrer künstlerischen Arbeit wider: in der der Art ihres Herangehens an und ihrer Auseinandersetzung mit einem Thema, und in ihrer Vorliebe, neben eigenständiger Erarbeitung auch interdisziplinär vorzugehen. Beispielsweise mit Paolo Pachini, Komponist und Videokünstler aus Triest, oder mit der international bekannten bildenden Künstlerin Rabarama.

Geboren ist Valentina Moar in Mailand. Sie war 10 Jahre alt, als eine Freundin sie überredete, zum Ballettunterricht mitzukommen. Im zweiten Jahr war es, dass zum Spaß die Begeisterung kam - die bis heute andauert. Ab 1990 trainierte sie Ballett im Theatre Carcano of Milan und am Istituto Addestramento Lavoratori dello Spettacolo (IALS), ab 1994 kam zeitgenössischer Tanz hinzu; Moar absolvierte Meisterklassen in Frankreich und der Schweiz. Ein entscheidender künstlerischer Einschnitt war 2001, als sie für eine Jahresausbildung bei Susanne Linke und Avi Kaiser ausgewählt wurde. Susanne Linke sollte maßgebend für ihre weitere tänzerische Entwicklung und so etwas wie ihre Meisterin werden; so sehr, dass sie heute eine derartige Persönlichkeit manchmal vermisst.

Valentina Moar hatte in Folge Auftritte in der Schweiz, in Italien, Deutschland, Österreich, Indien, Kalifornien und Südafrika. Zu ihren wichtigsten zählt sie jene in Susanne Linkes Choreographie „L'arte di cadere" (2001), die Auftritte während ihres zweijährigen Engagements in der Compagnia ALDES von Roberto Castello und ganz besonders ihr Tanzen in „Délir defait" von Benoît Lachambre bei der Biennale di Venezia 2002.

Eine bedeutende Präsentation anderer Art war ihre Performance 2010 beim Festival of Contemporary Dance of La Biennale di Venezia, wo sie mit ihrem dafür kreierten Solo „No Time To Fly Off" zum Internationalen Solo Dance Theatre Festival in Stuttgart eingeladen wurde; und dort aus den ursprünglich 250 Bewerbungen und 18 Nominierungen ins Finale der besten acht kam.

Ihre künstlerische Vielfalt äußert sich (auch) in ihrem schon immer vorhandenen Interesse und ihrer Liebe zum Theater, zur Schauspielerei. Drei Mal trat sie in diesem Metier auf, und sie kommt auch gerne wieder dorthin zurück, wenn sich die Gelegenheit ergibt.

Vordringlich ist ihre Offenheit freilich in den Sparten des Tanzes, in ihrem fünf Jahre anhaltenden Engagement in Bereichen des Vertical Dance etwa: Für sie eine von zahlreichen Ausdrucksmöglichkeiten, die dem Tänzer ungewöhnliches Bewegungsmaterial sowie ihm und dem Zuschauer neue Perspektiven eröffnet. Oder aber in ihrer Mitarbeit in wissenschaftlich-künstlerischer Forschung. Am Projekt „Embodied Generative Music" des Institutes of Electronic Music and Acoustics IEM in Graz nahm sie zwei Jahre als Performerin und Choreographin teil, zeigte zwei Mal, 2008 und 2009, in „Bodyscapes" im IEM CUBE und im MUMUTH die Ergebnisse. Seither lebt sie in Graz.

Die Basis, der Ausgangspunkt für ihre Choreographien, für ihre tänzerische Darstellung ist immer (ihr) reales Leben. Die erste Annäherung an etwas Neues erfolgt einerseits schriftlich in Form von eigenen Prosatexten und -Fragmenten und Gedichten sowie von Bildern und durch bewusst wahrgenommene Objekte des Alltags.

Wesentlich ist für Valentina Moar, die Verbindung zwischen Geste und Emotion in der Präzision von Bewegung zu finden; diese als „social work" dem Publikum zu vermitteln, damit für dieses „a kind of transformation" stattfinde - wo und wie auch immer.
 

Eveline Koberg, Juli 2011

"performance 8_05_2011"  © Simone Dida Dondio
"performance 8_05_2011"
© Simone Dida Dondio
Vernissage Rabarama © Chiara Benedetti
Vernissage Rabarama
© Chiara Benedetti
Vernissage Rabarama © Chiara Benedetti
Vernissage Rabarama
© Chiara Benedetti