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Menschenrechtler und Künstler

Eugen Hein geht Schritt für Schritt hinein ins Minimalistische und Abstrakte.

Bereits 1979 gewann Eugen Hein den Förderungspreis der Neuen Galerie, aber die ersten Jahre waren ein ewiges Hin und Her, doch ein Mal im Leben muss man sich entscheiden: Der Architekt Eugen Hein legte seine Befugnis als Ziviltechniker zurück, um sich ganz der Kunst widmen zu können. Prompt erhielt er den Zuschlag, den multikonfessionellen Andachtsraum sowie die Außenmauer für das im 2003 neu erbauten Leobner Gefängnis zu gestalten.

Nähert man sich der Außenmauer des Leobner Gefängnisses, ist ein nüchternes Schriftbild zu erkennen. „Da habe ich auf über 68 Meter den Artikel 1 der Menschenrechte mit einem Sandstrahler in die Mauern hineinschreiben lassen." Aber nicht für die Häftlinge sichtbar, sondern das Zitat ist auf der Außenmauer angebracht. Ein Mahnmal auf einer Gefängnismauer für die in Freiheit lebenden Bürger, das gibt's nicht alle Tage. Vor Kurzem wies sogar die renommierte New York Times im Zuge einer Reportage über die Leobner Haftanstalt auf das berühmte Zitat auf der Gefängnismauer hin. Und, ähm, wie ging das noch schnell? Also bitte: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen."

Macht man einen Blick auf die Homepage, erscheint das Leobner Gefängnis leicht und luftig, fast so wie eine moderne Hotelanlage. Aber Eugen Hein ist nicht leicht und luftig, und Kunst hat noch selten etwas mit Hotelgestaltung zu tun gehabt. Also blieb Hein Pragmatiker: „Ein Andachtsraum muss ein Ort der Zurückgezogenheit sein, also habe ich mich bei den Wänden für Sichtbeton entschlossen."

So richtig Aufsehen erregte er jedoch mit der gelebten Multikonfessionalität. Das Steinbecken im Vorraum des Andachtsraums kann sowohl als christliches Weihwasserbecken als auch als Brunnen im Hof einer Moschee gesehen werden. Weder Kreuz noch Halbmond, dafür eine beruhigende Stimmung. Auch im Andachtsraum befinden sich keine eindeutigen Hinweise auf eine bestimmte Religion. Das Tageslicht fällt von oben auf drei in Weiß gehaltene Bilder herab, sie sollen auf den Häftling beruhigend wirken, ausgleichend. Bei näherer Betrachtung der Bilder sieht man eine feine Abstufung der Weißtöne, Weiß ist eben nicht gleich Weiß, wie auch das Schicksalsweg eines jeden Häftlings anders verläuft. Die Wand gegen Osten gerichtet bleibt ohne weißem Bild, sie ist zum Gebet frei.

Das Projekt nahm den Künstler drei Jahre in Anspruch, da er auch oft vor Ort war. Hinzu kam der Umzug von Graz nach Deutschlandsberg und die Geburt von seinen Kindern Piet und Lola. Das kostet natürlich auch Zeit und Energie. Vielleicht Zufall, aber es passt gut: Nicht nur die Kleinen waren zu erziehen, auch Eugen Hein brachte sich das Malen wieder von der Pike auf bei. „Man muss immer wieder tun, als ob man nichts kann, sonst kann man sich nicht neu erfinden", bleibt der Künstler seinem Weg radikal treu. Schritt für Schritt hinein ins Minimalistische und Abstrakte. Abzüglich von Schwarz und Weiß sind ihm nur noch acht Farben geblieben. Bald wird ausgestellt, in Graz oder Klagenfurt. Auf die Reduktion der Farben darf man gespannt sein.

Martin G. Wanko

Eugen Hein
geb. 1956 in Graz lebt und arbeitet in Deutschlandsberg. Technisches Studium an der TU Graz; 1976 Beginn der künstlerischen Arbeit; 1979 Förderungspreis der Gesellschaft der Freunde der Neuen Galerie Graz, vorläufige Beendigung der künstlerischen Arbeit; 1990 Wiederaufnahme der künstlerischen Arbeit; 1994 Annahme der Ziviltechnikerbefugnis; 2001 Rückgabe der Ziviltechnikerbefugnis; 2002 Ausstellungsbeteiligung Graz intern, Forum Stadtpark; auf Einladung von Heidulf Gerngross: Malerei in der Casa Privata, Österreichischer Pavillon, Biennale Venedig; Personale im Ecksaal des Landesmuseums Joanneum, steirischer herbst; 2003 Ausstellungsbeteiligung, LacANDona, Wien.

Eugen Hein © Martin G. Wanko
Eugen Hein
© Martin G. Wanko