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Wenn Geheimnisse behütet werden

Der bildende Künstler Bruno Wildbach als Hüter der Bildmagie.

Bruno Wildbach © Martin G. Wanko
Bruno Wildbach
© Martin G. Wanko

Geheimnisse sind dafür da, um gelüftet zu werden, so die gängige Meinung. „Das ist ein Irrtum", meint der Maler Bruno Wildbach. Verrät man das Geheimnis hinter einem Bild, entschwindet die Magie.

Am Beginn steht jedoch das weiße Blatt Papier, und der Künstler lässt sich von seiner Umgebung inspirieren. „Ich bin ein Schwamm, der alles aufsaugt, was um mich herum passiert", erklärt Bruno Wildbach, „ohne zu wissen, was dabei rauskommt. Man hat eine Spur, die man verfolgt, das sind sogenannte kontrollierte Zufälle." Aber die Kontrolle darf nie die Oberhand gewinnen und die Inspiration auslöschen. „Meine Bilder wachsen wie ein Baum. Da weiß man auch nicht, wie der einmal ausschaut, wenn er groß ist."
So malt und zeichnet er schon seit 20 Jahren erfolgreich - mit Einzelausstellungen, wie 1999 im Jagdmuseum Stainz oder 2006 im Kulturzentrum bei den Minoriten, sowie Gemeinschaftsausstellungen in der jungen Grazer Galerie artepari.

Skulpturen, Farbbilder, Zeichnungen, ein vielseitiges Werk, und trotzdem: Wie ein roter Faden zieht sich hier die Magie des Unerklärlichen hindurch. Aber auch das Unerklärliche hat Methode: „Ich mache aufs Papier schmutzige Flecken, Zeichen oder Linien, was sich gerade ergibt. Ich stelle Unordnung her. Darüber baue ich dann eine Art Ordnung, indem ich Teile der Unordnung sichtbar lasse, andere wieder nicht." So kommt es zum Beispiel zu schablonenartigen Flächen, die dann in das Bild hineingearbeitet werden, die so zierlich wie Espenlaub scheinen. „Aus einer inneren Stimmung drängt sich dann ein Hauptmotiv auf, das stark genug sein muss, um ein Bild entstehen zu lassen." Ab dem Moment hat er sozusagen den Weg zum Gipfel im Kopf. Hier darf man sich aber nicht verleiten lassen, über den Gipfel hinaus zu malen. „Ich muss das Gefühl bekommen, der Betrachter kann verstehen was ich mit dem Bild meine, dann ist es fertig." Aber so einfach ist das natürlich nicht, und das weiß der Maler auch. Jeder Betrachter nimmt seine Bilder subjektiv unterschiedlich wahr, diesen Freiraum gesteht Wildbach dem Betrachter auch gerne zu. „Das geht bei mir bis zu den Titeln der Bilder. ‚Zoom‘, ‚Stop‘ oder ‚South‘ lassen viel Freiraum für den Betrachter." Und so bleibt auch ein kleines Geheimnis bei Wildbach. Wohin schaut der Cowboy auf dem Bild „Rain" beispielsweise? Ist er besorgt, kommt der Regen, oder nicht, oder bringt der Regen sogar etwas Klärendes, etwas Reinigendes mit sich?

Um sich immer wieder aufs Neue inspirieren zu lassen, saugt Wildbach nicht nur seine Umgebung auf, sondern findet in der Literatur oder in den Lyrics der Popmusik Leitmotive für Zeichnungen oder sogar ganze Ausstellungen: „Nick Caves Zitat ,Far from me‘ war zum Beispiel eine Initialzündung für meine gleichnamige Ausstellung bei den Minoriten. Hier habe ich vier großformatige Bilder von Jugendlichen gemalt, von denen ein Elternteil Selbstmord begangen hat. Ich habe mich mit denen getroffen, und war selber überrascht, wie voll die im Leben stehen, sozusagen. Daraus sind dann auch sehr positive Porträts entstanden, was man bei der Grundthematik nicht erwarten hätte können."

Um sich beim Malen von der Literatur inspirieren zu lassen, hat sich Wildbach Hörbücher zugelegt, die er neben seiner Arbeit im Atelier abspielt. Ganz oben auf seiner Liste steht hier „Herz der Finsternis" von Joseph Conrad. „Conrad beschreibt die Dinge, ohne sie beim Namen zu nennen. Die ganze Geschichte spielt ja auf einem Fluss, und ohne ihn auch nur einmal beim Namen nennen zu müssen, weiß jeder, um welchen Fluss es sich handelt." Es ist der dunkel funkelnde Kongo, würde man ihn benennen, wäre der Zauber verflogen. Ein Geheimnis wie bei Wildbachs „Sister Rosa", die Dame deren Gesicht von Blumen überdeckt wird. Wer ist sie, wie schaut ihr Gesicht aus? Das weiß einzig und alleine Wildbach und vielleicht nicht einmal er.

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Biografische Daten: Bruno Wildbach wurde am 26. November 1964 in Eibiswald in der Weststeiermark geboren. Von 1985 bis 1992 studierte er Kunstgeschichte an der Karl-Franzens-Universität und Architektur an der Technischen Universität Graz. Wildbach lebt als freischaffender Künstler in der Weststeiermark.

Ausgewählte Ausstellungen:
2003 Ovest - Born at the Right Time, Steirisches Feuerwehrmuseum Groß St. Florian.
2006 Far from me Kulturzentrum bei den Minoriten,
2008 SAM,The nonresponder company presents seeds of captured eyes Galerie artepari, Graz.
2009 ZOO, Published by Pseudonyms, Galerie Z, Hard.

Weitere Infos: Externe Verknüpfung www.brunowildbach.com und Externe Verknüpfung www.artepari.com


Martin G. Wanko, Mai 2011

„TAU", 2011, Graphit/Öl/Mollino/Papier, 25 x 20 cm © Bruno Wildbach
„TAU", 2011, Graphit/Öl/Mollino/Papier, 25 x 20 cm
© Bruno Wildbach
"spica", 2010, oil on linen, 140 x 200 cm © Bruno Wildbach
"spica", 2010, oil on linen, 140 x 200 cm
© Bruno Wildbach
„Enzo“, 2010, graphit/color/mollino/paper, 40 x 30 cm © Bruno Wildbach
„Enzo“, 2010, graphit/color/mollino/paper, 40 x 30 cm
© Bruno Wildbach