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Der Musik-Mischer

Ausnahmegitarrist und Sound-Engineer Thomas Mauerhofer setzt sich auch stilistisch gerne zwischen die Stühle.

Zumindest eines der Videos auf der Website von Thomas Mauerhofer ist wirklich bezeichnen für die Arbeit des vielseitigen Musikers mit der vielsaitigen Gitarre: Es ist die Promotionaufnahme für einen High-End-Mikrofonhersteller, der unter dem Motto „Perception does it all" mit dem perfekten Sound den perfekten Sound bewirbt. Mauerhofer bedient hier nicht nur eine Fender Stratocaster, sondern auch die Mischpultregler. Das, was dann die Lautsprecher verlässt, wird dem Refrain „I can fly" in jeder Hinsicht gerecht, auf fast perfektionistische Weise servieren Mauerhofer, Marina Zettl und Band fein gemischten Groove von heute, konzentriert wie der perfekte Espresso und dabei leicht wie ein Häubchen Milchschaum. Die Gitarre findet schnurgerade ihren Weg zu einem Rocksound, der zugleich die Versiertheit virtuoser Jazzfinger nicht verleugnet. Mauerhofer: „Mein Beruf ist Musiker und ich schreibe auch Musik. Daneben produziere ich Musik und setze sie technisch um. Das überschneidet sich alles."

Und Thomas Mauerhofer ist Kaffeetrinker, das passt auch besser zum durchwegs professionellen Output des Ausnahmetalents als, sagen wir: Bier. Mit seinem 8-saitigen Profiinstrument aus dem Hause Novax ist Mauerhofer nicht nur im Jazz zu finden. Für dieses Genre, das er „ursprünglich merkwürdig und sehr abstrakt fand", wurde er zwar an der Grazer Kunsthochschule ausgebildet, aber die von ihm genannten persönlichen Lehrmeister gelten durchaus nicht alle als Bebop-Fetischisten: Da sind Scott Henderson oder David Gilmore (nicht zu verwechseln mit Herrn Gilmour von Pink Floyd), der Folk-Jazz-Experte Bill Frisell, die international relevanten Österreicher Wolfgang Muthspiel und Karl Ratzer, aber auch Klaus Flenter, Rob van Kreefeld oder Guido Jeszensky. Außerdem hat Thomas Mauerhofer klassische indische Musik studiert (mit Kushal Das, Anupam Shobhakar und Hariprasad Chaurasia) und sich intensiv mit Ethnosounds befasst. „Ich habe mit Georg Gratzer viel Zeit in London verbracht, wo wir uns hauptsächlich mit Free Jazz beschäftigt haben", erzählt Thomas Mauerhofer. Und fügt eine Prise Ironie hinzu: „Daher kann ich Menschen auch schon mal verstehen, die ein gespaltenes Verhältnis zu Jazz haben." Dabei ist eigentlich alles ganz klar: „Manchmal muss man sich einfach fragen, für wen man Musik machen will, ob man verstanden werden will. Wenn man Menschen auf eine Reise mitnehmen kann, kann auch die komplexeste Musik beim Zuhörer ankommen." So erklärt sich auch die stilistische Vielfalt im Mauerhofer'schen Œvre - von fein ziselierten Jazzrock-Kompositionen über unterschiedlichste Ethno-Projekte und Soundtüfteleien bis zum simplen, aber umso schöneren Pop-Chanson. „Musik ist immer Musik und kann nicht so einfach in ,gut' und ,schlecht' klassifiziert werden - eher in ,gefällt mir' oder ,gefällt mir nicht'. Ich bin immer neugierig, was Neues zu lernen und auszuprobieren. Die Dinge integrieren sich dann einfach in mein Spiel, manchmal deutlich, manchmal nur sehr versteckt. Es ist eine Art Schmelztiegel, wenn man so will."

Zur Musik an sich ist Meister Mauerhofer durch seine Eltern gekommen. Der Vater spielte Gitarre und Kirchenorgel, „somit gab's immer viel Musik im Haus". Bald nachdem er entdecken musste, dass Gitarre weit mehr hermacht als Blockflöte, war er bereits in professionellen Cover-Bands beteiligt. Das brachte ihn glücklicherweise auch vom Plan ab, Programmierer zu werden. Den Zug zur Technik lebt Thomas Mauracher heute am Mischpult aus. „Es geht immer darum, das besondere in der Musik zu erkennen und bestmöglich abzubilden. Mein Vorteil hierbei ist, dass ich aufgrund meiner Ausbildung auch zu musikalischen, arrangementspezifischen Fragen und dergleichen beitragen kann." Der Tonmeister ist für Mauerhofer alles andere als ein simpler Brotjob: „Wenn ich nur davon leben wollte, würde der künstlerische Anteil an der Arbeit sehr leiden, ich mache daher nur Dinge, die mich interessieren."
Neben seinen eigenen Projekten - mehreren Aufnahmen mit dem oben genannten Georg Gratzer, den Duos Marina Zettl & Thomas Mauerhofer, Klaus Wienerroither & Thomas Mauerhofer „und in diesem Jahr wahrscheinlich noch einem Album mit Mauerhead" - geht Mauerhofer als Gitarrist und teilweise auch gleich als Sound Engineer mit einigen der zweifellos interessantesten Leute ins Studio, die gerade in und um Österreich und Graz Musik machen: Louie Austen, Monica Reyes, Monk (mit Susanna Sawoff, Georg Hartwig und Philipp Pluhar), „Lofi Boheme" Gregor Schenker oder Helgi Jonsson. Ob sich da die Musiker-Egos auch manchmal ein wenig reiben? „Natürlich ... das macht es aber auch spannend." Und genau so hören sich die Scheiben an.

Externe Verknüpfung www.mauerhofermusic.com

Hermann Götz, Juni 2011

Thomas Mauerhofer © Peter Purgar
Thomas Mauerhofer
© Peter Purgar